Tag 19: Salen – Sligachan

Nach dem nicht ganz nach Plan gelaufenen Vortag, sollte ich heute entschädigt werden. Mein Weg führt mich heute bis nach Mallaig zum dortigen Fähranleger, mit der Ferry anschließend rüber zur „Insel im Nebel“ und dort weiter bis … ja, bis zum nächstgelegenen freien Campingplatz. Unglücklicherweise liegt dieser noch gut 55 Kilometer entfernt. Aber ich freue mich immer drauf, wenn ich nach Sligachan zurück komme.


Ich schlafe trotz des komischen Vortages ruhig und entspannt. Mit dem Vortag bin ich inzwischen aber auch ins Reine gekommen. Was soll’s. Ich fahre ja nicht mit der Stechuhr, sondern so wie ich will.

Der Morgen kommt und die morgendliche Route läuft. Taschen packen, Zelt einpacken, Fahrrad beladen, zur Toilette gehen, den Mülleimer mit dem weggeworfenen Zelt fotografieren. … Ähm – da hatte scheinbar einer einen noch schlechteren tag gehabt als ich.

Bei der Abfahrt halte ich noch kurz im Shop und der Anmeldung, verabschiede mich und kaufe das übliche ein. Schokoriegel, Cola. Mit einem Blick auf die großzügig bemessene Fläche des Campingplatzes verabschiede ich mich vom Gelände und fahre auf der Straße zwischen dem Campingplatz und dem Loch Sunart dahin.

Es geht am Loch bzw. wenige hundert Meter neben dem Loch entlang, bevor ich an einer Bucht nach Norden abbiege. Vor mir liegen die 2 -3 Dutzend Häuser der kleinen Ortschaft Salen. Ich biege linker Hand ab und fahre Richtung Westen auf Kilchoan zu … Nein, nicht mehr. Mein Ziel heute ist Mallaig und die Überfahrt zu meiner Lieblingsinsel Skye, da muss Kilchoan also leider links liegen bleiben.

Es geht also in nördliche Richtung. Eine kleine Anhebung (ca. 60 Höhenmeter) trennen mich von den südlichen Ausläufern des Loch Shiel und der Siedlung Acharacle. Als ich auf der anderen Seite der Anhöhung wieder herunterrolle kommt das Pärchen von gestern auf die Straße gerollt. Sie hatten scheinbar etwas abseits der Straße ihr Nachtlager aufgeschlagen.

Wir treffen uns in Acharacle am Shop, wo jeder von uns einkaufen geht. Es ist wieder einer dieser kleinen Tante-Emma-Läden (würde man in Deutschland sagen). Klein, eng, gemütlich, die Sortierung könnte natürlich besser sein – aber man findet alles, was man braucht. Dann verabschieden wir uns voneinander – wohl wissend, dass wir uns bestimmt noch einige Male sehen werden. Das Pärchen biegt demnächst Richtung Fort Williams ab, aber bis Lochailort haben wir noch den gleichen Weg vor uns.

Am Ufer des Loch Shiel (bzw. River Shiel, wie er an dieser Stelle schon heißt), bleibe ich stehen, mache ein Foto und schaue in die Ferne. Hier in der Gegend, am Südwestlichen Ende vom Loch Shiel wurden vor 900 Jahren die Normannen von Somerled besiegt und vertrieben. Vor etwa 300 muss irgendwo hier Bonnie Prince Charles ins Boot gestiegen sein, um zum Nordufer von Loch Shiel )nach Glenfinnan) zu fahren und sich dort mit den Anführern der Hochlandclans zu treffen und den Aufstand gegen die englische Krone anzugehen. (Nein – diese Geschichte ist nicht nur der fiktionale Hintergrund vom „Outlander“, sondern auch Realität. 😉 ) A propos fiktionaler Hintergrund. Das Loch Shiel (aber wieder die nordöstliche Gegend) ist aus diversen Filmen bekannt. Glenfinnan am Loch Shiel ist der Geburtsort vom Highlander und das Loch Shiel ist auch als „Hogwart-See“ bekannt, diente es wohl als Drehort für die Szenen, in denen der See zu sehen war. (Ich verspreche, ich werde mir bei Gelegenheit mal alle „Harry Potter“-Teile anschauen und die Drehorte suchen. 😉 )

Ich warte jetzt nicht drauf, dass Harry Potter oder Connor MacLeod vorbeikommen. Stattdessen fahre ich weiter. Aber nicht weit, denn keine 500 Meter halte ich erneut. Manchmal glaube ich, ich habe eine sehr morbide Ader. Schottische Kirchen und die anliegenden Friedhöfe faszinieren mich einfach. Mein Gefühl sagt mir aber, dass ich dieses Mal keine Zeit auf dem Friedhof verbringen soll.

Ich fahre also wirklich weiter, überquere auf einer Brücke den River Shiel und sehe im Geiste Bonnie Prince Charles in einem kleinen Paddelboot unter ihr herkommen, gefolgt von Harry Potter auf seinem Zauberbesen. Die nächsten Kilometer danach geht es flach und in gefühlter Sichtweite zum Loch Shiel weiter. (Gefühlt, weil ich ihn nicht sehe – aber dafür das flache Tal, in dem das Loch liegt) . 

Nach einigen Kilometern kommt ein bekanntes Schild, welches in Schottland wahrscheinlich extra für mich aufgehängt wurde. „Markus, denk daran, dass du auf den Single-Roads den überholenden Fahrzeugen Platz machst!“ Ja, mache ich. Der Hinweis ist auch mal wieder nötig, denn auf den nächsten 2 Kilometern geht es mal wieder nach oben. Bei der Auffahrt sehe ich nicht so viel von der Umgebung. Ab und zu reißen die Bäume aber mal auf und erlauben den Blick auf das Loch Shiel. Erst kurz vor der Höhe bei 150 Metern hören die Bäume auf und geben  den Blick über das Land frei. Vor mir erhebt sich ein Höhenzug, welcher in meine Richtung schroff abfällt. Ich hoffe, dass ich dort nicht irgendwo einen versteckten Pfad hochfahren muss. 

Nein, einen versteckten Pfad muss ich nicht hochfahren – dafür die Straße zwischen Ufer und der Abbruchkante entlang. Allerdings nur bis auf ca. 200 Meter und praktischerweise mal wieder auf einer normalen Straße mit einer Spur pro Richtung.

Bevor ich dorthin komme überquere ich aber noch auf einer schmalen Ersatzbrücke den River Moidart. Dieser Fluss fließt ins Loch Moidart, ein kleines SeaLoch. Hier in der Gegend fand im 2. Weltkrieg aufgrund der Abgeschiedenheit das Training der „Special Operation Executive“ statt. Okay – solange sie jetzt nicht irgendwo aus einem Gebüsch springen und mich erschrecken.

Der River Moidrat entwässert ungewöhnlicherweise kein anderes Loch, sondern eine ganze Gegend. Der Fluss bildet sich aus dem Wasser der morastigen Gegend um seinen Flusslauf herum.

Die Straße, auf der ich gerade fahre, ist übrigens die A861. Teilweise (wie auf dem Bild unten) gut ausgebaut, teilweise eine schlechtere Single Road. Interessant fand ich eine Beschreibung der A861, die ich in der englischen Wikipedia gefunden habe.
„The A861 runs along the loch’s northern shore; it is a remote circuitous route which connects to the A830 at both ends, without passing through any significant settlements.“ (www.en.wikipedia.org)

Okay, vielleicht nicht „significant“ – aber auch nicht unschön. Wbei sich zumindest der Steg an der Straße am Loch Moraid ein Beispiel am „du bist nicht wichtig“ genommen hat.

Auf dem nun folgenden Anstieg werde ich (beim Schieben) mal wieder von 2 Radfahrern überholt. Wir winken uns zu – kennen uns ja inzwischen schon näher.

Nach dem Anstieg muss ich mich erholen. Ich habe schließlich nicht nur geschoben. Mein Blick schweift über das Land Richtung Osten. Hinter dem Berg im Mittelpunkt (der nach einem Blick auf die Karte wahrscheinlich bei etwa 400 Metern liegt) liegt irgendwo der Rois Bheinn, der höchste Berg hier auf der Halbinsel.

Ich habe mich erholt ohne zum Asthma-Spray zu greifen und schwinge mich wieder aufs Fahrrad. Jetzt geht es 200 Meter nach unten – bis zum Ufer des Loch Ailort. Als ich gestern Abend mit Andrea meine heutige Route besprochen habe, meinte sie nur „Falls du durch Glenuig kommst, da kommt Iain MacDonald her. Das ist ein Piper.“ Nach 200 Metern Abfahrt gehe ich hart in die Eisen, als mir rechter Hand ein Gebäude mit der Aufschrift „Glenuig Community“ auffällt. Schnell mache ich ein Foto – Iain MacDonald ist aber nicht in der Nähe. 🙁

Nun geht es 12 Kilometer am Loch Ailort entlang. Gesellschaft leisten mir regelmäßig die dominierenden Bewohner Schottlands – die Schafe.

Immer wieder denke ich, dass das Loch vorbei ist. Dieser Eindruck entsteht aber nur durch die sehr unruhig verlaufenen Küstenlinien und die vielen kleinen Inseln im SeaLoch.

2 Kilometer bevor ich auf die A830 Richtung Mallaig stoße, steht vor mir ein Schild. Als Drummer in einer Pipeband, dessen natürliche Feinde die sind, die von sich behaupten, dass nur sie Musik machen, wirkt ein Schild mit „Pipers Burn“ natürlich verlockend.

Auf der anderen Seite – warum sollten sie brennen. Was wäre eine Pipeband ohne Piper. Und die Piper können ja nichts dafür, dass sie nicht Drummer geworden sind. 😉 (Bevor jetzt jemand denkt: was schreibt er da! Nein, das war ein Witz. Ich möchte niemals Piper brennen sehen.)

Zwei Kilometer später treffe ich auf den „Head“ vom Loch Ailort, auf die A830 und auf den River Ailort. Dieses Wasser kommt aus dem Loch Eilt. Da bin ich aber erst am kommenden Mittwoch. Es eilt also nicht, dass ich dazu was schreibe. 😉 Ich mache lieber ein Foto vom River, wie er langsam ins Loch Ailort fließt.

Wenige Meter später treffe ich auf die A830. Wieder einmal sagt meine Navi und das Hinweisschild „Hey, nach rechts geht es nach Fort Williams!!! Fahrradwerkstatt!!!!“ Aber die Pedale sind derzeit gut drauf. Ich ignoriere die Stimme auf dem Verkehrsschild und fahre nach links – nach Mallaig.

 

Ab jetzt spielt die Straße Achterbahn. Es geht hoch. Und wieder runter. Hoch. Runter. Hoch. Runter. Bis Mallaig habe ich insgesamt 6 Steigungen (jeweils ab Meereshöhe) mit insgesamt 560 Höhenmetern vor mir. Danke, Slartibartfass.

Ein Vorteil dieser vielen Höhenmeter ist aber (wie immer) – der Ausblick auf die Umgebung. Sei es das Loch Ailort ..,

… oder die „Harry-Potter“-Bahnverbindung Richtung Mallaig. Wenn ich dort im Zug durchfahren müsste, bekäme ich wahrscheinlich Platzangst.

In dem Zug, der hier vorbeikommt, saß ich allerdings schon einmal. Damals vor Jahren Wochen hatte er mich in Rannoch Station aufgegabelt.

Auf dem Fahrrad bekomme ich keine Platzangst. Die Straße ist breit. Sehr breit. Ich traue meinen Augen kaum, als ich merke, dass ich auf einer zweispurigen Straße bin. Aber immerhin ist es auch die „Road to the Isle“.

Die A830 und die Bahnlinie von Fort Williams nach Mallaig treffen sich auf dieser Strecke mehrmals. Machmal überschneiden sie sich – manchmal nähern sie sich auch nur an, so wie hier am Allt a‘ Mhama. Dann bieten sich interessante Bildmotive.

Im Jahr 1983 entstand der Film „Local Hero„. Er spielt an der Westküste dieser Gegend und in den Orten, die ich nun auf meinem Weg nach Mallaig durchfahre. Auch diesen Film muss ich mir mal in Ruhe anschauen. Wer weiß, welche Gegenden ich wiedererkenne. Ich finde es zumindest schön, dass diese Gegend nicht zu einem Raffinerie-Hafen verkommen ist.

Die hellen, weißen Sandstrände hier irritieren mich. Dabei kenne ich aus vergangenen Reisen nach Schottland schon die hier oft anzutreffenden Sandstrände. Komisch sind sie trotzdem.

Kurz nach dem letzten Sandstrand in  Morar beende ich meine erste Etappe in Mallaig, kaufe mir ein Ferry-Ticket und warte darauf, dass ich mit meinem Rad auf die Insel meiner Träume gelange: Skye. Ich sitze im Terminal-Häuschen mit einigen anderen Passagieren, esse das Croissant, welches ich mir heute morgen in Archacle gekauft habe. Dann heißt es „Ferry ist da.“ Wir gehen nach draußen und fahren / gehen auf die Ferry.

Ich stelle wie gewohnt mein Rad ab und zurre es fest. Dann setze ich mich in den Passagierbereich und mache die Augen zu. Irgendwann rüttelt jemand an meiner Schulter „Do you want to stay?“ ich öffne die Augen – oh, wir sind da.

Schnell stehe ich auf, nehme meine Sachen, gehe zum Rad … und verlasse wie gewohnt als letzter der Ferry.

Dann setze ich meinen Fuß auf Skye. Ich liebe diese Insel. Warum? Ich kann es gar nicht genau sagen – aber sie ist einfach schön. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Skye. Die Wanderung von Elgol nach Sligachan, ein Bad im Loch Coruisk bei 28 Grad, kalte und ungemütliche Temperaturen in Glen Brittle, eine Wanderung ums Quiraing, bei der wir im Endeffekt umgedreht sind, weil es uns zu neblig wurde, zelten in Sligachan mit Blick auf die Cuillins. Ich liebe Skye.

Doch gerade liebe ich Skye nicht. „Insel im Nebel“ ist ja kein Problem – aber „Insel im Regen“ finde ich nicht ganz so gut. Es ist kein Regen, der auf mich einprasselt. Es ist einfach nur nass. Überall. Ohne Pause. Ich könnte auch schwimmen, dann käme ich wahrscheinlich ähnlich gut voran. Bevor ich aber mit den Schwimmbewegungen beginne, beiße ich lieber die Zähne zusammen, denke mir „Schottland IST Regen – beschwer dich nicht“ und fahre lieber los.

Von Armadale, wo die Fähre anlegt geht es zuerst nach Broadford. Broadford ist eine kleine Stadt (kann man schon sagen) im Süden von Skye an der Hauptstraße der Insel. Dementsprechend ist auch die Infrastruktur dort. Es gibt einen Coop, ein Hostel, den besten Fish-und-Chips-Laden überhaupt und einen Campingplatz. Beim Campingplatz habe ich schon angerufen, da ich gerne in gut 20 Kilometern meine Fahrt beenden würde. Dort geht aber nur ein Anrufbeantworter ran. Er sagt mir, dass der Campingplatz für Zelte bis Mitte August ausgebucht sei. Super. Ich werde trotzdem kurz dort halten, stelle mich geistig aber schon auf die nächste Alternative ein: Sligachan. Vorteil: dort bekomme ich definitiv einen Platz – denn Sligachan lehnt NIE ab. Außerdem kann ich abends noch ins Sligachan Hotel gehen und selbstgebrautes Bier trinken. Nachteil: von Armadale aus sind es bis Sligachan gut 55 Kilometer. Bei Regen.

Ich fluche immer wieder leise in mich rein, während ich die leichte Steigung hinter Armadale hochfahre (vor 3 Wochen hätte ich vielleicht noch von einer schweren Steigung gesprochen 😉 ). Nach wenigen Kilometern sehe ich ein Schild, welches mich schwach werden lässt: an der Straße steht ein Schild zum „Flora MacDonald Hostel„. Flora MacDonald war übrigens die Frau, die Bonnie Prince Charles nach seinem fehlgeschlagenen Aufstand gegen die englische Krone im Ruderboot außer Landes geschmuggelt hat. Mutige Frau. Irritierend an ihr finde ich, dass sie Bonnie Prince Charles gegen die englische Krone unterstützte – Jahre später lebte sie in Amerika und war eine Verfechterin der „Nicht-Unabhängigkeit“ und unterstützte die englische Krone. Menschen ändern sich scheinbar.
Ich fahre wie automatisch in die Straße hinein und folge dem Hinweis. Aber ich finde das Hostel nicht auf die Schnelle. Meine innere Stimme sagt mir auch „Du willst es nicht finden.“ Also – zurück zur Straße. Noch 2ß Kilometer bis Broadford und 50 bis Sligachan. Yeah.

Wie automatisch fahre ich voran. Anhalten und Fotos machen bringt nicht – es ist zu nass. Umschauen: Skye sieht aus wie in einem Aquarium. (Also fast. 😉 )

Dann erreiche ich Broadford. Es hat aufgehört zu regnen. Ich biege kurz Richtung Kyle of Locharsh ab und fahre nach wenigen Metern auf den Campingplatz in Broadford. Zumindest sehe ich mich rückblickend dort stehen. Irritierenderweise weiß komoot nichts davon. Also gut. Streichen wir den Satz: ich biege nicht Richtung Kyle of Locharsh ab, sondern fahre in Richtung Ortszentrum von Broadford. Hier kenne ich mich aus. Ich weiß, wo die einzelnen Gebäude liegen. Mit Ausnahme der Hostel. An der Straße sehe ich wieder ein Schild „Hostel: Beds available“. Super – ich folge dem Schild, komme am Hostel an. Zusammen mit mir steht eine asiatische Familie vor der Tür. Wir warten. Irgendwann kommt eine Mitarbeiterin. Die Familie hat reserviert – ich nicht. Die Mitarbeiterin sagt mir „Oh, sorry. Wir haben das Schild noch nicht geändert.“ Na, super. Ich freue mich auf Sligachan. 😉

Als ich wieder an der Hauptstraße bin, sehe ich auf einer öffentlichen Wiese in Ufernähe 2 Personen zelten. Andrea schreibt mir, dass es dort eigentlich nicht erlaubt ist. Mir ist es egal. Ich ziehe jetzt bis Sligachan durch. Sind ja nur nur 30 Kilometer und 150 Höhenmeter. Zum Glück lässt der Regen auch nach. Es ist beinahe wieder richtig trocken. Die Sonne bricht durch, es werden 32 Grad … okay. Das doch nicht. Aber es regnet nicht mehr.

Ich folge der gut ausgebauten A87 Richtung Norden. Irgendwann kommt die Insel Scalpay in Sicht. Diese in Privatbesitz befindliche Insel hat ein massives Bevölkerungsproblem. In negativer Hinsicht. Auf der Insel leben 4 Personen. Für eine abendliche Kanasta-Runde reicht das. 😉 Über  dem Loch na cairidh – dem „Kanal“ zwischen Skye und Scalpay – taucht ein Regenbogen auf. Danke. Ein gutes Zeichen.

Am Straßenrand (auf einem Parkplatz) haben sich ein paar Reisende, „Zigeuner“ ihren Platz gesucht. Sollte ich fragen – nein. Sligachan ruft. Und das Sligachan Hotel zieht mich geradezu an. Die Kilometer verrinnen wir automatisch. In Luib zieht ein verfallenes Haus meine Blicke auf sich. Irgendwann sehe ich die Abzweigung nach Moll. Moll liegt an der Küste, abseits der Hauptstraße. Eine kleine Straße führt an der Küste entlang dorthin – und zur Hauptstraße zurück. Schon immer wollte ich diese Straße fahren. Aber wegen des nicht mehr akuten aber drohenden Wetters fällt es auch dieses Mal flach. Stattdessen fahre ich die Hauptstraße. Es geht wieder bergan, auf die Ausläufer der Red Cuillins.
Ab und zu halte ich für ein Foto an. Zum Beispiel in der Kurve am Head vom Loch Ainort. Dort gibt es mal wieder einen Wasserfall.

Vom Wasserfall aus geht es noch etwas höher hinauf. Kein Problem. Selbst meine Pedale unterstützen mich. 10 Kilometer vor Sligachan habe ich den Höhepunkt des 2. Teils der Tour erreicht – es geht bergab.
In Sconcer mache ich kurz Halt. Hier ist der Ausgangspunkt der Fähre, die Skye mit Raasay verbindet. Ich habe im Hinterkopf, dort evtl. überzuwechseln. Daher mache ich mir ein Foto vom Timetable und fahre weiter.
Schon 5 Kilometer vor Sligachan, die Straße wendet sich gen Westen, erahne ich den Campingplatz. Das könnte daran liegen, dass ich nun am Loch Sligachan entlangfahre. Am Head des Lochs liegt passenderweise Sligachan und der Campingplatz.Die 5 Kilometer schaffe ich auch noch. Am Ende, als ich am Campingplatz ankomme, habe ich 121 Kilometer erfahren und etwa 900 Höhenmeter bezwungen. Ich bin am Ziel und wie erwartet: Sligachan hat immer Platz. Auf der Wiese rund um das Sanitär-Gebäude drängen sich die Zelte. Neben dem Gebäude steht der Wohnwagen des Verwalters. Ein Satz von ihm liegt mir noch im Ohr: „Those poor daft buggers doon there“. So sagte er zu einigen Jahren zu Andrea. Ich höre auf ihn und baue mein Zelt nicht „doon there“ auf, sondern suche mir die letzten freien, noch halbwegs nutzbaren Zentimeter auf dem Hügel. Noch während ich das Zelt aufbaue und im Matsch stehe, beschließe ich, dass ich am morgigen Tag taktisch vorgehe. Ich bleibe zwei Nächte hier (Sligachan ist schön und ist wahrscheinlich der Campingplatz mit der besten aller Aussichten in Schottland) und versetze mein Zelt morgen früh, wenn die ersten Nächtiger aufbrechen und die

 Zeltwiese sich leert, an einen besseren Platz.

Ich baue mein Zelt auf. Abendessen koche ich mir meines Wissens heute Abend nicht. Ich will mich beeilen, denn das Sligachan Hotel wartet auf mich. Dort gibt es heute Abend, wie jeden Abend, Suppe. Soup. Soup of the day. Aber das Hotel ist da recht einfallslos. Es ist immer die gleiche Suppe. 

Meines Wissens nach habe ich keinen Whisky mehr getrunken. Aber dafür das ein oder andere Sligachan-Ale. Nebenbei surfe ich noch ein wenig im kostengünstigen WLAN. ich telefoniere auch. Wie jeden Abend. Irgendwann gehe ich wieder zurück zum wenige Meter entfernten Campingplatz und platsche vorsichtig ins Zelt.

Zwei Begegnungen muss ich aber noch erwähnen. Aufgrund meines Gesprächs auf Islay mit meinen Nachbarn drehe ich eine Runde über den Campingplatz. Damals (!vor einigen Tagen) habe ich meinen Nachbarn Sligachan empfohlen. Ich gehen  „doon there“ (aber mit einem Auto ist das Parken dort ja kein Problem) und wirklich: ich treffe auf meine Nachbarn von der Kintra-Farm. Wir unterhalten uns einige Minuten. ich erfahre, dass sie bei ihrer Abfahrt auch niemanden an der Rezeption angetroffen haben. Mein Geld haben sie dann mit einer kurzen Notiz im Sanitär-Gebäude abgelegt.

Am kommenden Tag sollte es noch zu einer weiteren Begegnung hier in Sligachan kommen. (Zumindest glaube ich, dass es erst der 2. Tag in Sligachan war.)

Der Tag war teilweise recht anstrengend. Die Pedale bereiteten mir heute keine Probleme, so dass ich sie verdrängen konnte. Mit der Kilometerleistung war ich zufrieden (und dass ich jetzt nicht in Broadford sondern in Sligachan bin ist auch okay) und meine Planung einer kleinen Tour über Skye für morgen ist auch gut. Ich schlafe zufrieden ein.

 

Die folgenden Bilder von Skye (die ich auf meiner eher zügigen Fahrt nach Sligachan gemacht habe) kann ich örtlich und zeitlich nicht gut zuordnen. Schön sind sie trotzdem. Daher sollen sie auch online stehen.

Gute Nacht!

                    

Tag 18 Tag 20