Tag 6: Loch Tummel – Rannoch Station – Spean Bridge – Fort Augustus

Teil 1:
Teil 2: 


Der Tag beginnt mit so schönem Wetter, wie der letzte geendet hat. Strahlend scheint die Sonne über dem Zelt.

Die Sonne scheint über meinem Zelt.

Auch im Loch Tummel badet der Sonnenschein.

Ich gehe in den Toiletten-Container, wasche mich und meine Koch-Utensilien vom Vorabend. Dann packe ich wieder einmal die Taschen und befestige alles auf meinem Fahrrad. Zuletzt kommt das Zelt in seine Tasche und in den Ragpack. Das erste Mal auf meiner Tour muss ich Innen- und Außenzelt nicht trennen. Das Außenzelt ist so trocken, als ob ich gerade erst in Paderborn gestartet wäre.

Morgenstimmung am Loch Tummel

Bei den netten Besitzern des Campingplatzes hole ich noch (es ist inzwischen zur Routine geworden) meine Stromversorgung ab und habe wieder drei randvoll gefüllte mobile Akkus dabei. Unter normalen Umständen komme ich mit einer Akkuladung eines mobilen Akkus 2 Tage weit. So lange schafft er es, das Smartphone im Navi-Modus mit Allways-On-Display mit Strom zu füttern.

Blick auf den Loch Tummel von oberhalb des Campingplatzes

Ich verlasse nun den recht spartanischen Campingplatz mit seiner recht schönen Lage, fahre langsam den Anstieg zur Straße hoch und genieße von dort schon einmal den Blick auf den Loch Tummel, der mich die nächsten 10 Kilometer begleiten soll.

Ich komme gut voran, die Kilometer fahren sich bei schottland-untypischem, fast wolkenlosen Himmel wie von alleine. Einige Dutzend Meter neben dem Loch fahre ich etwas erhöht am Ufer vorbei und habe so immer wieder einen guten Blick auf das langestreckte Loch. Im Geiste rechne ich damit, ein tiefes Donnern zu hören, aber die Royal Air Force hat scheinbar heute dienstfrei. Das Loch Tummel und auch das Loch Rannoch sind aufgrund ihrer Länge beliebte Tiefflug-Übungsgebiete. Bei meinem ersten Besuch hier hatte mich im Auto eine große Militär-Transportmaschine im Tiefflug überrascht. Damit hatte ich  damals nicht wirklich gerechnet – dementsprechend irritiert war ich damals auch. Heute kam aber keine Maschine vorbeigeflogen. Wahrscheinlich hätte ich auch dieses Mal die Piloten irritiert. Denn wie gewohnt – ich traf zwar ab und zu auf meiner Strecke ein paar Autos an, aber Radfahrer? Nein. Keine Spur.

Loch Tummel im Westen

Nach 10 Kilometern erreichte ich das westliche Ende des Lochs. Dort fließt der River Tummel in das Loch hinein. Der Weg vom Loch Rannoch herüber zum Loch Tummel ist für den Fluss eher unruhig. Stromschnellen, kleinere Falls liegen auf dem Weg.

Auch eine alte Steinbrücke muss der Fluss unterqueren. Chance für mich, einmal wieder ein Foto von meinem treuen Drahtesel zu machen. Wie man auf dem Foto sieht: Das Zelt ist eingepackt, auf dem Ragpack macht sich mein Handtuch zum Trocknen breit.

Tummel Bridge

Überqueren möchte ich die Brücke aber nicht. Hinter der Brücke gibt es zwar auch einen Weg, der gen Westen führt. Dieser endet aber nach nicht einmal 5 Kilometern am Flußufer. Keine gute Idee. ich bleibe am Nordufer auf der Straße.

Kurz vor der Brücke nutze ich noch die Gelegenheit und kaufe in einem Shop Vorräte ein. Toastbroat, Käse, Cola Light, frische Wasserflaschen, die ich direkt in meine Trinkflaschen in ihren Halterungen umfülle. Eine kurze Frühstückspause ist auch noch drin.

Frühstück

Gemütlich fahre ich nach der Pause und der Brücke weiter. Mein nächster „Checkpoint“ ist Kinloch Rannoch am Ostufer und Ausfluss vom Loch Rannoch. Dort verlasse ich die „Hauptstraße“ und biege auf die südlich des Lochs verlaufene Nebenstrecke ab. Loch Rannoch ist ca. 16 Kilometer lang. In der Wikipedia findet man bei schottischen Lochs oft den Satz „…hat die typisch langgezogene Form eines in der Eiszeit durch Gletscher entstandenen Sees.“ Das trifft hier auch zu.

Ich radele munter weiter drauflos, bleibe regelmäßig stehen und erfreue mich weiterhin am untypischen Wetter. Am Ostufer mache ich ein paar Fotos vom Fahrrad und dem Loch bzw. lasse Fotos machen, wie ich gerade am Loch vorbeifahre.

Loch Rannoch vom Osten aus

Immer wieder halte ich an. Ich bin gut in der Zeit, erst um 15 Uhr, in ca. 3 Stunden muss ich Rannoch Station erreicht haben. Bis dorthin sind es noch etwa 30 Kilometer. Das sollte mir gelingen. Details am Ufer ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein einsamer Baum im Wasser, ein altes Boot. Ich nutze auch zwischenzeitig die Gelegenheit, um einmal die Füße ins Wasser zu stecken.

Altes Schiff am Loch Rannoch
Uferszene am Loch Rannoch
Abkühlung im Loch Rannoch

Gemütlich rolle ich am Ufer entlang. Stirling und die gerissenen Metallschellen sind so weit entfernt wie nie. (Nein, das ist keine dramaturgisch motivierte Aussage. Die Schellen werden jetzt nicht jede Sekunde wieder reißen. Das passiert erst wieder in 2 Wochen auf dem Weg nach Jura.)Schließlich kommt nach etwas über eine Stunde das Westufer in Sichtweite. Eine vorgelagerte (meines Wissens künstlich angelegte) Insel teilt die Mündung des River Gaur ins Loch Rannoch auf. In einem Bogen nähere ich mich dem Fluß und überquere ihn mal wieder mit Hilfe einer Brücke.

Noch 10 Kilometer und ein Anstieg um etwa 100 Meter liegen vor mir, bevor ich Rannoch Station erreiche. Ich folge dem River Gaur weiter nach Westen. Das weiterhin strahlendem Wetter nutze ich für eine kurze (Foto-)Pause oberhalb des Loch Eigheach. Dieses kleine Loch wäre normalerweise noch kleiner, wenn es nicht (zur Energiegewinnung?) aufgestaut worden wäre.

Disteln am Loch Eigheach kurz vor Rannoch Station
Loch Eigheach

In der Ferne kann ich schon die Eisenbahnverbindung sehen, die von Glasgow nach Fort Williams und von dort weiter nach Mallaig führt. Sie windet sich an den Hügeln vorbei und durchquert Rannoch Moor, eine der letzten von Menschenhand kaum berührten Landschaften Schottlands am östlichen Rand in Süd-Nord-Richtung. Rannoch Station, mein Etappenziel, ist das letzte Zeichen der Zivilisation dort am Rand vom Rannoch Moor. Danach kommt erst einmal einige Kilometer Nichts. Außer dem Loch Laidon, einer schönen Landschaft und einem Wanderweg, der durch Rannoch Moor hindurch rüber zum GlenCoe führt. Bei meinem ersten Besuch hier vor einigen Jahren hatte ich die Karte Schottlands noch nicht verinnerlicht und war von dem Gedanken, dass sich westlich von mir ein riesiges, unbewohntes Gebiet befand, sehr beeindruckt. (Wobei, unbewohnt stimmt nicht. Laut der Wikipedia befindet sich im Rannoch Moor das „McDuck-Castle“ aus den Donald Duck Comics. 😉

Bis Rannoch Station sind es noch 5 Kilometer und etwa 50 Höhenmeter. Ich komme etwas ins Schwitzen, was aber eher an der Sonneneinstrahlung liegt. Dabei liegt der härteste Teil der Teiletappe noch vor mir: die Bahnhofsbrücke rüber zum Bahnsteig von Rannoch Station. Ich schaue mich nach einer anderen Möglichkeit um, auf den Bahnsteig zu kommen. Aber ich finde keinen.

Übergang zum Bahnsteig von Rannoch Station

Zum Glück finde ich nette Reisende am Bahnhof, die mir behilflich sind. So entstehen wenigstens Fotos davon, wie ich mein Fahrrad über die Brücke trage. *schwitz* Aber mein armes Fahrrad, welches mich über 3000 Kilometer tragen muss, hat es auch mal verdient, dass ich es trage. Das Gepäck hatte ich aber sicherheitshalber vorher abgestellt.

Übergang zum Bahnsteig von Rannoch Station (Aufstieg)

Am Bahnsteig gibt es ein kleines Café. Ich habe noch gut eine Stunde Zeit und setze mich dorthin. Mit einer Familie aus Deutschland komme ich ins Gespräch und sie empfehlen mir den Nordwesten Schottlands (die Gegend um Durness – die Gegend, die dank der Low-Rider-Schellen leider gestrichen wurde) und das Banana-Split hier im Café. Den Tipp nehme ich gerne an.

Banana Split im Rannoch Station Café

Das Eis schmeckte sehr gut. Rannoch Station ist meiner Meinung nach sowieso einen Abstecher wert. Die Abgeschiedenheit hier ist einfach … enorm. Aber wenn man hier vorbei kommt, sollte man die Gelegenheit für ein Banana-Split nutzen.

Die Familie verabschiedet sich, ich gebe noch einmal die Adresse meines Blogs weiter (beim nächsten Mal brauche ich Visitenkarten) und drehe dann eine Runde über den Bahnsteig.

Rannoch Station liegt an der West Highland Line. Diese verbindet wie schon erwähnt Glasgow mit Fort William und darüber hinaus mit Mallaig. Die Strecke zwischen Tyndrum (südlich von Rannoch Moor) und Roybridge (Nördlich von Rannoch Moor) führt durch nahezu menschenleeres Gebiet. Der Bahnhof Corrur am Loch Osian besitzt noch nicht einmal eine Straßenanbindung.

Ich nutze die Zeit, die ich noch habe für ein paar schöne Fotos an diesem kleinen Bahnhof.

Warten in Rannoch Station – Blick nach Norden
Rannoch Station, im Hintergrund Dubh Lochan
Einfahrt des Zugs in Rannoch Station

Schließlich kommt der Zug. Ich bin vorbereitet,

Das Fahrrad hängt im Zug ab

habe mein Gepäck schon abgenommen und bereite mich auf eine etwas stressige Phase vor. Aber die Zugbegleiter sind ganz relaxed, helfen mir dabei, mein Fahrrad zu verstauen und zu sichern. Relaxed und gemächlich nimmt die Diesellok (die Strecke ist nicht elektrifiziert) wieder Fahrt auf und fährt mit gemütlichen 50 km/h Richtung Norden. Vorbei am Blackwater Reservoir, an Corrur Station, am Loch Treig bevor die Gleise irgendwann am River Spean Richtung Westen abbiegen. Die niedrige Geschwindigkeit ist sehr touristenfreundlich (Touristen stellen den Großteil der Passagiere im Zug), der Grund liegt aber eher daran, dass die Strecke nicht mit höherer Geschwindigkeit befahren werden darf.

Ich genieße die Aussicht aus den großen Fenstern und bin froh, dass ich die Strecke mit dem Zug gewählt habe. Das abgelegene Loch Treig liegt einfach schön.

Loch Treig aus dem Zug heraus

Ich könnte nun bis Spean Bridge weiterfahren, wie geplant. Dort biegt die Eisenbahnlinie gen Süden in Richtung Fort WIlliams ab. Ich entscheide mich aber vergleichsweise spontan dazu, in Roybridge auszusteigen und mich wieder aufs Fahrrad zu setzen. (Am Ende meiner Tour habe ich übrigens ziemlich genau 3008 Kilometer gefahren. Ohne diese Entscheidung wären es gerade eben noch 3000 Kilometer gewesen. Vielleicht sogar nur 2999.)

Weiter geht also der 2. Teil dieses Tages – von Roybridge am Loch Lochy vorbei, dem Caledonian Canal und der Great Glen folgend  bis ans Ufer des Loch Ness nach Fort Augustus.

Blick auf die Berge hinter Spean BridgeIch fahre nach der langen Pause wieder los. Ein wenig zehre ich noch vom Banana-Split und überlege deswegen kurz, ob ich in Spean Bridge Halt machen möchte. Aber dort gibt es einen Spar-Markt. Ich halte an, gehe einkaufen und stärke mich ein wenig. Dann geht es weiter – auf eine Strecke, gegen die die Straße kurz vor Edinburgh aussieht wie ein gut gepflegter, selten befahrener Radweg.

Der Great Glen ist nicht nur die „Falte“ zwischen den Northwest-Highlands im Nordwesten und den Grampians Mountains im Südosten, sondern es ist auch der Durchbruch mit der Hauptverbindungsstrecke zwischen Fort William und Inverness. Entsprechend ist der Verkehr auf der jeweils einspurigen Straße. LKWs folgen Bussen folgen Autos folgen Wohnmobilen folgen LKWs. Und dazwischen ich. Ich bin jederzeit darauf vorbereitet, mein Fahrrad nach links in die Büsche zu lenken und schaue fast mehr nach hinten als nach vorne. Aber das ganze ist absolut unnötig. Die Autofahrer und speziell die Fahrer der größeren Fahrzeuge fahren langsam hinter mir her, warten bis kein Gegenverkehr mehr kommt, halten beim Überholen großen Abstand. So als ob hier auf dieser Straße ständig Radfahrer unterwegs sind. Ich hätte es mir aber auch leichter machen können. Auf der Nordwest-Seite des Loch Lochy, an dem ich entlangfahre, führt auch eine kleinere Nebenstrecke her. Ich hätte allerdings einen Umweg gehabt, den ich mir sparen wollte. Dank der netten Verkehrsteilnehmer geht es aber auch so. (Wenn ich nochmal mit dem Rad hier sein sollte, werde ich aber die andere Seite nehmen, auch wenn ich mir aus der Ferne nicht vorstellen kann, wo dort ein vernünftiger Fernradweg-tauglicher Weg herführen soll.)

Loch Lochy vom Süd-Ost-Ufer aus
Loch Lochy

Am Nordost-Ufer vom Loch Lochy verlasse ich die Hauptstraße und fahre direkt am gut 200 Jahre alten Caledonian Canal lang. Beim Wechsel an den Caledonian Canal überschreite ich auch die Wasserscheide. Ab jetzt fließt das Wasser aus den Lochs gen Osten und in die Nordsee. Noch gute 16 Kilometer bis Fort Augustus liegen vor mir.

Ich folge für gut vier Kilometer dem Kanal, bevor ich bei North Laggan wieder die Hauptstraße überquere und am Ostufer vom Loch Oich weiterfahren werde. Am Kanal liegen viele kleinere Schiffe vor Anker und warten auf die Weiterfahrt durch eine der vielen Schleusen. Die Strecke, die ich gerade fahre, ist in Ordnung. Schotter – aber gut befahrbar. Dann wechsele ich wie geplant auf die östliche Strecke am Loch Oich entlang. Keine Menschenseele ist zu sehen, während ich ein wenig in die Pedale trete. Ich möchte nicht zu spät in Fort Augustus ankommen. Ich hoffe dort auf ein wenig Infrakstruktur und möchte in Fort Augustus noch einkaufen und auswärts etwas Essen.

Links zieht Loch Oich an mir vorbei, rechts Felsen, Bäume, Wald, Wasserfälle. Ich genieße die Atmosphäre, wobei es optisch in den Trossards noch schöner war. Ich möchte aber eigentlich die einzelnen Etappen nicht miteinander vergleichen und sie werten – ich freue mich lieber jeden Tag auf das, was ich sehe, erlebe und erfahre.

Kurz vorm Nordost-Ufer überquere ich eine schmale Brücke. Ein Schild am Anfang der Brücke weist mich darauf hin, dass es hier glatt sein könne. Also – wahrscheinlich nicht heute. Im Winter aber bestimmt. Das schlingernde Auto auf dem Verkehrsschild halte ich aber für eine Übertreibung. So schmal wie die Brücke ist, kann hier gar nichts schlingern. 😉

Brücke kurz vor Fort Augutus

Hinter der Brücke sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zum Ausfluss des Loch Oichs. Auch wenn es langsam langweilig werden könnte, bleibe ich wieder stehen, steige vom Rad, lege mich flach ans Ufer des Lochs und mache aus dieser Perspektive ein Foto. Ich finde, dass dadurch so ein Loch noch besser zur Geltung kommt.

Loch Oich von Nord-Osten aus

Der Loch Oich gabelt sich. Er wird zum River Oich, der die ursprüngliche Verbindung zum 5 Kilometer entfernten Loch Ness bildet, und wieder einmal zum Caledonian Canal. Eine Brücke führt über den Canal um die Autos passieren zu lassen. Als ich vorbeikomme, schwenkt sie gerade zur Seite. Die Autos warten, ein größeres Schiff passiert den Canal. Ich warte auch, obwohl ich auf dem Pfad neben dem Canal direkt weiterfahren könnte.

Weiter geht es am Caledonian Canal entlang. Ich finde es riecht manchmal etwas muffig nach „Brackwasser“ (nennt man das so?). Wenn ich damals in Erdkunde aufgepasst habe sind Kanäle üblicherweise stehende Gewässer. Ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Zumindest scheint das Wasser im Trog des Caledonian Canals zu stehen. Und so riecht es halt manchmal auch. Fahren lässt es sich trotzdem gut. Ich fahre auch lieber am Pfad neben dem Canal her, als dass ich erwarten würde, dass man das Ufer des River Oichs mit einem Pfad für die Radfahrer verschandelt. Ab und zu gibt es abfallende Verbindungen hinab zum Flußlauf. Es ist wohl eine Art „Überlaufventil“ des Canals.

Ich rolle den Canal entlang. Zwischen mir und dem Loch Ness ist nur noch ein leichtes Gefälle. Der Canal überwindet dieses Gefälle (bzw. die Steigung) mithilfe von Schleusen. Insgesamt gibt es am Caledonian Canal 29 davon.  Diese überwinden eine Höhe von 60 Metern bzw. 60 Foot (ca. 29 Meter). Im Netz findet man verschiedene Angaben. Ich persönlich finde die 60 Foot-Angabe  naheliegender, u.a. weil der höchste Punkt des Canals (Loch Oich) bei ca. 30 Meter über dem Meeresspiegel liegt.
Die sind nicht mit den Schleusen am Dortmund-Ems-Kanal oder am Mittelland-Kanal vergleichbar. Aber es sind Schleusen. Bei meiner Ankunft in Fort Williams bekomme ich mit, wie ein Schleusenwärter gerade parallel zu den Schiffen die Schleusenstufen hinabläuft und am jeweiligen Bedienpult die Schleuse betätigt. Minden ist da etwas fortschrittlicher. Aber mir gefällt es.

Die Schleusentore im Verlauf des Canals haben oben drauf jeweils noch einen Übergang. Wenn die Tore gerade geschlossen sind, kann man diesen Übergang passieren. Das mache ich auch noch einmal und fahre dann links-kanalig lang.

Schleuse am Caledonian Canal kurz vor Fort Augustus

Ich fahre nach Fort Augustus rein und passiere die schon beschriebene Schleusenanlage. 5 Schleusen hintereinander bringen den Canal auf die 16-Meter-über-dem-Meeresspiegel-Höhe, auf der das Loch Ness liegt. Nur wenige Meter voneinander entfernt erreichen der Canal und der River Oich das wohl berühmteste Loch Schottlands und lassen Nessie damit die Wahl, ob es lieber via Canal oder River seinen Kumpel „Wee Oichy“ im Loch Oich besuchen möchte.

Ich möchte erst einmal nur noch den Cumberlands-Campingplatz besuchen. Südlich der Schleusenanlage liegend entpuppt er sich als sehr geräumig. Eine große Wiese mit angrenzenden sanitären Anlagen erwartet mich. Hinter der Wiese liegt der Bereich für die „weiße Ware“. Ich baue schnell mein Zelt auf (wie viel schneller geht es, wenn das Innenzelt noch mit dem Außenzelt verbunden ist) und gehe dann telefonierend in den Ort zurück. Obwohl Fort Augustus eine bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Geschichte als Garnisonsort hat und als Ort am Ende vom Loch Ness eine gewisse (touristische) Bedeutung hat, kann man den Ort nicht als Stadt bezeichnen. Gerade einmal knapp 700 Bewohner leben hier – ich hätte mir den Ort größer vorgestellt. Es gibt trotzdem mehrer Restaurants, eine Imbiss-Bude, einige Andenkenläden und eine Tankstelle. Diese ist auch gleichzeitig der einzige Shop … und schließt um 21 Uhr. Durch reinen Zufall stehe ich in der letzten Minute dort vor der Tür und kann mir für den Abend noch ein paar Kalorien in Form von Tennants-Dosen kaufen. Zum Abendessen gibt es noch Fish’n’Ships aus dem Imbiss. Dann folgt das obligatorische Telefongespräch und anschließend gehe ich in Gedanken den kommenden Tag durch. Erstes Etappenziel ist Inverness. Ich könnte die Hauptstraße fahren und am Schloss Urquart vorbei. Die Strecke verläuft größtenteils flach. Oder ich fahre östlich vom Loch Ness auf den Hügel und die Nebenstrecke. Meine Entscheidung ist schnell gefällt. Leider.

Ich trinke mein Bier aus und rolle mich in meinen Quilt. Schon bald schlafe ich ein. Schlafen kann ich gut – etwas anstrengend ist die Fahrt schon, trotz moderater 100-Kilometer-Strecken.

Gute Nacht!


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