Schottland 2017, Tag 23: Road from the Isles

Vom Rauschen der Wellen in der Bucht wurde ich wach. Wieder einmal nicht so früh, wie ich wollte. Aber früh genug.

Ich kroch aus dem Zelt heraus. Zufrieden stellte ich fest, dass ich das Zelt durch den Wind knochentrocken war. Zum dritten Mal während der Tour musste ich also das Außenzelt nicht im Netz auf die Tasche binden.

Nach einem kurzen Gespräch mit meinem Nachbarn packte ich das Zelt ein. Vor dem Aufbruch nahm ich noch ein kurzes Fußbad im Meer.

Dann ging es los. Im nahe gelegenen Örtchen Arisaig nutzte ich die „Local Facilities“ – ich putze mir die Zähne und frühstückte anschließend vorm Spar-Markt. Gemütlich ging es anschließend auf die Berg- und Talfahrt Richtung Glenfinnan. Ich hatte  einen Teil der Strecke am Sonntag schon gefahren, aber so hügelig kam es mir da nicht vor.
Am Loch Eilt drehte ich kurz um. Ein Blick auf die Komoot-Karte zeigte mir, dass ich gerade an einem Film-Spot vorbei gefahren sei. Ich schob mein Fahrrad von der Straße weg bis ans Ufer (durch den aufgeweichten Boden, da ich mein Fahrrad ohne Fahrradständer nicht mehr abstellen kann) und schaute irritiert auf die Insel. In welchem Film kam diese Insel vor?

Ich fuhr weiter.

Gegen 13 Uhr kam ich in Glenfinnan an. Links von mir zog der Glenfinnan-Viadukt dahin. Rechter Hand lag Loch Shiel mit dem Glenfinnan-Monument. Dazwischen lag das Glenfinnan-Besucherzentrum. Der Parkplatz war wegen Überfüllung gesperrt. Aber was stört mich das. Mein Fahrrad passt immer noch rein. 🙂

Mit gespaltenen Gefühlen ging ich um das leider gesperrte Monument herum. 1745 landete hier Bonnie Prince Charles, um sein Anrecht auf die britische Krone durchzusetzen. Aus verschiedenen Gründen war die Krone seiner Blutlinie abhanden gekommen. Nun wollte er sie wieder und versammelte in den kommenden 12 Monaten einige Clans zur Unterstützung um sich. Immer wieder kam es zu kleiner Scharmützeln mit der offiziellen Armee. In Culloden kam es 1746 zur entscheidenden Schlacht. Bonnie Prince Charles überlebte und konnte flüchten. Über 1500 seiner Anhänger kamen dabei ums Leben. Für das Ego von Bonnie Prince Charles.

Die Aussicht vom Hügel hinter dem Besucherzentrum auf Loch Shiel und auf den Viadukt war trotzdem schön. Kurz vor meiner Weiterfahrt kam Unruhe in die Besucher vor Ort. Der historische Zug sollte gleich über Harry Potters Viadukt fahren. DAS war mir dann doch egal. Der Viadukt war einige Meter entfernt, da war eh nicht viel zu erkennen.

Irritiert war ich dann doch, als der Zug schließlich (als ich schon gute 6 Kilometer weiter war) an mir vorbei fuhr.

Beim Loch Eil hätte ich fast die Abzweigung verpasst, da ich am Südufer langfahren wollte. Das Südufer war ruhiger und hatte mehr Schafe.

Auf dem Weg am Loch Linnhe entlang, in den das Loch Eil hineinfließt, überholte mich bei einer Pause eine junge Frau aus der Schweiz. Nachdem ich sie wieder eingeholt hatte, fuhren wir die nächsten 15 Kilometer bis zum Glencoe nebeneinander her. Sie imponierte mir gewaltig. Seit 20 Monaten war sie mit dem Fahrrad unterwegs, mit kurzen Unterbrechungen. Da kann man beinahe neidisch werden. Aber auch nur beinahe – den ich wäre wohl nicht bereit, mein bisheriges Leben für das Fahrrad fahren aufzugeben.

Gegen 19 Uhr kam ich im RedSquirrel-Campsite an, baute mein Zelt auf. Der Abend konnte kommen.