Schottland 2017, Tag 32: Dumbarton, Bute und Aua 

6 Uhr aufstehen. Heute sollte Andrea auf der kleinen Insel Bute vor der Clyde-Mündung an ihrer ersten Competition mit „Dumbarton and District“ teilnehmen. Ich wollte dort mit dem Fahrrad hinfahren, während Andrea und Lukas in Renton in den Bandbus der Dumbartons stiegen. 

Die Fahrt führte mich durch die Südstadt Glasgows. So sehr mich (siehe vorgestern) die Tagestouren etwas nervten, so interessant finde ich es, die einzelnen Stadtteile Glasgows kennen zu lernen, in denen man sich als Tourist normalerweise nicht aufhält. 

Der Weg führte mich von Glasgow aus nicht wie erhofft direkt an de Küste entlang. Aber wenn komoot mich nicht versehentlich auf den Westhiglandway schickt, weiß es schon, was es macht. Die Strecke lag etwas oberhalb der Mündungsbucht des Clydes und bot immer wieder nette Ausblicke. Leider zog sich das Wetter nach anfänglichem Sonnenschein wieder zu, so dass die Blicke nicht so weit gingen. 

Wieder einmal fuhr ich etwas gegen die Zeit,  allerdings mit der Gewissheit, dass ich die komoot-Vorgabe eh einholen würde. Ich wollte um 11 Uhr die Fähre in Wermys Bay erreichen. Ich wusste nicht, wann „Dumbarton and District“ spielen würden, aber ich wollte es auf keinen Fall verpassen. Dann hätte ich die Tour ab Donnerstag schließlich auch Richtung Newcastle fortsetzen können. 🙂 

Weite Teile der Weges fuhr ich abseits der Straße (irgendwo stand mal, dass es einmal eine alte Bahnstrecke gewesen wäre. Dann war die Strecke gesperrt und das Unheil nahm seinen Lauf. Es gab eine Umleitung, aber schon bei der nächsten Kreuzung fehlte das Schild. Ich hielt an, schaute auf dem Handy nach dem Weg. Diesen fand ich auch sehr schnell, so dass s ich weiter fahren kann konnte. Ich hängte das Handy wieder ein und kippte (warum auch immer) in Zeitlupe zur linken Seite rüber. Ich versuchte mich, mit dem linken Bein aufzufangen. Aber leider hang der Fahrradschuh noch im Klickpedal. Er kam auch nicht mehr raus, so prallte ich ungebremst auf dem Boden auf. Gut dass ich sowas nur im Stand mache. Größere Verletzungen blieben daher aus. Kleine Schramme am linken Knie. Selbst das Handy blieb dieses Mal heile. Das meine rechte Hand anschwoll, merke ich erst einige Kilometer später. Auch die Schmerzen im Unterarm bemerkte ich nicht so schnell. Dafür dann richtig. Ob der rechte Arm auch irgendwo aufgeprallt war oder nur aus Solidarität weh tat und anschwoll, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es höllisch weh tat. Aber was soll’s. Eine kleine Verletzung kann ja ruhig sein, solange sie mich nicht aufhält. 🙂 

Ich fuhr weiter, entlastete den Arm, wo ich nur konnte, kam zurück zur National Cycle Route und bald darauf in den wieder einsetzenden Regen. Um schneller voranzukommen blieb ich ab Port Glasgow für die letzten 12 Kilometer auf der Hauptstraße und erreichte die Fähre mit 15 Minuten Luft. Das sollte reichen. 

Auf der Fähre war ich nicht alleine. Das war ich nie, aber dieses Mal war es voll. Sehr voll. Mehrere Busse mit Pipebands im Kilt etc. waren dabei. Der von Dumbarton nicht. Dieser näherte sich von Norden kommend und nahm eine kleine Fähre zur Insel. Diese Fähre sollte für mich, heute, am letzten Tourtag in Schottland noch eine besondere Bedeutung haben. Aber dazu später. 

Auf Bute verließ ich die Fähre wieder und sah mich erstaunt um. Ich hatte gedacht, das Rothesay, das Zentrum der Insel, ein kleines verschlafene Dorf oder nur eine Ansammlung von Hütten wäre.  Immerhin war Bute von der Größe her nicht mit Jura zu vergleichen. Und Craighouse auf Jura war ja schon…. klein.  Rothesay aber war ein richtiges Städtchen im Kleinformat. Mehrere Pubs, Geschäfte,… Ich ließ mir den Weg zu den Highland Games zeigen, in dessen Rahmen die Competition stattfinden sollte. Eintritt zahlen, Fahrrad abschließen und Andrea suchen war schnell erledigt. Auf dem Weg zu Andrea sah ich mich um. Highland Games sind für mich ja nichts neues. Aber die Veranstaltung war interessant. Sie fand auf Rothesays Sportplatz statt. Ein Teil war für die Bandcompetition abgeteilt. Auf einer Langseite standen zwei große, überdachte Bühnen, auf denen Highland Dancing stattfand. Auf dem Rest des Sportplatzes fanden die üblichen Disziplinen der Highland Games statt. Hinzu kamen verschiedene Laufwettkämpfe. 

Bei den Mädchen, die an den Highland Dancer Wettkämpfen teilnahmen, wurde ich auch überrascht. Dort waren Teilnehmerinnen aus Kanada und Australien dabei. (Teilnehmer gab es übrigens auch.)

Nun aber zu Andrea. Sie war schon angekleidet, ihre Pipe lag aber noch im Bandbus. Am vergangenen Montag war sie das erste Mal bei einer Dumbarton-Probe gewesen. Am Ende der Probe hieß es „Dann suchen wir dir jetzt noch ein Uniform für Samstag raus.“ 🙂 Heute sollte sie also das erste Mal in einer schottischen Grade 2 Band antreten. 

Einen unschönen Beigeschmack gäbe, weil viele andere Bands nach den Worlds vergangene Woche ihre Teilnahme spontan abgesagt haben. So gab es im Grade 2 nur zwei Bands, im Grade 1 (wo Dumbarton „upgrade“* spielen wollte, gab es nur eine Band. 

Die Motivation war trotzdem groß und bei beiden Wettkämpfen landete Dumbarton verdient auf dem 1. Platz. Besonders freute mich, dass Andrea bei der Preisverleihung im Grade 1 vom Pipemajor nach vorne geschickt wurde, um den Pokal in Empfang zu nehmen. Schöne Geste von Dumbarton. 

Unschön an dem  Tag war, dass meine Hand immer stärker anschwoll und immer mehr schmerzte. Zum Arzt wollte ich nicht, aber dankbar nahm ich das Angebot von Dumbarton an, mit dem Bandbus mitzufahren. Bis Glasgow musste ich den restlichen Weg dann um 22 Uhr mit dem Zug zurücklegwn. So kam ich auch noch in den Genuss der Parade aller Bands (angeführt vom Sieger im Grade 1 🙂 ) zum Hafen hinab. 

Um 20 Uhr ging es mit dem Bandbus los. An der Fähre von Rhubodach nach Colintrave hielten die Dumbarton-Busse wieder an. Einer Tradition folgend mussten die Spieler, die das erste Mal in Bute mitgespielt haben (und es waren viele) sowie alle anderen, die wollten, mit Musik auf die Fähre ziehen und während der Überfahrt spielen. Filmen stand ich über den Köpfen der Band auf dem Oberdeck der kleinen Fähre, schaute am Bute vorbei über das Meer Richtung Süden, die Auslauf er der Highlands im Blick. Zumindest solange wie ich gucken konnte. Ich wusste zwar, dass die Musiker unten der Dumbartons Tradition folgten. Als aber jetzt, an meinem letzten Tag der Tour in Schottland,  die ersten Töne von „Scotland the Brave“ erklangen, ich die Küste runtersah, meine Gedanken zu den letzten 5 Wochen abschweifen – da wirkte es Musik auf mich wie der Soundtrack zu meiner Tour. Danke, Dumbarton, für diesen Tourabschluss. Danke. 
Die Fahrt im Bandbus war lustig, eine Piperin holte ihre Gitarre raus, Lukas, ebenfalls ein Spieler meine „Heimatband“ der Highland Dragon Pipe Band, forderte mich immer zum Singen auf (obwohl ich gar nicht singen kann) und irgendwann erweichte ich und brachte den Schotten das wunderbare Lied „Ich bin Speedy Gonzales“ bei, welches auch meine Kinder in der Schule immer gerne singen. 🙂 

I’m Örtchen Renton endete die Fahrt mit dem Bus. Zusammen mit 2 Bandmitgliedern stieg ich im nahegelegenen Bahnhof in den Zug um, bekam noch Tipps von den beiden für den Ausstieg und kam gegen 23 Uhr in Glasgow an. Essen, packen, etwas aufräumen und noch ein Erdinger und ein Skye Gold. Dann war dieser wunderschöne Tag vorbei. Auch das „Aua“ konnte ihn nicht schmälern. Andrea war sehr zufrieden, ich war es. Gut dass ich nicht am Donnerstag schon aufgebrochen war. 

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