Sommer 2019, Tag 10: Es ist wieder da – und ich bin wieder weg

Morgens um 5:25 wachte ich auf. Zu spät. Um den 6:21-Zug im Kassel zu erreichen, reichte die Zeit nicht mehr. Für den nächsten Zug könnte sie noch reichen. Aber ich kalkulierte kurz einmal durch, wie es heute nachmittag mit der Zeit aussehen sollte und entschied mich dazu, in Altenbekem zu starten. Ankunft in Freiburg ist dann um 15:55, das passt. (Die Anfahrt zum Bahnhof ist dann auch klima-freundlicher.)

Die Zugfahrt dauert mit 6 Mal Umsteigen gute 10 Stunden.

Trotzdem mag ich es, im Nahverkehr durch Deutschland zu zuckeln. Im Zug habe ich ein junges Pärchen getroffen. Daniela und Philipp sind auch mit dem Rad unterwegs. Aber nicht auf der gleichen Strecke. Wir unterhalten uns lange. Ein wenig setzt bei mir das schlechte Gewissen ein, als wir die geplanten Tageskilometer austauschen. Ich frage mich, warum ich jedem empfehle, dass 100 Km am Tag eigentlich mehr als genug sind – ich mich aber nie daran halte. Vielleicht sollte ich mal ganz gezielt eine Tour planen, wo ich maximal die 100 km am Tag fahre. Wäre mal was und täte mir bestimmt gut.

Schließlich trennen uns unsere Wege. Wir tauschen noch Telefonnummern und Blogadressen aus. Daniela berichtet in den nächsten Tagen vom Neckartal-Radweg auf https://weltenbummlereiblog.wordpress.com/. Es gibt dort auch einen schönen, älteren Bericht über Thailand.

In Freiburg schwinge ich mich aufs Rad. Heute liegen noch gute 70 Kilometer vor mir. 30 bis zum Supermarkt, 40 bis Mulhouse zum Campingplatz. Den Supermarkt erreiche ich stark beflügelt nach nicht einmal anderthalb Stunden. Die ganze Zeit nagen an mir die Zweifel. Bekomme ich das Portemonnaie direkt ausgehändigt? Läuft alles wie geplant?

Ich nähere mich mit dem Rad der Information und werde dort schon beim heranfahren komisch beäugt. „SALUT. M’appele Kremer. Markus Kremer. Je ne parlez Paß Francais. Ähm. Vous avez telephone a moi, parce-que vous trouvez min bleu portephille.“ So stammele ich. Die Frau hinter der Theke versteht mich, zieht eine Schublade auf. Da liegt mein Portemonnaie. Sie fragt noch einmal nach meinem Namen. Ich beschreibe ihr die EC-Karte und nenne die Kontonummer. Dann bekomme ich das Portemonnaie.

Es läuft wieder. In Erinnerung Mittwoch folge ich auf den nächsten 18 Kilometern dem Weg, dan ich Mittwoch einige Male gefahren bin. Interessiert bemerke ich, dass sich dort seit Mittwoch einiges verändert hat. Gefällt Bäume. Geterrte Schlaglöcher


In Blodelsheim halte ich kurz an. Hier hatte ich das Fehlen des Portemonnaies bemerkt.

Dann geht es über einen schönen Weg durch den Wald weiter nach Mulhouse. Ich nähere mich dem Rhein-Rhone-Kanal wieder

In der Ferne liegen die Höhen des Schwarzwaldes. Wenn man sich umdreht, sieht man die Höhen der Vogesen.

Immer wieder berichten Tafeln am Wegesrand von einer Schlacht, die hier im Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat. Auch Überreste wir ein alter Panzer oder ein altes Mörsergeschütz sprechen von dieser Zeit. Gut, dass wir die Zeit hinter uns haben.

Ich erreiche Mulhouse um 20:15. Irgendwie schaffe ich es immer, genau so am Ziel anzukommen, wie ich muss. 🙂

Der Campingplatz liegt am Rande eines Industrie-Gebietes. Es gibt labriges Bier für 4 €, aber ich darf es mit zum Platz nehmen. Dafür ist er mit 8,30 € ziemlich günstig.

Da ich heute nicht viel gemacht habe, gibt es heute nur eine kleine Tüte Nudeln und ein paar Chips. Nach dem Telefonat mit Andrea gehe ich auch bald glücklich ins Zelt. Mein Portemonnaie ist wieder da… Und ich bin wieder weg, auf Tour. Auch wenn es mir manchmal etwas schwer fehlt, wochenlang alleine unterwegs zu sein – ich brauche das einfach.