Tag 9: Ullapool – Gairloch


Vorweg: es sollte an diesem Tag wieder regnen. Allerdings so, wie ich es aus Schottland gewohnt bin. Es regnet. Es regnet nicht. Es regnet. Es regnet nicht. … Über weite Strecken werde ich meine Regenjacke nicht ausziehen. Ob ich sie überhaupt mal ausziehen werde? Ich kann es rückblickend nicht mehr sagen.

Aber trotz der häufigen Schauer sollte es heute eine schöne 100-Kilometer-Tour werden. Gut 3/4 der Strecke führen mich an der Küste lang.

Daher war ich auch sehr gut gelaunt, als ich morgens mein Zelt eingepackt habe. Der Wind hatte über Nacht immer wieder lautstark an meinem Zelt gerüttelt. Trocken war es trotzdem nicht. Also das übliche Spielchen: Innenzelt raus, Außenzelt ins Netz und oben aufs Rackpack, damit es gut belüftet ist. Ich wechsle noch ein paar Worte mit den Nachbarn aus Remscheid, gebe dem Vater auch meine Web-Adresse und fahre dann zum Ausgang des Campingplatzes. Die Bucht sieht immer noch schön aus – auch wenn das Licht des Vorabends fehlt.

Gute 6 Kilometer und ein doppelter Anstieg auf etwa 120 Meter liegen nun bis Ullapool vor mir. Ich hoffe aufgrund der beiden Hügel, die ich hoch muss, noch einmal auf einen schönen Blick auf die Bucht und schaue immer wieder nach hinten. Vielleicht habe ich den Blick verpasst – oder es gab gar keinen, weil immer irgendwas im Weg steht. Nur auf den ersten paar hundert Meter kann ich runter in die Bucht schauen. Der Anblick ist aber nicht so spektakulär, als dass ich mit dem Fahrrad stehen bleiben möchte.

Aus der Höhe schaue ich mit Blick nach vorne ins Salzwasser-Loch Loch Broom rein, das Tal und die Anhöhe kann ich noch nicht sehen. Aber ich weiß, dass sie gleich kommt. Schließlich bin ich sie gestern auch runter gefahren.

In Ullapool angekommen mache ich noch einmal kurz Halt. Ich hole mir Geld bei der Bank of Scotland, bleibe dort auch kurz zum Surfen stehen und beginne einen Beitrag für den Blog. Allerdings bin ich nicht zum Surfen, sondern zum Radfahren hier – also fahre ich schließlich los. Noch ein kurzer Stop an der Tankstelle am Ortsausgang, dann nehme ich den Weg hoch zum Baemore Junction wieder in Angriff. Auch irgendwie albern – ich hätte gleich da oben bleiben sollen. Allerdings hätte ich dann die Bucht gestern Abend nicht gesehen. Zuerst ist es noch weitestgehend flach, der Anstieg kommt erst gegen Ende und ist kurz und schmerzhaft. Auf etwa 5 Kilometern muss ich gute 150 Meter hoch. Mich zieht aber die Burger-Brat-Bude oben am Parkplatz an. Wenn man mal von den Mücken absieht, war es da gestern sehr schön. Ich will mir da noch einen Burger holen.Ein wenig erschöpft komme ich am Parkplatz an und sehe … nichts. Die Bude ist noch nicht da. Oder schon weg. Enttäuscht nehme ich mir einen Babybel aus der Tasche und esse den. Verhungern werde ich während der Fahrt heute aber nicht. Verpflegung habe ich dabei.

Zwei große Steigungen habe ich heute vor mir – und ein paar kleinere, die immer mal wieder kommen. Als nächstes muss ich von den gemütlichen 220 Metern Höhe auf gut 380 Meter rauf. Bevor ich mich auf den weiteren Weg mache, mache ich aber noch ein Foto ins Tal hinunter.

10 Kilometer habe ich nun für den Anstieg zur Verfügung. Zuerst folge ich einige Kilometer in südlichwestlicher Richtung dem Lauf des Abhainn Cuileig, der vom Loch a‘ Bhraoin kommend hinter mir mit dem River Droma zusammenfließt und schließlich unten im Tal im Loch Broom mündet. Kurz vorm Loch biegt die Straße gen Nordwesten ab. Von der Steigung merke ich weniger als ich dachte. Es fährt sich flüssig und relativ unanstrengend. Es dauert auch nicht lange, bis ich bemerke, warum es so einfach geht. (Okay, eigentlich hätte ich es auch sofort bemerken können. Aber ich war mit den Augen und den Gedanken zur sehr bei der Umgebung um mich herum. Flache, von Gletschermasssen abgeschliffene und von Menschen ent“bäumte“ Hügel machen sich um mich herum breit. Und Regenwolken. Aber das schrieb ich ja bereits. 😉


Warum ich so leicht den Hügel hochkam? Ich hatte Rückenwind. Und zwar nicht zu wenig. Wie der Wind (ähm) trieb er mich die Straße hoch. Überholt wurde ich trotzdem noch. Ab und zu von Autos und Wohnmobilen, ab und zu von kleineren, highland-tauglichen  LKWs, häufiger von Motorädern. Seit Ullapool befinde ich mich auf der berühmten Route 500. Die 830 Kilometer lange Strecke führt von Inverness aus an der gesamten Nordküste (Inverness, John O’Groats, Durness, Ullapool) lang, anschließend weiter über Gairloch nach Applecross. Von dort nimmt die Route den 680 Meter hohen Pass (wie ich auch übermorgen) und biegt dann wieder Richtung Inverness ab. Die Strecke ist bei Motorradfahrern sehr beliebt, zählt zu den Top 5 der weltweiten Motorrad-Küstenstraßen. Vielleicht wäre das auch mal was mit dem Fahrrad. Sind ja nur 830 Kilometer. 😉

Extra für das Foto hatte der Regen wieder aufgehört.

Dank dem Wind komme ich zügig den Berg hoch und bei 380 Metern an.  Nachteil ist allerdings, dass der Wind auch den Regen um mich herum peitscht und meine Regenjacke dem Regen (gefühlt) nicht mehr standhält. Dabei hatten wir sie in Bad Lippspringe vor der Abfahrt extra noch einmal imprägniert. (Ja, ich musste das Wort gerade bestimmt fünfmal schreiben, bevor es richtig war.)

Bevor ich mich an den Weg bergab wage, halte ich kurz an. Die Straße lädt mich geradezu dazu ein, ein Foto zu machen. Ich stelle mein Fahrrad ab, warte ab, bis die Straße frei ist und …

mache das Foto.

Die Straße auf dem Bild rolle ich wenige Minuten später wieder hinab. Die Augen habe ich wieder mehr in der Gegend als auf der Straße. Es ist ja auch nicht viel Betrieb und die Straße ist breit genug. Es dauert aber nicht lange (ungefähr am Ende der Straße hinter der Biegung), da verlangt die Straße meine vollste Aufmerksamkeit

Ich befinde mich gerade an der rechten Seite des Höhenprofils im roten Kreis – und es geht bergab. Gut bergab. Komoot wird mir hinterher sagen, dass ich teilweise 14 % Gefälle hatte, im Schnitt waren es 8% – 9 %. Beim Fahren spielte das für mich aber keine Rolle. Ich habe eh keine Zeit dazu, aufs Handy zu achten, da ich mein vollbepacktes Fahrrad sicher und vorrausschauend den Berg runterlenken will. Irgendwann werfe ich dann doch mal kurz einen Blick aufs Display. Mit Schrecken sehe ich, dass komoot aufgrund der GPS-Daten gerade errechnete, dass ich mit etwa 65 km/h den Berg hinabschieße. Vorsichtig ziehe ich an den Bremshebeln und mein Rad verlangsamt leise quieteschend. Bei etwa 40 km/h fühle ich mich wieder sicher und mit einer Mischung aus Rollem und bremsen führt mich der Weg weiter ins Tal. Aus den Augenwinkeln werfe ich einen Blick auf die Felswände die sich rechts von mir erheben. Es wirkt ein wenig, als ob an hier eine kleinere Version des Quiraing von Skye abgestellt hätte. Als es wieder flacher wird, werden auch die Hügel wieder sanfter. Es war wohl nur der Einschnitt auf dem Weg ins Tal hinab. 

Ich habe jetzt wieder mehr Zeit, die Umgebung in Ruhe zu betrachten. Alte, verlassene Hütten zieren in regelmäßigen Abständen die Wiesen neben der Straße. In Gedanken versuche ich mir vorzustellen, wie irgendwann dort mal jemand gelebt haben könnte. Oder waren es nur „Schutzhütten“, die man nutze, während man bei seinen Schafen waren. Ich weiß es nicht genau. Aber diese alten Steinhütten prägen meiner Meinung nach das Bild Schottlands genauso wie es die Highlands tun.

Kurz danach kommt schon wieder der Atlantik in Form vom Little Loch Broom ins Sicht, ebenfalls wieder ein kleines Salzwasser-Loch. Am Little Loch Broom fahre ich die nächste Stunde am Südufer entlang. Die nächsten 20 Kilometer sind, abgesehen vom Ausblick aufs Loch, eher ereignislos. Bei der Fahrt am Loch lang habe ich mal wieder Glück mit dem Wetter. Immer mal wieder halte ich an, nehme mein Handy aus der Halterung am Lenkrad und mache ein Foto. Aufnahmen vom Little Loch Broom, von einer Steinmauer, von einer Steinhütte, von einer Muschel.

Gestern hatte es heftig geregnet. Heute regnet es auch immer wieder (nur im Moment nicht.) Wie heftig der Regen war, kann man im Nachhinein ganz gut an den Falls erkennen.    Das Wasser in diesem Wasserfall war erst seit gut 3 Kilometern unterwegs. In weniger Metern vermischt es sich mit dem Wasser im Little Loch Broom.

Am Ende des Lochs muss ich wieder auf eine Anhöhe hoch. Kein Problem, eröffnet sie mir doch bei dem guten Wetter der letzten Stunde bestimmt einen wunderschönen Blick übers Little Loch Broom hin ins zum Landesinneren. Ich komme am Sattel der Anhöhe in etwa 210 Meter über dem Meeresspiegel an, drehe mich um … und es ist alles wieder diesig. Dafür sieht es umso geheimnisvoller aus.

Meine Navi gibt mir beim Anfahren an eine Anhöhe nicht die exakte maximale Höhe an. Zwar sehe ich bei Bedarf ein Höhendiagramm, aber das ist ggf. sehr ungenau. Ich habe es mir daher inzwischen angewöhnt, bei anstehenden Anstiegen zwischendurch die Höhenlinie in der Komoot-Navi zu checken. Funktioniert ziemlich gut. Der Blick nach vorne ist besser, wie ich ein paar Minuten später sehe. Vor mir liegt Gruinard Island.

Während ich an den nächsten beiden Buchten lang fahre, habe ich die kleine Insel immer wieder im Blick. Sie scheint unbewohnt zu sein. Beim Entlangfahren kommt mir nicht einmal ansatzweise die Frage in den Sinn „Warum wohnt dort niemand?“ – Warum sollte sie auch. Einige Monate später, ich schreibe gerade den Bericht (also quasi jetzt im Moment), bin ich neugierig, was das für eine Insel war. Ich erfahre, dass ich nicht erst beim Loch Ewe auf Erinnerungen an den 2. Weltkrieg stoße. Hier, auf Gruinard Island, hat das britische Militär 1942 Bomben auf ein paar Dutzend Schafe abgeworfen, um Waffen zu testen. Die toten Schafe wurden anschließend verscharrt und die Insel zum Sperrbezirk erklärt, nachdem der Test „erfolgreich“ (ich mag dieses Wort nicht, wenn beim Test ein paar Dutzend Schafe verendet sind) beendet worden ist. Erst 45 Jahre später kam man auf die Idee, die Insel auch wieder zu reinigen – nachdem einer der Schaf-Kadaver vom Regen ausgespült und ans Festland gespült worden war. Verwunderlicherweise starben damals, in der 80er Jahren und damit 45 Jahre nach dem Test, plötzlich einige Schafe auf dem Festland an … Milzbrand. Auf der Insel waren 1942 biologische Waffen getestet worden um zu schauen, ob man sie gegen Nazi-Deutschland einsetzen konnte. Inzwischen wurde die Insel mit Formaldeyhd behandelt, sie gilt wieder als sauber. Die Seite travelbook führt die Insel dennoch weiter unter den 9 gefährlichsten Inseln der Welt. Auf youtube findet ihr übrigens eine Dokument vom Test im Jahr 1942

Noch im Nachhinein läuft mir ein leichter Schauer über den Rücken. Den exakten Gegensatz zur „Insel des Grauens“ finde ich in der gleichen Bucht, keine 5 Kilometer später. Vorher fahre ich aber noch an einer verlassenen Wellblechhütte vorbei. Telefonisch kann man diese Hütte wahrscheinlich nicht erreichen, denn bei dem Telefonhäuschen kommt garantiert die Meldung „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

Dann erscheint vor mir hinter einer weiteren Kurve ein Strand. Es ist wieder einmal nur leicht bewölkt, aber immer noch nicht wirklich sonnig. Trotzdem wirkt der Strand, wie er in der Bucht liegt, umgeben von bewaldeten Hügeln, sehr einladend. (Von Gruinard Island einige Kilometer vor dem Strand in der Bucht wusste ich ja damals nichts.)

Irgendwie schafft Schottland es immer wieder, schöne Strände zu schaffen. Als „Traumstrand“ würde ich Little Gruinard Beach zwar nicht bezeichnen, aber ich habe auch schon viele unschönerer Strände gesehen. Vielleicht wirken sie auch immer nur so schön, weil man hier – an der schottischen, wilden und schroffen Atlantikküste – auch nicht mit langen Sandstränden rechnet. (Dabei müsste ich es inzwischen besser wissen.)

Ein bisschen einfallslos finde ich die Namensgebung hier. Gruinard Island, Gruinard Bay, Little Gruinard Beach. Und der Fluss, der am Strand in die Bucht fließt, heißt natürlich: River … . Ja, logisch. 😉

Hinter der Strand geht es vergleichsweise steil den Berg hoch.  Es ist so steil, dass ich oben an der Spitze mein Fahrrad nicht vernünftig abstellen kann, um noch ein paar Fotos zu machen. Komoot spricht bei der Auswertung von bis zu 19°.

 

Während ich den Berg hochschiebe (das Fahren habe ich gar nicht erst versucht) werde ich beobachtet. Zuerst bemerke ich es nicht, aber dann sehe ich die ungewöhnlichen Formationen im Fels. Hörner. Unter den Hörnern erkenne ich stark und lang behaarte Körper. Im Hang über mir sitzt eine Herde wilder Ziegen und beobachtet mich aufmerksam. Die „Leitziege“ (gibt es das bei Ziegen) beobachtet mich besonders intensiv und scheint mir mit seinem Blick zu folgen. „Ja, ich beeile mich, hier wegzukommen. Ich tue euch nichts. Und in meine Fahrradtasche bekomme ich deine Ziegenkinder eh nicht gesteckt.“ Oberhalb der Bucht, am Ende des Anstiegs, bleibe ich noch einmal stehen. Ich schieße ein paar Fotos und rufe Andrea an. Ich muss ihr von dem Ausbl

 

 

ick, der sich mir gerade bietet, erzählen. Noch während ich telefoniere hält ein Auto neben mir an. Nachdem ich mich endlich von Andrea verabschieden konnte, sprechen sie mich an. Es folgt ein Gespräch über die üblichen Themen: Wohin? Wie lange? Wo gestartet? Warum? Woher? Als ich erzähle, dass ich aus Deutschland komme, schwärmt einer der beiden mir von Deutschland vor. Er war dort mal im Urlaub (glaube ich).  Ich hingegen schwärme noch lange von diesem Ausblick und dieser Bucht.

Ich muss nun wieder eine Landnase durchqueren. Die Sicht ist hier wenig spektakuär, aber ich freue mich schon auf den Blick, denn ich wenig später haben werde, wenn ich wieder auf eine Bucht zufahre. So spektakulär wird es aber nicht, gebe ich zu. Die die Bucht umgebenen Hügel drängen sich nicht in den Vordergrund, auch die flache Insel in der Mitte der Bucht ist unauffällig.

Ich kann das Bild nicht 100%-ig zuordnen, es müsste aber das Loch Ewe sein.

Eigentlich ist alles an der Bucht unauffällig, nur die durchschnittliche Tiefe von 15 Metern und die Maximaltiefe von 40 Metern (die ich natürlich nicht sehe, ich bin ja nicht unter Wasser) heben die Bucht ein wenig … ähm … hervor. Außerdem die Tatsache, dass das Loch Ewe, die Bucht, vergleichsweise groß ist. Dafür hat sie aber nur einen schmalen, knapp 1 Kilometer breiten Durchbruch zum „Minch“, dem vor der schottischen Küste gelegenen Gebiets des Nordatlantiks. Dieser Durchbruch ließ sich gut verteidigen. Daher wurde das Loch Ewe im 2. Weltkrieg auch genutzt. Hier war der Ausgangspunkt vieler Nordmeer-Geleitzüge in Richtung Russland, um Russland im Krieg von westlicher Seite aus zu unterstützen. Es heißt, dass das Loch Ewe teilweise so voller Schiffe gewesen sei, dass man das Wasser nicht mehr sehen konnte.

Über gut 10 Kilometer folge ich dem Verlauf der Bucht des Loch Ewe. Gegen Ende muss ich einmal einen Umweg fahren, da auf meinem Weg eine (noch aktive?) Anlegestation der NATO für U-Boote liegt. Dann erreiche ich Poolewe, die größte Stadt das größte Dorf am Loch Ewe. 250 Einwohner leben hier an der Mündung der River Ewe. Der River Ewe beginnt im nahe liegenden Loch Maree (dort komme ich aber erst morgen für längere Zeit vorbei) und ist einer der kürzesten britischen Flüsse. Mit 1,6 Kilometern Länge ist selbst die Pader länger. Poolewe ist klein, aber doch das Zentrum am Loch. Daher gibt es hier u.a. anderem ein Hotel, ein Schwimmbad und auch ein Geschäft. Ich nehme mal wieder eine Mahlzeit zu mir, nachdem die Burger-Bude am Braemore-Junction heute nicht da war.

Hinter Poolewe geht es noch einmal wieder bergan. Während linker Hand der River Ewe seinen Weg vom Loch Maree zum Loch Ewe sucht, trete ich in die Pedale (und schiebe) um den Anstieg hochzukommen. Am oberen Ende blicke ich nach Links. Das Loch Maree erwartet mich. Also: ich stehe nicht am Ufer, aber ich kann aus der Ferne zu ihm hinüber schauen.  Ich könnte auch einen kleinen Abstecher dorthin machen. Den mache ich aber nicht, da ich morgen noch am Loch Maree vorbeikomme. Stattdessen nehme ich die letzte Etappe bis nach Gairloch in Angriff. Gute neun Kilometer sind es noch bis Gairloch.

Ich fahre über eine etwas höhere gelegene Passstraße zwischen Poolewe und Gairloch. Mir drängt sich der Gedanke auf, ob das die „Highroad to Gairloch“ ist. „Highroad to Gairloch“ ist ein 2/4-Marsch für den Dudelsack, der an die Gefangenen erinnern soll, die damals diese Straße gebaut haben. Allerdings, si denke ich mir, führt diese Straße eher von Gairloch weg. Die Straße hin nach Gairlich müsste wohl eher aus dem Landesinnere kommen. Keine Ahnung. Das Stück ist trotzdem schön.

Ich fahre jedenfalls die Straße entlang und denke mir „Oh, ein Loch!“ Nein, zum Glück nicht im Reifen. Meine Schwalbe Marathon haben mich während der Tour nicht im Stich gelassen. Aber neben mir war wieder ein kleines Koch aufgetaucht. Lochs an sich finde ich schön, aber wenn man auch noch weiß, dass die Lochs in 100 oder mehr Meter Höhe liegen, finde ich sie noch schöner. Dieses liegt so hoch. Optisch ist es ansonsten aber eher unbeeindruckend.Ich bin noch nicht ganz auf der Höhe angekommen. 10 Höhenmeter fehlen noch. Etwa. Dann geht es wieder bergab. Rechts vor mir liegt Gairloch. Wieder einmal ein kleines Dörfchen (würde man in Deutschland sagen).

Oberhalb von Gairloch bleibe ich schließlich stehen. Hier gibt es einen kleinen Rastplatz, von dem aus man gut in den Ort und über die Bucht schauen kann. Viel interessanter finde ich allerdings die Schemen jenseits der Bucht.

Gegenüber des „Inner sound“, der im Norden in den „Minch“ übergeht, befindet sich die Insel im Nebel. Passenderweise liegt sich auch gerade im Nebel: Skye. Ich liebe Skye, kann ich nicht anders sagen. Ich freue mich auch schon darauf, wenn ich in gut 2 Wochen Skye erreiche. Die Schemen, die ich sehe, müssen die nördlichen Ausläufer sein. Einer dieser Buckel ist das Quiraing-Massiv. Schöne Fotos davon gibt es später mal, wenn ich dort gewesen bin.

Vor mir liegen noch etwa 6 – 7 Kilometer an der Bucht entlang. Ich folge der Hauptstraße, versuche mir für den kommenden Tag (heute ist es schon zu spät) die Shops zum Einkaufen zu merken und komme irgendwann nach einer guten halben Stunde am Ziel an. Mein Campingplatz – Sands Caravan and Camping – liegt etwa 15 KIlometer von Skye entfernt. Es ist ein großer Campingplatz. Platz für mich ist noch vorhanden. Ich hatte vorher angerufen. Ich zahle meine Übernachtung, gehe noch im recht gut sortierten Shop einkaufen und fahre dann zum Bereich des Campsite rüber, auf dem die Zelte aufgebaut werden können. Es ist windig und ich muss lange überlegen, wo ich mich hinstelle. Irgendwann finde ich einen Platz. Sehr gut ist er nicht, aber es ist ein Platz. In einer kurzen Telefonkonferenz mit meiner Ausrüstungsberaterin Andrea zuhause in Bad Lippspringe bespreche ich die Ausrichtung des Zeltes im Wind. Dann koche ich was, trinke mir ein Bierchen und gehe in eines der Aufenthaltshäuser, um dort das Wlan zu nutzen.

Nachdem ich später am Abend noch einmal mit Andrea telefoniere, möchte ich eigentlich noch einmal ans Meer. So weit entfernt ist es nicht. Der Zeltplatz liegt mitten in den Dünen. Aber da ich nach dem Relaxen im Aufenthaltshaus schon Probleme hatte, mein Zelt wieder zu finden, verzichte ich auf die kleine Tour zum Wasser. Es wäre eh dunkel gewesen. 😉

Damit geht eine an sich angenehme Tour mit ein paar knackigen Steigungen, insgesamt gut 1000 Höhenmetern und etwa 100 zurückgelegten Kilometern zuende. Morgen geht es weiter. Ich erreiche morgen einen meiner Lieblingsorte in Schottland und freue mich schon auf den Pub dort. Aber die Anfahrt morgen (speziell die letzten 20 Kilometer) werde ich verfluchen. Aber das weiß ich zum Glück heute noch nicht.

Gute Nach!


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