Schottland 2017, Tag 30: Hin und wieder zurück (17.08.2017)

Sicherlich habe ich mich auf die Tage im Glasgow mit Andrea gefreut. Sicherlich freue ich mich immer noch. Aber ich wachte auf mit dem Gedanken „Irgendwie ist es nicht mehr so wie die ersten 3 1/2 Wochen.“ 

Es war schön, abends nach seiner Tour nach Glasgow zurückzukommen, sein Zelt niceht extra aufbauen zu müssen. Aber es war anders. 

Mit dem Gedanken brach ich heute auf meine Tagestour auf. Es sollte an die Küste der Clyde-Mündung gehen und von dort aus mit der Fähre an das Nordufer des Clydes und am Loch Lomond entlang zurück. 
Schon nach wenigen Kilometern, ich hatte gerade meine Zugtickets für Sonntag aus dem Automaten gezogen, blieb ich am Clyde unter einer Brücke stehen. Gedankenverloren starrte ich ins Wasser. Sollte die letzte Woche der Tour wirklich nur mit Tagestouren versehen sein? 

Spontan fuhr ich erst zur Wohnung zurück, packte da nötigste für eine Nacht in meine Backroller und das Rackpack, fuhr noch einmal schnell bei Andrea im College of Piping vorbei, und verabschiedete mich für einen Tag von ihr (Sie war einverstanden) und orientierte mich dann in Glasgow in Richtung „Forth-Clyde-Canal“ um erst nach Fallkirk und anschließend bis nach Comrie zu fahren. Dort war ein Campingplatz. 

Der Kanal war schnell erreicht, da er (ähnlich wie das College of Piping) im Norden der Kernstadt von Glasgow liegt. 

Am alten Tow-Pfad entlang fing es immer schön eben und oft etwa oberhalb der Landschaft nach Osten, dem Forth zu. Der Forth – and – Clyde – Kanal, eingeweiht um 1790 herum, war die erste schottische Ost-West-Wasserstraße, noch vor dem Caledonian-Canal. Heute dient er praktisch nur noch für Freizeitschiffer, so auch die größte Attraktion am Forth-Clyde-Canal (bzw am nach Edinburgh abzweigenden Union-Canal): das Fallkirk-Wheel. Dabei handelt es sich um ein weltweit einmaliges Schiffshebewerk, welches zwei Transportschalen in einer Art Riesenrad transportiert. Irgendwann fahre ich damit auch einmal. Aber mit Andrea. Die saß nicht mit auf dem Fahrrad – heute also nicht. Bei meiner Ankunft wurde die Hebewerk-Kammern gerade beladen, so dass ich mich den Transport einmal in Ruhe anschauen konnte. 

Nach der Pause ging es weiter zu den Kelpies – zwei monströse Skulpturen in Form zweier Pferdeköpfe. Bisher hatte ich sie immer nur im Vorbeifahren von der Autobahn aus gesehen. Im Schatten der Kelpies machte ich bei Regen unter einer Brücke Mittagspause.

Dann ging es weiter. Ich schenkte nach Norden ein, überquerte den Forth und hielt mich nun westlich Richtung Stirling. Nördlich von mir sah ich die Hügel, vor denen vor 4 Wochen mein Ausweich-Campingplatz in Stirling lag, vor mir sah ich Stirling Castle und das Wallace Monument. 

Ich rollte in die nördlichen Stadtteile von Stirling ein und blieb stehen – ich musste nun eine Entscheidung treffen. Eigentlich war die Entscheidung (trotz meiner Frustration am Vormittag) schon längst gefallen. Trotzdem schaute ich noch einmal nach Norden, in Richtung Comrie. Dicke Regenwolken hangen dort. Wollte ich das wirklich? Das Zelt war gerade so schön getrocknet. 

Wie automatisch setzte ich im komoot Glasgow als neues Ziel. Es war 18:40, 48 Kilometer lagen vor mir. Von eine kurzen Pause an einem Coop abgesehen trat ich in die Pedale. Im Coop fragte mich die Verkäuferin, wo ich herkäme. Sie hätte einige Zeit in Detmold gelebt. 🙂 

Es wurde schon dunkel, als ich durch Glasgows Norden aufs Glasgow Green Zufuhr. Noch vor Andrea und Lukas, die bei der Dumbarton – Probe waren, war ich daheim. Hin und wieder zurück halt. Aber alleine die Fahrt mit Gepäck hat mich wieder aufgemuntert.