Schottland 2017, Tag 31: Darauf ein Tennents (18.08.2017)

Wäre ich gestern Abend in Comrie geblieben, wäre ich heute über Lochearnhead und Aberfeldy durch die Trossards zurück nach Glasgow gefahren. 

Die Trost wollte ich noch einmal erfahren, daher ging es heute von Glasgow aus nach Norden. Aberfeldy und das nordwestlich von Aberfeldy gelegene Loch Katrine war mein Ziel. Zufällig hatte ich gestern Abend auf der Karte die gestrichelten Linien im Loch Katrine gesehen. Es gab dort eine Fähre. Die Recherche ergab, dass auf dem Loch Katrine eine kleine Fähre sowie ein 120 Jahre altes Steamboat fährt. Die Abfahrt des Steamboats wollte ich in Stronachlachar am Südufer erwischen. Abfahrt 11:30 Uhr. Bis dorthin waren es 60 Kilometer, das war gut machbar. Um 7 Uhr brach ich auf gen Norden, passierte Bearsden und Millgarvie und… landete hinter Millgarvie plötzlich auf dem Westhiglandway. Ja und? Eigentlich ist das sicherlich kein Problem, aber der Westhiglandway ist ein Wanderweg. Das durfte ich auch feststellen. 

Genervt vom Schlamm (ich bin doch nicht in Wacken), den kopfgroßen Steinen und den damit verbundenen kaum passierbaren Wegen suchte ich bei erstbester Gelegenheit den Weg zurück auf die Straße. Dort konnte ich wenigstens meine Geschwindigkeit ausspielen (seitdem ich mich wieder traue, in die oberen Gänge zu schalten 🙂 ). Das war auch nötig, denn komoot war inzwischen der Meinung, dass ich um 12:05 ankommen würde. Okay, wenn das passieren würde, müsste ich (da ich den Weg von Stronachlachar nach Aberfeldy nicht wieder zurück fahren wollte) eine Umkreisung des Lochs vornehmen. Plan B existierte also. 

Immer wieder kam ich in den üblichen Regen. Ich war es ja schon gewohnt, trocken wurde ich dank der Funktionsklamotten auch immer wieder schnell. Aber ohne Regen konnte man die Umgebung mehr genießen. Das ging jetzt also leider nicht so gut. 

Schließlich erreichte ich Aberfeldy, das Tor in die Trossards. Den Ort hätte ich mir größer und weniger touristisch vorgestellt. Dafür gab es aber alles. Sogar wifi bei visit Scotland. Zeit hatte ich inzwischen auch aufgeholt. Ich sollte die Fähre noch gerade eben erreichen. 

Hinter Aberfeldy kam das, was ich mir gegen Ende der Radtour noch einmal gewünscht hatte. Nein, kein Regen. 🙂 Löcher. Auf dem Weg zum Loch Katrine kam ich an mehreren kleineren Lochs vorbei. Es ging bergan. Und dann bergab. Ich war angekommen. Die „Sir Walter Scott“ lag brav im Hafen und wartete auf mich. Bei Regen ging ich an Bord, aber während der einstündigen Überfahrt hörte es auf zu regnen. Ich wärmte mich etwas auf. 

Der Kapitän hatte scheinbar wenig zu tun, denn er versorgte uns immer wieder mit Informationen zum Ufer. So weiß ich jetzt, dass u. a.  am Ufer des Loch Katrine Szenen vom „Outlander“ gedreht wurden. Schon vorher wusste ich, dass in der Gegend um das Loch Katrine Rob Roy sein „Unwesen“ trieb. Nicht gewusst habe ich… Nein, dazu später. 

Die „Walter Scott“ legte an der Ostküste des Lochs an (eine einfache Fahrt kostet die Erwachsene übrigens 13,50 Pfund) und ich machte mich wieder auf den Weg. Mein Tagesziel hatte ich erreicht, Andrea und Lukas wollten in Glasgow noch shoppen gehen. Mein 2. mobiler Akku gab den Geist auf, daher könnte ich die Rückfahrt nicht mehr mitloggen und… es regnete wieder. Ich wollte nur zurück nach Glasgow. Vorher aber noch ein wenig im Aberfeldy essen (das übliche Sandwich). 

Zügig und ohne Umwege ging es nach Süden zurück. Den Westhiglandway umkurvte ich dieses Mal gekonnt. (Wobei ich gerne noch Fotos vom der unmöglichen Strecke gemacht hätte. Aber bei dem Regen wäre ich im wahrsten Sinne des Wortes versackt. 🙂 

Zurück in Glasgow gingen wir shoppen. Andrea brauchte für ihren großen Tag am Samstag, für den ich meine Route geändert hatte und am Sonntag mit dem Zug nach Newcastle fahren werde, noch ein weißes Hemd. Aber wenn Andrea das erste Mal mit einer schottischen Grade 2 Band (Dumbarton and District) im Grade 2 bei einer Competition antritt, bin ich natürlich dabei. 

Geplant war außerdem, am Samstag die 3000 Kilometer voll zu machen. 

Abends gab es in der Wohnung Nudeln und dazu leckeres Tennant, das leckere Glasgower Bier nach deutschem Reinheitsgebot. Gut dass ich am Loch Katrine nicht ins Wasser gespuckt habe. Denn das Wasser für Tennents kommt aus dem Loch Katrine…. Leckeres Wasser haben sie da. 🙂