Tag 8: Contin – Ullapool


So schön die letzten Tage waren, so unschön geht es heute morgen los. Aber das wusste ich am Vorabend schon, also bin ich zumindest geistig vorbereitet. Immerhin regnet es noch nicht stark und ich beschließe daher, noch nicht im meine Regenjacke zu schlüpfen. Das Zelt trenne ich allerdings wie üblich wieder auf.

Black Water River bei Contin

Als alles verpackt ist gehe ich noch einmal ans Ufer des Black Water River und beobachte das Wasser für einige Minuten. Auf dem Bild kann man auch gut sehen, dass das Wetter nicht mehr so war wie am Vortag.

Auf dem Rückweg zum Fahrrad komme ich an meinen Nachbarn im Wohnmobil vorbei. Wir wechseln noch ein paar Worte und tauschen unsere Email-Adressen aus. Dann verabschieden wir uns und wünschen uns weiterhin eine gute Reise.

Contin Village Store

Ich greife mir mein Rad und schiebe es über die Wiese zur Rampe zur Straße hinauf. An der Straße mache ich direkt halt. Der Laden dort neben der Einfahrt zum Campingplatz war nicht groß, aber ich bekomme alles, was ich brauche. Ich muss die Tagesverpflegung einpacken. Vor mir liegen zwar heute nur gute 70 Kilometer bis zur Westküste, aber mit Ausnahme von Garve in etwa 10 Kilometern gibt es keine weitere Ortschaft auf dem Weg.

Im leichten Nieselregen und mit einer leichten Steigung folge ich der Hauptstraße aus Contin raus gen Westen. Richtig los geht es jedoch noch nicht. Die erste Pause liegt schon in gut 4 Kilometern an. Dort, am Black Water River liegen die Rogie Falls. Bei einer unserer Touren mit dem Auto durch Schottland wollten wir eines Abends in John O’Groats an der Nordost-Küste Schottlands campen. Die Gegend gefiel uns allerdings nicht so gut, der Campingplatz-Betreiber war auch unfreundlich. Also haben wir uns wieder ins Auto gesetzt und gesagt „Wir fahren zurück in die Highlands.“ Es wurde schon dunkel und die Fahrt dauerte auch ein wenig. Um kurz nach Mitternacht kamen wir damals durch Contin. Für den Campingplatz war es uns zu spät (mit meiner Erfahrung von gestern nehme ich an, dass wir uns einfach dort hätten hinstellen können) und so fuhren wir auf der Suche nach einem Parkplatz weiter. Wir fanden ihn an den Rogie Falls und übernachteten dort im Zafira. Das war möglich, haben wir öfters mal gemacht. Daher kannte ich die Rogie Falls auch schon. Ursprünglich wäre ich hier nicht vorbeigekommen, da mich meine Route planmäßig am gestrigen Tag von der Ostküste aus nach Durness im Norden und heute von dort zurück nach Ullapool geführt hätte. Aber ich habe ja einen Tag in Stirling verloren. Also mache ich das beste aus der Situation – und mache auch an den Rogie Falls wieder halt.

Ich stelle mein Fahrrad am Parkplatz ab, schließe es ab und folge dem ausgeschilderten Fußweg zu den Falls. Der Pfad führt leicht einen bewaldeten Hang hinunter, durch die Bäume rauschen schon die Wasserfälle. Sie sind nicht sehr groß aber dennoch begeistern sie mich wieder. Unterhalb der Wasserfälle gibt es eine Hängebrücke, die über den Black Water River führt.

Die Rogie Falls zwischen Contin und Garve

Von dort aus lassen sich die Falls gut beobachten. Manchmal sieht man sogar Lachse, die verzweifelt versuchen, die Falls hochzuhüpfen. Vielleicht sollte sich doch mal jemand dort ins Wasser stellen und den Lachsen den Weg zu der Fischtreppe zeigen.

Ich bilde mir ein, dass ich einen Lachs gesehen habe, kann mich aber auch täuschen. Einige Minuten lang  beobachte ich den Fluss, wie er die Felsen hinabstürzt. Bevor ich aber in Gefahr gerate zu sehen, wie die Felsen aufwärts klettern (siehe: Wasserfall-Illusion 😉 ) setze ich meinen Weg den Pfad entlang fort. Das Wetter ist etwas besser geworden, es hat aufgehört zu nieseln. Ich bin daher ganz entspannt und genieße den Aufenthalt an den Falls.

Zurück am Parkplatz kontrolliere ich grob mein Gepäck. Alles noch da, wie geplant. Nichts geklaut. Gut so. Ich folge der Straße weiter nach Westen. Sie ist nur leicht befahren. Es ist zwar die einzige Straße, die direkt zur Westküste (Ullapool, Skye, Äußere Hebriden)  führt, aber die Hauptverbindung führt doch durchs Great Glen. Hinter Garve teilt sich die Straße. Rechts ab geht es nach Ullapool, gerade aus führt die Straße in Richtung Kyle of Lochalsh weiter. Irgendwo dort wird diese „Hauuptstraße nach Skye“ sogar mal zur Single Road. So „Hauptstraße“ ist sie also nicht. 😉

Loch Garve

Kurz vor dem östlich von Garve liegenden Loch Garve stößt eine Eisenbahnstrecke zu mir. Ich könnte wieder in die Bahn umsteigen. Aber warum, das Wetter ich noch in Ordnung. Außerdem führt die Bahn noch nicht einmal nach Ullapool, sondern es ist die Verbindung, die von Inverness aus nach Kyle of Lochalsh (schon wieder) führt.

Ich komme durch Garve hindurch, bzw. fahre an Garve vorbei. Außer eiinigen Dutzend Häusern, einem Bahnhof  und einem Hotel sehe ich nicht viel. Irgendwo hinter den Häusern muss noch eine Grundschule liegen. Kinder gibt es im Umkreis also genug.

5 Minuten später trennen sich meine Wege und die der Eisenbahnschienen wieder. Ich bliebe auf der Straße, die Richtung Norden weiterführt. Kurz hinter der Gabelung informiert mich ein Schild darüber, dass es bis zum Braemare Junction noch 19 Meilen sind und bis nach Ullapool noch 32. Inwischen rechne ich beinahe automatisch im Kopf um. 32 * 1,6 = gute 50 Kilometer. Vor einer Woche noch fiel es mir schwerer und im ersten Moment freute ich mich immer über die geringe, noch zu fahrende Kilometerzahl. 😉

Kurz hinter dem Junction möchte komoot, dass ich rechts von der Straße abbiege. Die Navi hat scheinbar Angst um meine Gesundheit. Der Bogen ist nicht lang. Nach einer Meile sollte ich wieder auf der Straße sein. Ich biege daher einmal ab und nähere mich dem Black Water River noch einmal. Viel sehen kann ich aber nicht. Rechts vom Weg liegt laut der Karte „Little Garve“. Da Garve schon klein ist …. später zuhause habe ich einmal bei Google nach „Little Garve“ ausschau gehalten. Der Ort erinnert mich an Bullerbü. 3 oder 4 Häuser bzw. Höfe. Das nenne ich auch „Little“.

Ich komme wieder auf die A835 zurück, die Inverness mit Ullapool verbindet. Es ist immer noch wenig los, dafür setzt jetzt der Regen wieder ein. Tapfer halte ich durch. Der Regen dauert nicht lange, rede ich mir ein. So wie immer in Schottland. Ich kenne es kaum, dass es in einer Tour durchregnet. Außerdem bin ich zu faul, mir die Regenjacke anzuziehen. Vielleicht hätte ich es tun sollen, denn die Faustregel beim Radfahren besagt „Es regnet nur, wenn du keine Regenklamotten anhast.“

Einige Kilometer weiter wird gerade eine Touristengruppe durch den Regen geführt. Sie tragen Schirme und bedauern wahrscheinlich den armen Radfahrer, der sich hier durch den Regen quält. Es ist jetzt schon ein paar Monate her, aber ich glaube, dass ich inzwischen auch meine Regenklamotten angezogen habe, da es sich eingeregnet hat. Ich kann es allerdings nicht garantieren. Ich weiß aber, dass ich zwischen der Touristengruppe und dem Braemore-Junction einmal eine Pause nutze, um kurz aus der Jacke zu schlüpfen und ein paar Kilometer weiter die Kapuze fest in die Stirn ziehe. Spätestens dort muss ich die Regensachen anhaben.

Ich fahre stoistisch durch den Regen, lege Kilometer um Kilometer, Höhenmeter um Höhenmeter zurück. An einem Parkplatz, ich bin jetzt gut 20 Kilometer gefahren und es ist inzwischen Viertel nach 12, halte ich an.

Seit ca. 3 Stunden bin ich unterwegs – es wirkt sehr langsam. Aber ich war ja auch ca. 50 Minuten an den Rogie Falls.  Wenn ich den Aufenthalt dort von der Zeit abziehe ist es wieder nicht so demotivierend. Demotivierender ist eher der Regen. Es ist diesig, es ist nasskalt. Ja, ich habe mit gerechnet und darf mich also nicht beschweren. Ja, ich könnte auch die lange Hose einfach wieder anziehen. Die Regenhose über der kurzen Hose muss aber reichen. Dennoch  – der Regen wirkt sich auf meine Stimmung aus. Ich frage mich mehrmals „Warum mache ich das eigentlich?“ Warum – ich weiß es. Weil Schottland da ist und darauf wartet, mit dem Fahrrad bereist zu werden. Nass ist es trotzdem.

Zum Glück, aber das weiß ich noch nicht, hört er heute nochmal wieder auf. Zum richtigen Zeitpunkt. Dann wird meine Stimmung wieder besser.

Im Regen an der Straße treffe ich auf einen Leidensgenossen. Am Straßenrand steht ein kleines Pferdchen hinterm Zaun. Es schaut mich irritiert an, als ob es sagen wolle „Hey, die paar Tropfen. Der Regen kommt doch noch senkrecht.“

Nach etwa 4 weiteren Kilometern begleitet mich auch der Black Water River nicht mehr. Er entsteht hier als Zusammenfluss vom Abhainn Srath a Bhathaich (Klasse Name), der etwas weiter nördlich aus dem Loch Vaich erwächst und dem Glascarnoch River, der passenderweise unterhalb des Damms des Loch Glascarnoch entsteht.

Zum Abschied mache ich noch ein paar Fotos vom Black Water, dann folge ich dem Glascarnoch River. 

Keine 2 Kilometer später glaube ich zu träumen. Unterhalb des Damms des Loch Glascarnoch taucht das Aultguish Inn auf. Hotel, Bunkhouse, Essen und trinken gibt es scheinbar auch. Ich freue mich darauf, dem Wetter einmal für ein paar Minuten zu entkommen, fahre auf den Hof vorm Aultguish Inn …. und lese das Schild „Geöffnet ab 15 Uhr“. Es ist 13 Uhr. Ich seufze auf und überlege, ob es sich lohnt, so lange zu warten. Nein, beschließe ich, und schlüpfe nur für ein paar Minuten aus der nassen Regenjacke. (An dieser Stelle habe ich sie definitiv angehabt.)

Ich esse was, trinke was – Vorräte habe ich ja noch genug – und beobachte, wie 2 Wanderer das Bunkhouse verlassen und gen Osten in den Regen stiefeln. Viel Spaß, denke ich. Es ist nass hier draußen. Nach 10 Minuten beschließe ich weiterzufahren. Ullapool wartet nicht auf mich.

Ich muss einen kurzen Anstieg hoch, dann liegt das langgestrecke „Loch Glascarnoch“ neben mir. Irgendwo hier ist ein kleiner Parkplatz. Damals, als Andrea und ich überstürzt in John O’Groats aufgebrochen waren, hatten wir hier einen netten Schotten im Wohnmobil getroffen, der uns empfohlen hatte, doch Arran zu besuchen. Das haben wir damals auch gemacht – ich mache es auf meiner Tour auch noch. Aber nicht jetzt. Jetzt geht es weiter.

Ca. 18 Kilometer, das Loch Glascarnoch, das Loch Droma (beides Dämme zur Stromgewinnung) und die Nordsee-Atlantik-Wasserscheide trennen mich noch vom Braemore Junction. Etwas westlich der Abzweigung stürzt der Abhainn Droma (der Ausfluss des Loch Droma) etwa 50 Meter in die Tiefe.

Noch bin ich aber nicht am Corrieshalloch Gorge (so heißt die Schlucht), sondern ich fahre am Loch Glascarnoch entlang. Um mich herum (ich bin aktuell bei etwa 300 Metern Höhe, erheben sich die Berge bis auf 500, 600, 700, 800 Meter Höhe. Dabei halten sie aber respektvoll Abstand zur A 835. Das Panorama ist bestimmt schön anzusehen – wenn ich viel davon sehen könnte. Aber so ist es immerhin noch … schottisch anzusehen. (Oder wie eine Kollegin von mir sagen würde: Schottland ist bei jedem Wetter schön. Ja.)

Kurz vorm Loch Dorma mache ich wieder Halt. Ich mache ein paar Erinnerungsfotos und bin es leid. Die Kapuze der Regenjacke wird nun fest über dem Kopf (und unter dem Helm) zugebunden. Mein Gesicht liegt tiefer und geschützter in der Kapuze. Weiter geht’s.

Als ob ich es geahnt hätte. Kaum bin ich *richtig* regendicht eingepackt …. hört es auf. Nur noch wenige Tropfen fallen vom Himmel. Skeptisch wie ich inzwischen bin, lasse ich die Kapuze auf. Außerdem liegen unterhalb der Kapuze, gut geschützt, meine Kopfhörer und ich höre mit Runrig den passenden Soundtrack zur Landschaft. Diese fliegt jetzt wieder so an mir vorbei. Ich habe die Wasserscheide und den höchsten Punkt des Tages hinter mir.

Ich erreiche das Braemore Junction. Mein Weg führt mich nicht geradeaus auf Ullapool zu, welches 20 Kilometer vor mir und gut 250 Meter unter mir am Loch Broom liegt. Stattdessen biege ich nach links ab und mache am Corrieshalloch Gorge Halt. Die Schlucht hatte ich mir bisher noch nicht angesehen. Heute soll sie einmal auf meiner Liste stehen.

 

Am Eingang zum Corrieshalloch Gorge steht eine rollende Burger-Bude. Ich spreche mit der Bedienung ab, dass ich mein Rad im Regen- und Windschatten an ihre Bude lehne und spaziere den Rundweg in die Schlucht hinab. Ca. eine Meile lang und etwa 60 Meter tief ist die Schlucht. Vor Millionen von Jahren hat der River Dorma diese Schlucht gegraben. Heute ist er nur noch ein kleiner Fluss, dem man diese Naturgewalt kaum zutraut. Zusammen mit einer Familie aus Bielefeld, die ich zufällig hier treffe, geht es hinab. Unser Ziel ist eine Hängebrücke, die sich über die Schlucht wölbt hängt. Gebaut im 19. Jahrhundert weist auf beiden Seiten der Brücke ein Schild auf die maximale Personenanzahl hin, die die Brücke betreten darf. Peinlich genau achten die Touristen darauf. Aber auch wenn die Brücke bei jedem Schritt unsicher vibriert und gut 130 Jahre alt ist: ihr Erbauer verstand was von seinem Beruf. Er hatte schließlich auch die Forth-Bridge bei Edinburgh gebaut. Also wird diese Brücke wohl halten. Auch ich traue mich drauf. Vor lauter Höhenangst habe ich von den Falls am Ende der Schlucht aber nur ein Foto machen können. Die Bielefelder Familie macht ein paar Fotos von mir, der Brücke und von den Falls. Diese wollen sie mir zuschicken. Noch (März 2018) sind sie aber nicht bei mir angekommen. Nach der Brücke kommt noch eine 2. Herausforderung auf mich zu: die „Skybridge“ (oder wie man sowas nennt) – ein Steg, der einige Meter in die Schlucht reinführt und einen guten Blick nach unten erlaubt.   Mit zitternden Knien gehe ich den Weg wieder zurück. An der Burger-Bude bestelle ich mir noch was zu Essen. Dabei muss ich mich und das Essen gegen die Mücken verteidigen. Bevor ich mich wieder aufs Rad setze werfe ich noch einen kurzen Blick gen Nordwesten. Dort, am Ende der Schlucht liegt das Loch Broom – und dort liegt auch mein heutiges Ziel: Ullapool.

Es wird Zeit, dass ich weiterfahre. Oder besser gesagt „weiterrolle“. Nachdem ich wenige Minuten später am Braemore Junction wieder Kurs auf Ullapool genommen habe, geht es wie geplant bergab. Und ich rolle. Nach 6 Kilometern habe ich schon 150 Höhenmeter verloren und es wird auf den kommenden Kilometern etwas weniger rasant. Manchmal muss ich sogar noch in die Pedale treten um mich einen kleinere Anhöhe hochzuhiefen. Dafür habe ich von den Anhöhen aus immer einen schönen Blick aufs Loch Broom und irgendwann auch auf Ullapool.  Ullapool, das nördliche Tor zu den Äußeren Hebriden ist eine 250 Jahre alte Hafensiedlung. Ungefähr 1500 Einwohner leben hier im Regionalzentrum der nordwestlichen Highlands. Es gibt Schulen, Banken, eine Tankstelle, einen größeren Supermarkt, ein Zentrum am Hafen (mit einem Backpackers) und den Hafen selbst, von dem aus CalMac (die wichtigste Reederei Schottlands) täglich zweimal rüber zu den Äußeren Hebriden fährt.

Außerdem ist es inwzischen wieder wirklich trocken. So gefällt mir das Radfahren wieder. Ich fahre nach Ullapool rein. Auch Ullapool kenne ich schon von einem Urlaub mit Andrea und dem Auto hier in Schottland. Es ist sogar schon mein 3. Aufenthalt hier.  Zielsicher fahre ich am Hafen entlang, lasse den Backpacker rechts liegen und finde etwas weiter im Inneren des Ortes den Supermarkt und gehe erst einmal wieder einkaufen. Nach dem Einkaufen wurde ich auf mein Fahrrad angesprochen. Genauer gesagt auf die Plastikringe in meinen Felgen. Ich versuche auf Englisch zu erklären, wofür sie da sind. Schließlich hole ich mein Handy hervor und zeige einfach ein Bild davon, wie die Revolights in Aktion sind. Die Ullapooler sind begeistert und schreiben sich gleich auf, wo man diese LED-Lichter bekommen kann. – Im Laufe der Reise wurde und werde ich auf die Revolights noch mehrmals angesprochen.

Revolights in Aktion (Symbolfoto, während der Tour hatte ich keinen Schnee)

Was mir bisher in Ullapool noch nie aufgefallen war: es gibt nicht nur auf einer Landnase, die am Rand von Ullapool in das Loch Broom reicht, einen Campingplatz. Am Ortseingang hatte ich ein Schild gesehen, welches auf einen weiteren Campingplatz hinwies. Ca. 6 Kilometer Richtung Norden, an der Straße nach Durness. bei der Bank of Scotland nutze ich kurz das offene Wlan (*Notiz: ich fertige mal eine Übersicht an, wo ich überall offene Wlans gefunden hatte*) und schaue mir den Campingplatz an. Er liegt sehr schön, in einer Bucht. Was fehlt war die Infrastruktur von Ullapool. Dabei hatte ich mich eigentlich den ganzen Tag über auf ein kühles Tennents in einem schottischen Pub gefreut. Aber die Bucht versprach mehr als der Pub – und ein Bier hatte ich mir auch schon im Supermarkt geholt.

Ich berechne noch kurz, wie sich dann die morgige Strecke nach Gairloch verlängert (machbar) und verlasse Ullapool dann wieder Richtung Norden. Die spontanen Entscheidungen sind oft die besten. Und so ist es auch. Das Wlan dort am Platz ist grottig, es ist sehr windig (selbst im Windschatten einer mannshohen Baum-/Buschecke flattert mein Zelt noch). Aber die Bucht ist …. fantastisch, unbeschreiblich, atemberaubend. Ich habe aber auch Glück mit dem Wetter. Durch die Wolkenlücke scheint die Sonne, die sich schon langsam zum Untergehen anschickt, in die Bucht hinab. Der Wind drückt die Blumen und Gräser in Richtung Land, die Wellen rollen auf den Strand zu. Atemberaubend. (Aber ich glaube, dass schrieb ich schon.)

 So geht ein unangenehmer Tag zu Ende. Anstrengend war er nicht, die Strecke war überschaubar und gut zu fahren. Aber die Rahmenbedingungen waren unangenehm. (Es soll in den nächsten Tagen noch schimmer kommen. Aber das weiß ich heute noch nicht.) Aber das Ende war traumhaft. Nach 30 Minuten am Strand telefoniere ich noch mit meinen Eltern. Dann koche ich mir Maccaroni Cheese, es gibt ein oder zwei Tennants.

Beim Kochen habe ich aber trotz meines recht guten Kochers mit dem Wind zu kämpfen.  Gegenüber meines Zeltes hat inzwischen noch eine Familie aus Remscheid (glaube ich) ihr Zelt aufgeschlagen. Der Mann in meinem Alter erzählt mir, dass er und seine Frau vor über 20 Jahren schon zu Fuß und mit Rucksack und Zelt in Schottland unterwegs waren. Mit den Kindern wollten sie lieber die gemütliche Variante im Auto wählen. Aber es hätte sich viel verändert. Wo heute Straßen mit großen Parkplätzen zu den Castles führten, konnte man damals nur schmale Feldwege nutzen. …. Ich bin froh, dass ich für mein Rad vernünftige Wege zur Verfügung habe, beneide ihn aber trotzdem um die Erfahrung. Hätte ich das vor 20 Jahren mal schon gemacht.

Während am Parkplatz vor der Anmeldung ein Auto rückwärts einparkt, dabei halb eine Mauer hinabfällt und von einigen Touristen mit Autos – mit großen Autos aus der Misére befreit wird, esse ich zu Abend, freue mich am jetzt guten Wetter, habe Angst um mein Zelt und telefoniere später noch wieder mit Andrea. Wie fast jeden Abend. Danke, O2. 😉


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