Tag 7: Fort Augustus – Inverness – Contin

Teil 1:
Teil 2:


Dienstag Morgen. Vor einer Woche saß ich im Zug nach Amsterdam und war dabei, meinen Schlauch auszutauschen. Meine Gedanken gehen zurück an die letzten Tage, während ich nebenbei mein Zelt auseinander nehme und einpacke. Ich muss Innen- und Außenzelt wieder trennen. Geregnet hat es zwar nicht, aber das Zelt ist noch feucht von der Nacht. Auch wenn in der vergangenen Woche nicht alles glatt lief und ich schon kurz vorm Aufgeben war, bin ich froh, dass ich unterwegs bin. Ein paar Meter neben mir packt eine Wanderin ihr Zelt ebenfalls ein. Eine Wanderung könnte auch interessant sein, aber da würde ich wahrscheinlich eher nicht durch den Great Glen wandern. Eigentlich war der Great Glen für mich nur als schnelle Verbindung gedacht gewesen. Dass ich gestern aber auch ein paar schöne Stellen gesehen habe, rundet das Ganze ab.

Und der Ausblick über die Highlands, die mir die Fahrt entlang des Great Glen heute bieten würde, setzte der „Schnellverbindung nach Inverness“ die Krone auf.

Ich hatte gestern Abend noch überlegt, ob ich die touristische Route oder eher abseits über die Nebenstrecke fahren würde. Die touristische Nordwest-Seite vom Loch Ness hatte mich bisher noch nie so begeistert. Genauso wenig wie das Loch Ness. Es ist halt ein Touristenmagnet. Auch wegen dem zu erwartenden Verkehr entlang der Touristenroute sprach vieles für die Nebenstrecke, die mich am Loch Tarff vorbeiführen würde. Das war das einzige, was gegen die Nebenstrecke sprach. Loch Tarff, das Trinkwasser-Reservoir von Fort Augustus liegt bei ca. 350 Metern Höhe. Die höchste Stelle auf der Nebenstrecke bei etwa 450 Metern. Da Loch Ness bei 13 Metern über dem Meeresspiegel liegt habe ich auf den nächsten 10 Kilometern einen netten Anstieg vor mir.

Schon nach wenigen Kilometern streiche ich das Wort „netter Anstieg“ aus meinem Sprachgebrauch. Ich fluche und schiebe mein vollbepacktes Rad den Weg neben der Straße hoch. Ein Jogger überholt mich dabei. Als er mir einige Minuten später wieder entgegenkommt,  meint er „Heute ist es mir zu anstrengend“, nickt mir aber motivierend zu. Er meint noch, dass sich meine Strapaze lohnen würde, dann joggt er weiter ins Tal hinab.  Neidisch schaue ich hinter ihm her und verlängere meine Pause noch ein wenig.

Pause mache ich auf dem Weg nach oben öfters. Nicht nur der Berg raubt mir den Atem. Auch der Ausblick zurück ist atemberaubend.

Der Blick zurück geht rein ins Great Glen, reicht weit bis nach Südwesten. Ich überlege, ob die Spitze (etwas links der Mitte) evtl. der Ben Nevis ist. Der höchste Berg Schottland und Großbritaniens. Ich bin mir aber nicht ganz sicher. Möglich wäre es. 

Ich wende meinen Blick nach rechts ins Tal hinab. Hier bin ich mir sicher, was ich sehe. Fort Augustus an den Ufern des Loch Ness, des wasserreichsten Lochs Schottlands.

Trotz der Anstrengung bereue ich die Wahl der Strecke nicht. In einer Mischung aus Fahren, Schieben, Pausieren überwinde ich die nächsten Kilometer. Nach 5 Kilometern überquere ich einen kleinen Fluss, der runter zum Loch fließt und stürzt. Ich bin inzwischen ca. 230 Meter hoch (und damit so hoch wie das Loch Ness an seiner tiefsten Stelle tief ist). Mein Weg führte mich zurück auf die Nebenstrecke, so dass ich mehrmals von kleineren Bullis und ähnlichem überholt werde. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche, dass der Fahrer einfach stehen bleibt und mich ein paar Kilometer mitnimmt. Aber das wäre auch irgendwie nicht richtig. Lieber schieben.

Dann kommt das Loch Tarff in Sicht. Nein – eigentlich nicht sofort. Bevor ich zum Loch Tarff komme, blockiert ein Verkehrshindernis die Straße. Vor mir auf der Straße steht hinter einer Kurve seelenruhig ein Schaf, so als ob es sein Job wäre, mitten auf der Straße zu stehen und den Verkehr aufzuhalten.

Dann kommt aber das Loch Tarff, und ich werde abermals für die Strapazen belohnt. Nochmal zur Erinnerung, Loch Tarff, Wasserreservoir für Fort Augustus, ca. 350 Meter über dem Meeresspiegel.

Mir gefällt es hier. Hier bleibe ich. Vielleicht bin ich nur aufgrund der Strapazen, die hinter mir liegen, so schnell zu beeindrucken. Ich weiß es nicht. Aber die Szenerie hoch über dem Loch Ness, ein kleines, knuffiges Loch mit kleinen Inseln – es beeindruckt mich. Ich muss erst einmal Fotos machen, sie per Facebook teilen und mit meinen Eltern telefonieren. Während ich telefoniere bekomme ich über Facebook schon die ersten Rückmeldungen – ich glaube, es liegt nicht nur an meiner Erschöpfung. Auch meine  Freunden und Bekannten daheim gefällt die Szenerie. Irgendwann reiße ich mich wieder los. (Okay – wahrscheinlich war es nicht so lange. Aber 20 Minuten habe ich bestimmt in der Nähe vom Loch Tarff verbracht. Das ist lange – für mich.

Ich nehme meine Kraft zusammen, schalte in den niedrigsten Gang. Denn vor mir liegt die letzte richtige Anhöhe für heute. Ich muss noch etwa 100 Meter höher. Zwischendurch steige ich wieder ab und schiebe, aber kurz vor der Spitze des Hügels steige ich wieder auf und bewege mich fahrend voran. Mein Gefühl trügt mich nicht – ich komme zu einem vergleichsweise gut besuchten Parkplatz und Aussichtspunkt. Die Touristen dort sehen mich und nicken mir aufmunternd und bemitleidend zu. Als ich mich wenige Minuten später mit einem deutsch-polnisch-schottischen Ehepaar unterhalte, gebe ich allerdings im Nebensatz auch zu, dass ich weite Teile des Berges geschoben habe. Da stehe ich zu.

A propos „stehe“ – ich stehe in gut 450 Metern Höhe (aus dem Kopf heraus würde ich sagen, dass das neben dem „Bealach na Bà“, dem Pass bei Applecross, die größte Höhe ist, die ich erreiche) und habe eine beeindruckende Sicht. Vor mir liegt das Loch Ness – denke ich. Nein, ist es nicht und kann es auch nicht sein. Das Loch ist zu klein. Es ist (im Hintergrund auf dem Foto zu sehen) das Loch Knockie. Schöner Name. 😉

Vom Parkplatz auch führt ein schmaler Weg auf den nächsten Hügel hoch. Schätzungsweise würde ich 20 Minuten bis dort hoch brauchen. Wanderer, die gerade zurückkommen, erzählen mir, dass die Aussicht nicht viel besser ist also vom Parkplatz aus. Daher schenke ich mir den Aufstieg und plane lieber 40 Minuten mehr in Inverness ein.

Ich unterhalte mich noch kurz mit zwei Radfahrern aus Frankreich, die aus Richtung Inverness den Berg hochgefahren kommen, dann setze ich den Helm wieder auf und schwinge mich aufs Fahrrad. Ab gehts.

Die Strecke, auf der ich südlich des Loch Ness fahre, gibt es seit gut 300 Jahren. So finde ich später zu Hause heraus. Sie ist Teil des Generals Wade’s Military Road, ein Netzwerk aus Straßen der Engländer, welches zu Beginn des 18. Jahrhunderts die verschiedenen Forts in den Highland verbinden sollte.

Die Straße ist aber (so historisch es auch wäre) nicht mehr im Originalzustand. Das hätte mir spätestens jetzt bei der Abfahrt die Felgen zerbröselt.

Gute 30 Minuten brauche ich für die nächsten 10 Kilometer bis zu den FoyersFalls. Ich habe die Höhe nun wieder etwas mehr als halbiert und mache eine kurze Pause um die Foyer Falls anzuschauen. Zu den Fällen führt nur ein Fußweg von der Straße aus den Berg hinab. Widerwillig schließe ich mein Fahrrad mit vollem Gepäck auf der Terrasse eines Shops/Cafés ab und mache mich auf den kurzen Weg den Hang hinab. Die Foyer Falls sind nicht unspektakulär. Eher klein stürzen der Foyer wenige hundert Meter vor dem Ufer des Loch Ness gut 65 Meter tief in eine Schlucht hinab.

Schaut man zu lange in diesen (oder einen anderen) Wasserfall und verschiebt den Blick dann abrupt hin zu den danebenliegenden Felsen hat man den Eindruck, die Felsen würden „hoch wandern“. Diese „Wasserfall-Illusion“ (bzw. „Motion After Effect“) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von dem irischen Arzt Robert Adams anhand der Foyer Falls beobachtet und aufgeschrieben.

Ich wandere den Anstieg wieder zum Fahrrad hinauf. Wie durch ein „Wunder“ wurde nichts geklaut. Im Shop versorge ich mich noch ein wenig, dann breche ich wieder auf. Es sind noch  gut 30 Kilometer bis Inverness. Auch wenn ich gestern (oder vorgestern) die Großstadt Stirling kaum vermisst habe, freue ich mich doch ein wenig auf Inverness. Ich würde die Stadt nicht wirklich als „schön“ bezeichnen, aber sie war bisher bei jeder meiner Autoreisen nach Schottland Anlauf- und Versorgungspunkt. Ich fühle mich dort praktisch heimisch.

Zuerst geht es aber noch gut 20 Kilometer am Loch Ness entlang. Ich möchte nochmal betonen, dass das Loch Ness mich noch nie wirklich begeistert hat. An Ungeheuer glaube ich nicht und es gibt Lochs, die viel schöner, abgelegener, malerischer liegen als das Loch Ness. Loch Ness ist einfach nur eine …. tiefe Spalte.

Nach gut 5 Kilometern mache ich Halt um einen Blick aufs Loch zu werfen. Will ich mich davon überzeugen, dass es wirklich nicht schön ist? Falls ja, der Plan ging schief. Ich stehe oberhalb des Lochs und schaue hinunter zu den Wassermassen, den größtenteils bewaldeten Hängen auf der anderen Seite. Von der Hauptstraße dort ist nicht viel zu sehen. Stattdessen Natur – wenn man einmal von dem Campingplatz absieht. (Aber über Campingplätze sollte ich vielleicht als Nutznießer (schreibt man das so?) nicht lästern.)

Loch Ness

Von hier aus gesehen gefällt er mir doch wieder. Auf der weiteren Tour am Loch entlang finde ich immer wieder nette kleine Plätze mit schöner Aussicht. Ob einem etwas gefällt oder nicht ist vielleicht doch immer eine Sache der eigenen Perspektive.

Loch Ness
Urquart Castle

Eine halbe Stunde später befinde ich mich gegenüber dem Urquart Castle. Wenn ich gut lausche, könnte ich dort einen Piper hören. Am Urquart Castle steht auf ein „Duty Piper“ für die Touristen. Vielleicht macht er aber gerade auch Pause. Sei ihm gegönnt. Wenn er nicht spielt hat auch Nessie (nein, ich glaube nicht an ihre Existenz) Ruhe. Forscher würden, wenn es sie denn gäbe, die Küste unter Urquart Castle aufgrund einiger Höhlen für den wahrscheinlichsten Lebensraum halten. Aber auch Nessie sehe und höre ich nicht.

Loch Ness – das schönere Ufer

Nach guten 10 weiteren KiIometern, vielen Stopps und dadurch bedingt über 2 Stunden Fahrt verengt sich das Loch Ness schließlich und bildet kurz darauf wie gewohnt zwei Ausläufe: der River Ness und dem Caledonian Canal.

Ich verliere das Wasser etwas aus dem Blick und folge der Straße auf Inverness zu. Meine Navi schlägt mir noch einen kleinen Umweg auf eine Nebenstrecke vor, die ich aber dankend ablehne. 10 Kilometer später befinde ich mich wieder am River Ness. Der eigentlich parallel laufende Canal hat sich bereits von ihm getrennt und fließt westlich am Rand von Inverness her auf den Beauly Firth zu, während der Ness Inverness teilt und kurz darauf ebenfalls in den Firth mündet, der passenderweise ab dort aber Inverness Firth genannt wird. (Bisher wusste ich es noch nicht, aber dieser „Inverness Firth“ ist nur der innere Trichter von Großbritanniens größtem Firth, dem Moray Firth an der Nordost-Küste Schottlands. Ich gebe zu, ich habe die Ecke bisher immer einfach nur für die Küstenlinie zur Nordsee hin gehalten.)

Am Ufer des Ness entlang fahre ich langsam nach Inverness rein. Über mir thront Inverness Castle (kommt auf meine ZuBesuchen-Liste für den nächsten Urlaub), auf der anderen Seite liegt St. Andrew’s Cathedral.

Inverness Castle
River Ness mit der St. Andreas Cathedral in Inverness
Ufer des River Ness in Inverness
River Ness und Inverness
Inverness Castle

Nach einem kurzen Abstecher für ein paar Fotos auf eine Brücke über dem Ness fahre ich in die Innenstadt. Hier kenne ich mich aus. So albern es klingt – mein erster Weg führt mich nach McDonalds. Auf echtes schottisches Essen stehe ich nicht so, den McDonalds kenne ich von früheren Besuchen in Inverness und ich kann dort endlich einmal wieder vernünftig in ein Wlan hinein. Das war in den letzten Tagen etwas schwierig.

Nach der relativen Ruhe genieße ich das Leben in der Stadt beinahe wieder, ein wenig überfordert es mich aber auch. So viel Fußgänger- und Straßenverkehr von allen Seiten bin ich nicht mehr gewohnt. 😉 Ich schiebe mein vollbepacktes Rad vorsichtig durch die Innenstadt und schaue mir die Fenster der Läden an. Viele Andenkenläden gibt es hier. In einem Schaufenster finde ich etwas Bekanntes.

Ich schreibe kurz eine Nachricht in die Whatsapp-Gruppe unserer Pipeband, aber keine braucht aktuell einen neuen Kilt. Ist auch besser so. Der würde im Gepäck nur verknicken.

Kirche in Inverness, am Ufer des River Ness

Nach einer Runde durch Inverness (es sind eher mehrer Achten)  verlasse ich die Innenstadt. Den Weg raus aus der Stadt finde ich blind, die Navi läuft trotzdem weiter mit. Sie muss schließlich die Strecke mitloggen und mich nach dem Verlassen von Inverness bis nach Contin führen. Wobei – auch den Weg dorthin würde ich finden. Allerdings vielleicht nicht den besten Weg für einen Radfahrer.

Der beste Weg für einen Radfahrer aus Inverness hinaus führt auf jeden Fall am Tiso vorbei. Tiso, das ist die führende Outdoor-Kette in den UK. Ich mache halt und fülle meine Gas-Vorräte auf. Noch habe ich genug, aber man weiß ja nie, wie es die nächsten Tage aussehen wird. Morgen Abend will ich in Ullapool sein, danach habe ich bis Fort William 4 Tage später keine „Großstadt“ mehr auf meiner Strecke. Im Tiso unterhalte ich mich mit dem Mitarbeiter an der Kasse. Mit geübtem Blick hat er erkannt, dass ich nicht mit dem Auto unterwegs bin. Er fragt mich nach meiner Strecke, nach meinen Erfahrungen und erzählt mir, dass Schottland ein beliebtes Ziel für Tourenradler aus Deutschland sei. Oh-kay. Mag sein. Dann verstecken sich die anderen Tourenradler aber vor mir. 😉 (Wobei, dass stimmt nicht ganz. In einer „Radfahrer-Gruppe“ bei Facebook stand ich kurz mit einem Radler in Kontakt, der zeitgleich den Nordseeküstenradweg an der britischen Küste fährt und wahrscheinlich ungefähr zeitgleich mit mir Inverness erreicht hat. Vielleicht war er 5 Minuten vor mir im Laden. Daher auch die Aussage mit den „vielen Radfahrern aus Deutschland. 😉 )

Ich verlasse den Tiso, verpacke meine Einkäufe und schwinge mich wieder  aufs Fahrrad. Vorher mache ich noch schnell ein Foto von mir und dem Tiso als kleinen Gruß an Andrea. Weiter geht es – ich erhebe mich mal wieder in die Luft. Hinter dem nächsten Kreisverkehr erwartet mich die 1000 Meter lange Kessock Bridge. Rechts von die Autos auf der A9, links von mir hinterm Geländer der Abgrund. Ich hasse Brücken. Und ich genieße sie, wenn ich sie mit dem Fahrrad fahre. Von der Brücke aus habe ich noch einen schönen Blick auf den Beauly Firth. Im Westen zieht sich der Himmel etwas zu. Drei sehr schöne Tage sollen auch reichen. 😉 Ich habe noch etwa 30 Kilometer bis Contin. Contin liegt im Westen. Ungefähr dort, wo sich die Wolken auftürmen. Daher beschließe ich ohne größere Pausen durchzufahren.

Hinter der Brücke biege ich links ab, fahre an dem kleinen Ort Charleston vorbei und folge der nördlichen Küstenlinie des Beauly Firth. Wenige Kilometer vor Muir of Ord fahre ich auf die Hauptstraße zurück und auf dieser nach Muir of Ord rein. Linkerhand liegt das „Festivalgelände“ des Ortes. 2013 fand dort die „Party on the moor“ statt, das große Konzert der schottischen Band Runrig zu ihrem 40. Bandjubiläum. Andrea und ich hatten unsere damalige Schottland-Reise so geplant, dass wir an dem Festival-Samstag vor Ort sein würden. Wir haben auch noch Eintrittskarten bekommen. War ein sehr schönes Konzert. Schade, dass ich das Abschlusskonzert „Last Mile“ in diesem Jahr nicht erleben werden. Ich habe keine Karten mehr für das große Konzert in Stirling bekommen.

In Muir of Ord mache ich kurz Halt, stärke mich noch einmal im Supermarkt und nehme die letzten 10 Kilometer in Angriff. Es ist eher eine „Pflichtstrecke“, landschaftlich nicht sonderlich interessant geht es durch das „Örtchen“ Marybank hindurch nach Contin. Die Lage des Campingplatzes ist von einem vorherigen Besuch hier im Ort bekannt, ich finde ihn ohne Probleme. Auf dem Platz finde ich aber keinen Ansprechpartner. Ich irre etwas hilflos umher, als mich ein deutscher Tourist anspricht. Der Ward käme gleich zurück, er würde in einem gelben Bulli leben und wäre damit nur kurz unterwegs.

Ich baue am Rand des einfach gehaltenen Campingplatzes mein Zelt auf. Am Eingang des Platzes befindet sich ein kleines Sanitär-Häuschen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes gurgelt der Black Water. Dem River Black Water werde ich am morgigen Tag noch einige Stunden auf meiner Tour gen Westen folgen.

Als ich mein Zelt aufgebaut habe, kommt auch der Verwalter des Zeltplatzes mit seinem alten VW-Bulli zurück. Er winkt mich heran, ich zahle meine Übernachtung und werfe einen Blick in seine „Wohnung“. Er hat sich den Bulli sehr alternativ umgebaut, im hinteren Bereich befindet sich nicht nur ein Bett, sondern unzählige Bücher in einem kleinen Bücherschrank sowie ein Holzofen. Sehr … alternativ.  Den Wlan-Code des Campingsplatzes gibt er mir auch gleich dazu. Das Wlan ist gut und stabil. Ich lade meine Tour hoch und werde dann vom Nachbarn aus Deutschland auf ein Bier eingeladen. Die Aussicht auf ein kühles Arran Blonde gefällt mir. Ich setze mich zu dem Rentner-Ehepaar ans deren Wohnbulli und wir unterhalten uns einige Zeit. Netterweise versorgen sie mich nicht nur mit zwei Arran Blonde, sondern auch mit belegtem Brot zum Abendessen. So lässt sich leben. Ich revanchiere mich und empfehle ihnen auf dem Weg nach Skye, der vor ihnen liegt, Manuela’s Wee Bakery in Dornie. Lecker Brot gibt es dort. Und vieles mehr.

Abendbrot am Campingplatz bei netten Nachbarn

Wir unterhalten uns über unserer Schottlandreisen und über die Schule, irgendwann verabschiede ich mich und gehe telefonieren. Die Sonne geht unter. (Obwohl ich weiß, warum bin ich doch verwundert, dass ich abends um 22 Uhr noch ein wenig Sonne habe.) Ich telefoniere noch. Die Tour ist wunderbar, ich genieße sie. Aber die abendlichen Telefonate nach Hause mit Andrea brauche ich.

Irgendwann gehe ich ins Zelt, schreibe noch ein paar Zeilen in den Blog auf dieser Homepage und freue mich auf den morgigen Tag. Es geht einmal quer durch Schottland rüber zur Westküste. Anschließend will ich der Westküste Richtung Süden folgen. Ich genieße die Tour. Noch weiß ich nicht, dass ich die nächsten Tage oft fluchend verbringen werde. Aber: selbst schuld. Wer fährt schon mit dem Fahrrad nach Schottland und geht davon aus, dass er 5 Wochen lang 25 Grad und Sonnenschein hat. Ich bin in Schottland – das Wetter soll in den nächsten Tage zurückschlagen. Aber noch weiß ich davon nichts.

Der Black Water gurgelt leise weiter und ich schlafe ein.


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