Schottland, Tag 5: Strathye nach Pitlochry 

Heute morgen habe ich verschlafen. Das kommt halt davor, wenn man Abends bis 1 Uhr mit zu Hause telefoniert. Das Gute daran: als ich aufwachte, regnete er noch leicht – und hörte dann auf. Perfektes Timing. Trotzdem musste ich mich nun ranhalten. Ich hatte gute 80 Kilometer vor mir – üblicherweise werden daraus immer 10% mehr. Also: Zähne putzen, Zelt abtrocknen, Innenzelt raus, Außenzelt ins Netz zum Trocknen hinten aufs Fahrrad. Los geht’s.

Einen Kilometer später im Shop im Strathye machte ich gleich wieder Stop und frühstückte erst einmal. Sandwich und Cola Light. Dort fand ich auch die leckeren Border – Kekse, die es in Deutschland nicht gibt. Leider. Ich nahm mir ein Päckchen mit.

Nach wenigen Metern verließ ich wieder die Hauptstraße und fuhr auf einer Nebenstraße dahin. Manchmal geterrt, manchmal geschottert, immer wieder schön. Es ließ sich gut fahren. Da die Navi mir sagte, dass ein 250-Meter-Anstieg bevorstand, überlegte ich kurz, auf die Hauptstraße auszuweichen. Aber ein Blick auf die Karte führte zu der Vermutung, dass auch die Hauptstraße irgendwann an Höhe gewinnen würde (was sie auch tat, ich hatte sie die ganze Zeitplan im Blick. 🙂

Der Anstieg hat sich aber gelohnt. Nicht nur, dass der Weg einfach schön war, sondern auch die Aussicht auf den Loch Earn (Ich muss mal schauen, ob er wirklich so heißt) war phänomenal.

Unterwegs trag ich einem Wanderer aus Deutschland, wir kamen kurz ins Gespräch. Wieder einmal erregte meine Zusatzbeleuchtung on den Felgen Interesse. (Wir haben übrigens schon nach 2 Sätzen auf Englisch gemacht, dass wir ruhig auf Deutsch weiterreden könnten. :))

Mach den ersten, steilen Anstiegen ging es auch sanfter voran.

Auf gut 250 (oder 300) Meter Höhe angekommen traf ich auf eine Snackbar. Da es der höchste Punkt meiner heutigen Tour war und ich Hunger hatte,  gab es zur Belohnung einen Hotdog und eine Pepsi Light. Und ein sehr nettes Gespräch mit der Bedienung.

Dann ging es bergab. Mit der Strecke. Leider, aufgrund des Schotters, nicht rasant. Gemütlich erreichte ich Killin (hieß so nicht eine der Zwerge aus „Der Hobbit“?). Nichts spektakuläres, dachte ich mir – und ging erstaunt an dem Wasserfällen (Okay, große Stromschnellen) in die Eisen. Die waren schon schön.

Außerdem konnte ich nach 20 Kilometern mal wieder ins Internet. Das Handynetz war wieder da.

Weiter ging es, der Empfehlung der Wirtin aus der Snackbar folgend, am Südufer vom Loch Tay entlang. Lange war ich enttäuscht – vor lauter Bäumen sah man dem See kaum. Aber irgendwann, nach einem Anstieg, gaben die Bäume den Blick auf Loch Tay frei.

Auf meinen drei vergangenen Reisen nach Schottland bin ich hier noch nie gewesen Leider. Beim Anblick fragte ich mich, warum sich die Hexen an der Brücke am Tay verabredet hatten. Hier war es doch viel schöner. Und sie hätten auch nicht so viel kaputt machen können. Außerdem fragte ich mich, wie ich den Campingplatz erreichen sollte, wenn ich ständig zum Fotos machen anhalte.

A propos Brücke am Tay. Nachdem ich vor 2 Tagen bei Facebook die Forth-Bridge als Brücke aus der Ballade verunglimpft hatte, konnte ich nun eine echte Tay-Bridge sehen. Aber es war bestimmt nicht die aus der Ballade.

Der National Cycling Route 7 (ja, sowas gibt es in Schottland) folgend passierte ich auf den folgenden Kilometern die Klienten Stadt Aberfeldy und machte kurz Station. Von dort aus rief ich kurz am Campingplatz des Abends an und erfuhr, dass man dort (etwa nördlich von Pitlochry) im Juli und August immer drei Nächte bleiben musste. Nein, dass wollte ich nicht. Auch die Aussicht auf ein Schwimmbad konnte mich nicht überzeugen – und so organisierte ich mir einen Platz am nächsten Campingplatz. Das waren dann nicht 10 % mehr Strecke  als geplant, sondern 15%. 🙂

Weiter ging es trotzdem. Nebenbei reservierte ich mir für morgen einen Platz im Zug, denn morgen cheate ich ein wenig. (Dazu morgen mehr.) Bei einem weiteren kurzen Stop passte ich meine Kleidung an das Wetter an und schlüpfte in die kurze Noröna-Hose.

Nach einem kurzen Stop in der Touristen-Hochburg Pitlochry (schön, aber überlaufen) fuhr ich etwas sehnsüchtig an Faskally vorbei. Gegen Schwimmen hätte ich heute Abend nichts einzuwenden gehabt. Ich bog von der Straße Richtung Loch Tummel ab und kam nach einer halben Stunde am Queen’s View an. Dies soll die Lieblingsstelle von Queen Viktoria am Loch Tummel gewesen sein. Ich kann es nachvollziehen.

Ich verweilte einige Minuten und rollte dann hinab zum Loch, denn auf dem Foto ist schon der Campingplatz zu sehen. Nette Besitzer, superschöne Lage. Aber die sanitären Einrichtungen und das fehlende WiFi lassen noch Luft nach oben. 🙂

Der Blick auf dem See ist aber dennoch traumhaft – und unter diesem Eindruck schreibe ich gerade (immer noch in kurzer Hose und barfuß) diesen Beitrag, während ein schöner Tag zuende geht.

Morgen geht es weiter nach Fort Augustus, wo ich am Ufer von Schottlands wohl bekanntesten Loch übernachten werde. Am Loch Ness.

Bis morgen – am Campingplatz habe ich morgen Wi-Fi. 🙂