Schottland 2017, Tag 22: wieder zurück auf dem schottischen Festland [Update] 

Aufgewacht bin ich auf Skye, keine Sorge. Ich wollte früh aufstehen und loskommen, damit ich problemlos um 19 Uhr die Fähre von Armadale nach Mallaig noch erreichen könnte. Dann sollte das auch mit einem der Campingplätze südlich von Mallaig klappen. (Ich hatte mir da schon einen ausgesucht, für ein Zelt ist immer Platz, auch für Late-Arrivals. Wie sind ja in Schottland.)

Die Abfahrt verzögerte sich aber doch aus zwei Gründen. Zum einen kam ich vor der Abfahrt noch mit meinem Nachbarn (einem Motorradfahrer aus Kiel) in ein nettes Gespräch. Zum anderen führte mich, als ich gerade 100 Höhenmeter über Uig war, die ankommende Fähre zu dem Outer Hebrides in Versuchung. Ich hatte mich auch gerade entschieden, spontan zu sein und zur Fähre zurückzurollen, da begannen sie mit dem Beladen. Ich hatte also keine Chance mehr, an Bord zu kommen (Fahrräder gehen in der Regel als erste an Bord.) Aber was würde meine Mutter jetzt sagen: „Wer weiß, wofür es gut war.“

So fuhr ich wie geplant Richtung Osten und auf 200 Meter Höhe zum Quiraing-Massiv. Von Westen aus steigt es langsam und gemütlich an, zum Osten hin fällt das Massiv massiv ab.

Dort hatte ich Glück – das Wetter war wie am Vortag und dementsprechend war auch sie Sicht auf den Quieraing und auf die Küstenlandschaft.

 

Nach einiger Zeit gelang es mir, mich loszureißen. Nun kam ein Highlight der Tour, auf welches ich mich seit Jahren gefreut habe. Die kurze, enge Kurve vom Quieraing herab mit dem Fahrrad.

Schließlich auf der Hauptstraße angekommen wollte ich Gas geben. Aber der Blick zurück lenkte mich immer wieder ab. Als er mir dann doch gelang, musste ich schon wieder abbremsen. Denn ich war am Kilt Rock angekommen. Highlight dort ist der Wasserfall runter ins Meer. Beim letzten Mal war ich etwas enttäuscht von dem Rinnsal. Aber dieses Mal konnte man mit mehr Wasser rechnen. So war es auch. Beim Kilt Rock stand auch wieder mal ein Piper. In „freier Wildbahn“ hatte ich noch nicht viele gesehen. Er verstand aber was von seinem Instrument, würde ich als Drummer sagen.

Und wieder ging es weiter Richtung Süden. Die nächsten Unterbrechungen ließen aber nicht lange auf sich warten. Zum einen kam langsam aber sicher der „Old Man of Stor“ in Sicht. Zum anderen schenkte mir das Wetter einen traumhaften Blick auf die schottische Westküste – auf die Gegend, die ich vor gut 2 Wochen befahren hatte. (So lang ist das schon her? Manchmal habe ich den Eindruck, dass Fahrrad fahren die Zeit komprimiert.) Immer wieder schaute ich hinüber, versuchte bekannte und befahrene Orte zu finden.

Dann erreichte ich nach einer schnellen Abfahrt Portree. Wieder einmal. 🙂 Ich machte am üblichen kleinen Coop Halt, war noch nicht ganz angekommen, Die hielt mir eine Mutter mit zwei Kindern eine Packung Magnums hin, drückte mir ein Magnum in die Hand und meinte „wir haben zuviel“. DANKE für das Magnum.

Ich kaufte mir noch was zum Mittagessen und wollte mich dann wieder vor die Bank of Scotland zum Essen und Surfen stellen, als ich schon wieder Dudelsack-Musik hörte. In Portree waren Highland Games und auf dem zentralen Platz des Ortes spielte eine ganze Band. Dieses Mal waren daher sogar Drummer dabei. Schön so. 🙂

Nun musste ich mich langsam beeilen, denn um 19 Uhr sollte die letzte Fähre von Armadale Richtung Mallaig fahren. Ich trat in die Pedale, wobei ich immer (Okay, fast immer) den Hinweis von Fahrradladen in Portree beachtete und in den unteren Gängen fuhr, machte hier und Da noch Fotos von den Cuillins und schoss nach einer dreiviertel Stunde an Sligachan vorbei. Ich hielt mich weiter ran, Denn ich um spätestens 17:45 in Broadford sein wollte. Dort musste ich noch einkaufen und mir eine Portion Fish ’n Chips holen. Denn Skye ohne die leckeren u reichhaltigen Fish‘ n Chips in Broadford geht nicht. Es gibt sie in einer blauen Bude, wenn man von Westen nach Broadford reinkommt auf der rechten Seite. Kurz vor dem dem Coop. Die Zeit wurde knapp, aber wie gesagt: ohne geht nicht.

Einkaufen musste ich auch noch. Zur Feier der 2000 sollte es heute Abend auf dem Campingplatz Angusburger mit Kartöffelchen leckerem Arran Blonde.

Nun hieß es sprinten. Meine Komoot – Navi, deren Voraussagen immer sehr gut sind, meinte, dass ich noch 1 Stunde und 45 Minuten bis zum Anleger in Armadale brauchen würde. Es war 17:20, die Fähre fuhr um 19:10 Uhr ab. Die LETZTE Fähre. Zum Glück hatte mir ein Engländer heute schon den Pub in Armadale beschrieben und empfohlen. Der Abend war also gerettet. Optimistisch gab ich aber Gas und wechselte aufgrund der stellenweise sehr guten Straße nach Armadale auch oft (gegen den Rat des Fahrradladens in Portree) vorne auf das größte Zahnrad. Ich hatte nur drei Alternativen:

  1. Ich erwische die Fähre,  weil ich so dank der passenden Übersetzung schnell genug war.
  2. Ich erwische sie nicht,  weil ich ohne die passende Übersetzung zu langsam wäre.
  3. Ich erwische sie nicht, weil mir die Pedale abfallen.

Ich entschied mich also logischerweise für Alternative 1 – und konnte mit ansehen, wie komoot die voraussichtliche Ankunftszeit immer weiter nach vorne schob. On Armadale angekommen war es 18:40. Ich sollt die Fähre erwischen und konnte damit ganz beruhigt gegen 21 Uhr auf dem Campingplatz einrollen.

Auf der Fähre traf ich drei Radler. Sie waren meine ursprüngliche Tour gefahren. (Also von Oban aus nach Barra und dann über Uig /Skye zurück.) Die letzte Nacht waren sie in Sligachan gewesen und kamen am heutigen Morgen nur schlecht in Fahrt. Das selbstgebraute  Bier und der Whisky im Sligachan-Hotel waren aber auch zu lecker. Kann ich bestätigen.  Die drei zelteten in der Regel wild. Dank des „Jedermann-Rechtes“ in Schottland geht das auch meistens. Für mich wäre es aber nichts. Ich brauche abends meine warme Dusche auf dem Campingplatz.

Die Fähre erreicht Mallaig, ich orientierte mich kurz und fuhr dann los. 10 Kilometer trennten mich noch von dem kleinen Campingplatz, der am Ende einer schönen Bucht lag. Die Bucht war eine schöne, geschwungene Mischung aus Sandstrand und kleinen Gras-Flächen. Immer wieder standen an der Straße in Haltebuchten Wohnmobile, auf dem Strand standen Zelte….. 30 Minuten später stand mein Zelt auch dort. Warum? Wollte ich nicht eigentlich eine warme Dusche? Ja, aber der Verwalter des Campingplatzes wollte mich nicht mehr, weil ich nicht bis 20 Uhr da gewesen war. Außerdem wäre sein Platz voll. Diese Aussage konnte ich mit einem Blick über den Platz nicht wirklich bestätigen. Aber okay – 15 Pfund gespart. Und das Strand war eh viel schöner.

So ging der 2000-Kilometer-Tag zuende, mit leckerem Angus-Burger, leckeren Kartöffelchen, leckerem Arran Blonde und dem Schwelgen in Erinnerungen während ich vom Zelt aus in die Bucht hinein blickte.