Tag 12: Dornie – Glen Nevis


Das letzte Bild, welches ich am Vorabend mit den Augen gesehen hatte, war das erleuchtete Eilean Donan Castle.

Das erste Bild, welches ich heute Morgen mit den Augen sehe, ist Eilean Donan Castle – unbeleuchtet, bei Tageslicht. Die Lage des Campingplatzes gibt dies her.

Das letzte Bild, welches ich am Vorabend vor dem Inneren Auge gesehen hatte, war die Pizza von Jo’s Pizza in Dornie.

Das erste Bild, welches ich heute Morgen vor dem Inneren Auge sehe, ist das anstehende Frühstück mit Brötchen von Manuela’s Wee Bakery.

Okay, ich gebe zu, dass ist literarisch etwas überspitzt ausgedrückt. Aber sowohl der Blick auf Eilean Donan Castle am Abend und am Morgen ist eindrucksvoll. Aber auch die Pizza gestern Abend war klasse und ich weiß, dass das Frühstück gleich genauso gut wird.

So baue ich schnell mein Zelt ab, wasche mich, packe mein Fahrrad und fahre dann rüber nach Thomas. Seine Frau ist noch in der Bäckerei, die aber gleich für heute morgen (es ist Sonntag) wieder zu macht. Wochentags hat sie länger auf. Kurz darauf sitzen wir gemeinsam am Frühstückstisch und frühstücken. Leckere schottische Marmelade, lecker Brötchen und leckeres Brot. Ich kann mich zugegebenermaßen an Details nicht mehr erinnern (beim nächsten Mal fotografiere ich mein Frühstück 😉 ), aber es war lecker und für meine Verhältnisse sehr umfangreich.

Nach dem Frühstück packe ich meine knochentrocken gewordenen Klamotten wieder ein und verabschiede mich von Thomas und seiner Familie. Es war ein netter Aufenthalt dort und ich kann die Bäckerei immer wieder nur mit gutem Gewissen weiterempfehlen. (Nein, ich werde dafür nicht bezahlt.) Also:   Manuela’s Wee Bakery in Ardelve/Dornie. Wenn man auf dem Weg nach Skye in Dornie vorbeikommt, sollte man dort auf jeden Fall Halt machen.

Gegen 10 Uhr mache ich mich auf den Weg. Ein kurzer Halt noch in Dornie um ein paar Bilder vom gegenüberliegenden Ufer zu machen, dann fahre ich wirklich los.

Mein Ziel heute ist Fort Williams – genauer gesagt das Glen Nevis. Dort ist ein großer Campingplatz. 113 Kilometer liegen vor mir. Mental ist der heutige Tag eine „Transit-Strecke“. Ich bin die Strecke vor Jahren mal mit dem Auto gefahren, habe keine speziellen Erinnerungen an sie und fahre sie daher ab, damit ich heute Abend in Fort Williams als Ausgangsposition in Richtung Süden ankomme. Am Abend revidiere ich meine Einschätzung. KEINE Transitstrecke, sondern wieder einmal wunderschöne Ausblicke.

Die ersten 13 Kilometer führen mich am Loch Duich entlang Richtung Südosten. Ich fahre an einer recht gut befahrenen Straße – aber sie ist nichts gegen die damals am Loch Lochy. (Dort bin ich heute aber auch wieder.)

Das Wetter ist gut, die Straße ist gut, die Motivation ist gut – alles ist gut. Ich komme gut voran. (Nicht sehr gut, aber gut. In Bewegung habe ich in der Regel einen Schnitt von guten 15 km/h, mit meinen Pausen wird es dann entsprechend weniger. Aber ca. 12 – 13 km/h pro Stunde muss ich schon schaffen.) Ungefähr kommt es hin.

Während ich am Loch entlang fahre schweifen meine Gedanken zu den nächsten Tagen. Morgen möchte ich mich von Fort Williams aus Richtung Westen halten und übermorgen eine Runde über Mull fahren. Ankommen will ich übermorgen in Oban, von dort geht es dann weiter nach Jura. Die Planung ist gut – aber ich habe derzeit genug vom Regen und vom Zelten im Regen. Ich möchte einmal eine Alternative. Da ich Fahrrad fahre, rufe ich kurz Andrea an und bitte sie um Mithilfe. Such mir bitte einen Backpackers in Oban. 15 Minuten später habe ich ein paar Vorschläge auf dem Handy. Ich halte am „Kinn“ des Loch Duich“ an und telefoniere. Meine geänderter Planung:
– Heute Abend in Fort  Williams
– Morgen Abend in Oban
– Übermorgen Rundtour durch Mull, Abends wieder in Oban
– Am Mittwoch Weiterfahrt Richtung Jura.

Ich streiche also die Tour Richtung Mull,  die ich eingebaut habe, um der Hauptstraße nach Oban (die teilweise ätzend ist) zu entgehen. Beim 2. Anruf habe ich Erfolg. Ich bekomme für 2 Nächte ein Bett im Backpackers Plus in Oban. Das Backpackers Plus ist in einer alten Kirche untergebracht. Ich bin gespannt und freue mich auf zwei Nächte im trockenen und warmen und in einem richtigen Bett.

Dann fahre ich weiter. Noch bin ich auf Meereshöhe und genieße noch einmal den Blick übers Loch Duich, …

… und den westlich der Straße liegenden Taleinschnitt.

Dann folge ich der Straße einige Meter weiter und biege schließlich nach Westen ab. Kurs: Fort Williams. Ich fahre durch das Tal des River Shiel und muss in dem Tal etwa 300 Höhenmeter bezwingen, bevor ich in etwa 20 Kilometern  am Loch Cluanie ankommen werde.

Das Wetter hält sich weiterhin, während ich durch das Tal hinauf fahre. Immer wieder werde ich aber an die Regenfälle erinnert. Sei es durch die tiefhängenden Wolken, …

… sei es durch die Wassermassen im Wasserfall.

Am River Shiels entlang geht es weiter. Ab und zu geht mein Blick zurück nach Westen.

Der River Shiels kommt mir den Berg hinab entgegen.

Ich würde jetzt ja gerne schreiben, dass ich mich mühsam den Berg hinauf quäle – aber so ist es nicht.

Ich weiß nicht, ob es am etwas besseren Wetter liegt oder ob ich durch den guten Start in den Tag gut drauf bin. Vielleicht beflügelt mich auch die Aussicht darauf, dass ich morgen Abend in einem festen Bett schlafe – auf jeden Fall machen sich die Höhenmeter kaum bemerkbar. Zwar brauche ich für die 20 Kilometer und gut 300 Höhenmeter vom Loch Duich bis hin zum Loch Cluanie etwa 2 Stunden. Gefühlt komme ich aber sehr gut voran.

Kurz vorm Loch Cluanie komme ich an einem kleinen Gehöft vorbei, Es wirkt verlassen, so wie es da liegt. Wirkt wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Ob das so ist, weiß ich nicht. Denn ich fahre weiter.

Ein wenig geht es noch bergauf, dann rolle ich hinab in Richtung des Lochs. Das Loch Cluanie ist eigentlich kein „echtes“ Loch, sondern ein Stausee zur Stromerzeugung. Wenn man von Westen aus kommt, merkt man dies aber erst einmal nicht. Von Osten aus sieht man allerdings am Ausläufer des Lochs die Staumauer liegen. Aufgestaut wurde der gut 10 Kilometer lange See erst 1950.

Am Ufer des Lochs fahre ich auf der Hauptstraße entlang. Es ist aber nur mäßiger Verkehr. Dafür regnet es mal wieder leicht. Aber nur leicht. Ich komme an einem Inn vorbei und überlege kurz, ob ich mich unterstelle. Nein – es regnet ja nur leicht. (Und damit meine ich nicht den „Leichten Regen“, den man ihn Schottland meint, wenn der Regen noch senkrecht fällt. 😉 )

Trotz des Regens hat der Stausee weniger Wasser als sonst, was mich bei Facebook zu der Bemerkung veranlasst, dass so also ein Loch mit einem Loch aussieht.

Gut 10 Kilometer folge ich dem Loch immer in Sichtweite des Ufers lang. Die Höhenmeter halten sich in Grenzen, es geht aber auch nicht merklich bergab. Erst als ich die Staumauer passiere, bewegt sich die Straße nach unten. Auf den kommenden 2 Kilometern büße ich gut 60 Höhenmeter ein. Aber keine Sorge, die kommen auch wieder drauf. 😉 Ich folge dem River Moriston, welcher bei Invermoriston in das Loch Ness fließt.

Kurz vor dem Zusammenschluss von River Moriston und dem River Loyne, der von Süden kommt, biege ich Richtung Süden ab und folge dem River Loyne ein wenig Flußaufwärts. An einer kleinen Einmündung einer Straße mache ich kurz Rast. (Rückblickend glaube ich, dass ich mich sogar vor einem Regenschauer untergestellt habe. Aber das weiß ich nicht mehr so genau. Was ich noch weiß: bei jedem leichten Regenschauer dachte ich mir „Stell dich nicht so an – gestern war es schlimmmer.“ 😉 )

Nach 3 Kilometern kommt rechter Hand wieder eine Staumauer in Sicht. Die Lochs hier sind in der Regel aufgestaute Lochs. So auch das Loch Loyne, welches sich vor mir im Tal erstreckt.

An einem Parkplatz machte ich Halt. Eine Familie aus Asien stand dort mit ihrem kleinen Bulli und studierte ein Schild. „Excuse me, can you tell us, who Willie MacRae was?“ fragte mich einer der Asiaten. Ähm, nein. Ich warf einen längeren Blick auf das Schild und fand nur heraus, dass dieser Willie MacRae hier am Ufer des Loch Loyne gestorben war. Wer er war und warum? Keine Ahnung. Noch während die Familie die Aussicht weiter bewunderte suchte ich bei google nach Willie MacRae – und ich fand was. Willie MacRae war ein Politiker der Scotish National Party, ein Rechtsanwalt, ein Ex-Soldat, … und setzte sich Anfang der 80er Jahre dafür ein, dass in Südschottland keine Nuklearabfälle gelagert werden sollten. Mitte der 80er Jahre versuchte er das Verklappen von Nuklear-Abfällen im Meer zu verhindern. Gerüchteweise (aber das ist jetzt eine Verschwörungstheorie) musste er deshalb sterben. Verschwörungstheorie hin oder her – normalerweise fährt man am Loch Loyne nicht in den Straßengraben und hat dabei eine Kugel im Kopf.

Ich informiere die Familie über meine Recherche, denke mir beim Blick hinuter zum See „Dies ist ein guter Ort zum Sterben“, schäme mich für den Gedanken  und setze meine Fahrt über dem Westufer des Loch Loyne fort.

In einer Kurve um die Hügelkuppe herum gewinnt die Straße an Höhe. Von oben aus habe ich einen guten Blick  auf die Berge dies- und jenseits des Great Glen, davor liegt noch das Loch Garry, zu dem ich nun wieder herunterrolle. Gute 250 – 300 Höhenmeter Abwärts trennen mich von der Höhe des Caledonian Canals, auf den ich nun wieder zusteuere. Aber erst einmal bietet mir die Abfahrt immer wieder einen schönen Blick auf das Loch Garry.

Als ich an einem Touristenparkplatz anhalte und die Bewunderung der dort stehenden Bustouristen für die Aussicht aufs Loch Garry bemerke, stelle ich wieder einmal fest, wie gut ich es auf dem Fahrrad habe. Der Blick hier ist nicht schlecht. Aber 500 Meter weiter den Berg hoch, mit dem Fahrrad am Straßenrand stehend war er noch besser.

Blick vom Parkplatz
Blick vom Straßenrand aus

Am Parkplatz ziehe ich auch wieder einmal die Blicke der Reisenden auf mich und komme mit ihnen ins Gespräch. Mein Fahrrad ist ja auch nicht unauffällig.

Bei der Weiterfahrt stolpere ich das erste Mal auf meiner Reise hier in den Highlands auch über die unschönen Hinterlassenschaften des Touristmus. Bzw. der Touristen, deren Hirn keine Einreisegenehmigung auf die Britischen Insel bekommen hat. (Sorry.)

2 Kilometer später halte ich an. Am Wegesrand stehen ein paar Einheimische. Mit einem komme ich ins Gespräch. Er wohnt schon länger hier, genießt die Aussicht, zählt die Touristenbusse und meint, dass Fahrräder hier eher selten sind. Ich darf sogar ein Foto von ihm machen.

Am Wegesrand stehen Highland Cattles. Sie zählen zu den ältesten registrierten Viehrassen, sind sehr genügsam und robust. Man merkt ihnen an, dass sie aus den Highlands und von den Äußeren Hebriden stammen. Nur zum Frisör könnten sie öfters gehen. 😉

Ich fahre weiter durchs GlenGarry, denn noch trennen mich gute 50 Kilometer von meinem Tagesziel. Dabei habe ich heute schon etwa so viele Kilometer geschafft, wie gestern am ganzen Tag. Es ist 15:40, Stress muss ich mir aber nicht machen, da der Campingplatz am Fuße des Ben Nevis bei Fort Williams bis 21 Uhr geöffnet ist.

Das Loch Garry verengt sich und wird zum River Garry, nachdem es die Staumauer passiert. Meine Fahrradnavi empfiehlt mir einen leichten Hügel, für den ich die Hauptstraße nach links verlassen müsste. Mein Reiseempfinden empfiehlt mir, auf der A87 zu bleiben. Das mache ich auch. Ab und zu kann ich von dort aus durch die Bäume den River Garry sehen. Es ist hier wieder sehr stark bewaldet. Während ich der Straße durch das Tal folge, muss ich an meine Überraschung vor einigen Jahren zurückdenken, als ich zum ersten Mal hier war und ein Schild mit der Aufschrift „Glengarry“ sah. Denn den Begriff „Glengarry“ kannte ich bisher nur aus unserer Pipeband. Es ist der Name für die Kopfbedeckung, die wir tragen. Warum diese nach diesem Tal benannt ist, kann ich mir immer noch nicht erklären.

Ich könnte Andrea fragen – aber Andrea bekommt gerade von mir eine andere Aufgabe. Es ist Sonntag, sie sitzt zu Hause und ich bitte sie, einmal etwas zur Nordwest-Route im Great Glen herauszufinden. Dort, am Nordwest-Ufer des Loch Lochy, führt auch ein Weg entlang. Ich überlege, ob ich gleich diesem Weg folgen soll anstatt wieder auf die Hauptstraße zwischen Inverness und Fort William zu gelangen. Sie kann aber nichts zur durchgängigen Beschaffenheit herausfinden. Aufgrund der Regenfälle der letzten Tage ist es mir auch zu riskant, dort in eine Schlammschlacht zu geraten. Daher beschließe ich, die Hauptstraße zu nehmen.

Aber vorher muss ich das GlenGarry noch verlassen. Kurz hinter Invergarry, der Stadt an der Mündung des Garry, verlasse ich die A87 und wechsle auf die A82. Diese führt mich in einem leichten Bogen an das Loch Oichy heran. Linker Hand liegt am Ufer die Ruine von Invergarry Castle. Ich sehe das Schild am Straßenrand, ignoriere es aber. Im Nachhinein schaue ich mir Invergarry Castle im Internet an. Der Sitz der Clanchefs des Clans MacDonnells von Glengarry sollte 1746 von den Engländern es gesprengt werden. Dafür war es aber zu massiv gebaut und so schaut die sechsstöckige Ruine bis heute über das Loch Oich.

Nun befinde ich mich wieder im Great Glen. Vor einer guten Woche bin ich her schon einmal langgefahren. Damals in Süd-Nord-Richtung. Jetzt geht es in Südrichtung auf Fort Williams zu. Meine Erfahrungen auf der gut befahrenen A82 sind wieder die gleichen wie eine Woche zuvor. Die Autos, Busse und LKWs passen gut auf mich auf. Einige Male halte ich am Ufer des Loch Lochy. Einmal muss ich an der Straße anhalten. Denn mit einem leisen „Pling“ verabschiedet sich die Abdeckung meiner Klingel und schießt in die Höhe. Ich sammle die Reste, soweit ich sie noch finde, wieder ein und stecke sie ein. Reparieren kann ich sie aber nicht. Gut dass ich morgen früh in Fort Williams bin.

Schließlich wendet sich die Straße vom Ufer ab, verschwindet zwischen den Bäumen und gewinnt wieder an Höhe. Nach einigen Kilometern auf 160 Meter Höhe lichten sich die Bäume wieder und ich kann immer wieder den Ben Nevis erhaschen. Glaube ich zumindest. Für einen genaueren Blick ist es aber zu bewölkt. Daher halte ich auch nicht am Commando Memorial oberhalb von Spean Bridge, von wo aus man bei gutem Wetter einen guten Blick auf den Ben Nevis hat. Allerdings biege ich dort nach rechts ab, den ich beschließe, den Rest des Weges bis nach Fort Williams nicht auf der A82 sondern am Caledonian Canal langzufahren. Dafür muss ich diesen aber erst wieder erreichen, denn aktuell befinde ich mich gut 2-3 Kilometer östlich des Kanals. Bei leichtem Regen fahre ich wieder zum Kanal hinab und beobachte dabei skeptisch die Regenwolken. Im Südwesten des Tals hängen die Regenwolken über dem Loch Linnhe. Ich stelle mich auf Regen in Fort Williams ein.

Der Radweg am Caledonian Canal entlang entpuppt sich wieder als gut befahrbar. Leichter Schotter, aber kaum Unebenheiten. Gemütlich treibe ich über den Weg, passiere regelmäßig Fußgänger und auch mal andere Radfahrer und will immer mal wieder klingeln. Das geht natürlich nicht. Ist schon irgendwie passend. Das erste Mal seit eine Woche, dass ich auf meinem Weg wieder Fußgänger vor mir habe, weil ich nicht direkt auf der Straße fahre – und die Klingel ist kaputt. Super. ich schaffe es dennoch, niemanden umzufahren.

Kleinere und auch größere Schiffe liegen am Ufer des Kanals fest. Bei dem großen blauen befürchte ich Schwierigkeiten beim Passieren der Schleusen. Es dürfte auf jeden Fall sehr eng werden.

Schließlich passiere ich auch die wohl bekanntesten Schleusen des Caledonian Canals: der Neptuns Staircase, der in der Nähe von Fort Williams. In einer 8-stufigen Schleusenanlage überwinden die Schiffe hier die ersten 20 Meter Höhenunterschied des Caledonian Canal. Damit markiert diese Schleusentreppe den südlichen Beginn des Canals. Die Schiffe brauchen ca. 90 Minuten um die Schleusentreppe zu passieren. Ich schaffe es in einem Bruchteil der Zeit. Dann bin ich in Banavie. Ich fahre durch ein Wohngebiet und erhasche rechter Hand einige Geschäfte. Dorthin biege ich ab und versorge mich mit ein paar Dosen Bier, etwas Cola, Nudeln und Küchenrollen. Die Küchenrollen sind Luxus, aber sie kommen jetzt erst einmal ins Gepäck, da ich mit ihnen mein Zelt morgens gut trocken bekommen kann.

Nach den vielen langgestreckten Strecken der letzten Tage ist das verwinkelte Fahren in Banavie und Inverlochy eher ungewohnt. Ich fahre aber dennoch nirgendwo vor. Hinter Inverlochy biege ich ins Ben Nevis ab. Linker Hand des Tals liegt der Ben Nevis, der höchste britische Berg. Zu seinen Füßen liegt der Camping Platz. Es ist schon 19:30 Uhr durch, als ich den letzten Kilometer bis zum Campingplatz fahre. Der Beschreibung nach ist es ein größerer Campingplatz mit mehr Infrastruktur als ich in der letzten Nacht hatte. Als mir auf dem Kilometer immer wieder Wohnmobile entgegen kommen, habe ich aber doch etwas Panik. Ist der Campingplatz dicht? Bekomme ich auch mit meinem kleinen Zelt dort keinen Platz mehr? In Gedanken gehe ich die Alternativen durch. Die habe ich aber nicht. Hostels in Fort Williams hatte ich im Laufe des Tages schon angerufen. Die sind auch alle belegt.

Als ich am Campingplatz ankomme erweisen sich meine Befürchtungen aber als umsonst. Ich werde freundlich empfangen, man beschreibt mir den Weg zur Zeltwiese und ich stelle mein Fahrrad dort in der Nähe des Toilettenhauses auf. Bevor ich mein Zelt aufbaue, gehe ich mit dem Außenzelt einmal ins Toilettenhaus, packe das Küchenpapier aus, lege das Zelt aus und trockne es ab. Relativ trocken baue ich es anschließend auf, wobei ich mich gegen die Midges erwehren muss. Hier nerven sie auch ein wenig. Aber das ist halt Schottland.

Ich nutze die Infrastruktur des Platzes noch, um einige Sachen von mir nochmal in einer Maschine zu trocknen und hole mir am Imbisswagen vor Ort einen Cheeseburger und eine große Portion Chips.

Im Schatten des Ben Nevis telefonieren ich anschließend wieder mit Bad zu Hause und genieße das Tennant, welches ich mir eben geholt habe. Später lasse ich den Tag Revue passieren. Die letzten Tage waren anstrengend und Kräfte und Motivation zermürbend. Auch wenn sie schon schön waren. Aber der heutige Tag steigerte die Motivation wieder. Ich kam gut voran, konnte mir zeigen, dass ich noch fit bin. Mit 113 Kilometern waren es heute 50 Kilometer mehr als gestern und die bislang längste Etappe der Tour. Das erste Mal seit Tagen lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit auch wieder bei über 16 km/h, so wie ich es eigentlich auf langen Strecken gewohnt bin. Morgen sollte es nun entgegen der ursprünglichen Planung mit einer ähnlich langen Strecke direkt nach Oban gehen und dort erwartete mich ein trockenes Bett in einem Hostel. Ich freue mich drauf.


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