Schottland 2017, Tag 14: die unterschätzte Insel 

„Mull ist die meinst-unterschätzte Insel Schottland“ – so schrieb mich eben ein Freund und Mitglied unserer Pipeband an. Er kennt sich hier in der Gegend gut aus, hat mir auch das „Cuan Mor“ zum Essen empfohlen, in dem ich gerade sitze. Und er hat auch mit Mull recht.

Eigentlich hatte ich Mull nur eingebaut um der Hauptstraße zwischen Fort William und Oban zu entgehen. Dank meines Planänderung fuhr ich dann doch die Hauptstraße. Den heutigen Tag wollte ich dann aber doch für Mull nutzen. 

So buchte ich heute morgen eine Überfahrt auf der Fähre nach Mull. Am Fahrrad hatte ich dieses Mal nicht alle Taschen, sondern nur die Lenkertasche und einen Backroller mit dem nötigsten (Regenjacke, Cola Light, Werkzeug…)

Nach einer sehr kurzen Überfahrt erreichten wir den Anleger in Craignore auf Mull. Ich war das erste Mal positiv von Mull überrascht – am Anleger gab es alles: eine Tankstelle, einen Sparmarkt, eine Toilette,… . Wenige hundert Meter entfernt lag auch der Campingplatz.

Die Tour begann – 75 Kilometer um den Osten der Insel, eine Rundtour, die mich wieder nach Craignore führen sollte. Die Straße war in Ordnung, die Landschaft zumindest nicht übel, man konnte schön übers Meer zur nördlich gelegenen Halbinsel schauen. Aber noch war es nicht so spektakulär. Da kam das Schild „Duart Castle“ in Sicht. Ich hatte Zeit und bog zum Duart Castle ab. 

Von außen wirkte es einfach gebaut, aber interessant. Neugierig machte mich auch die Tatsache, dass es 1912 vom damaligen Clanchef des Clan Maclean als Ruine wieder aufgekauft und 30 Jahre lang renoviert wurde. Beim Aufkaufen war er 70 Jahre – aber er erlebte seinen Traum noch: mit 101 Jahren starb er kurz nach der erneuten Fertigstellung von Duart Castle als Stammsitz seines Clans. Ich schloss mein Fahrrad ab, pfiff auf die angepeilte Fähre um 17:05 Uhr und kaufte mir ein Ticket. 

Das Castle war wie gesagt noch bewohnt. Aber Teile waren zugänglich gemacht. Die Substanz und die Ausstattung der Zimmer war nicht aus dem Mittelalter, sondern entsprach der Zeit der Renovierung. Fand ich nicht unschön. Hinzu kamen viele Informationen zum Castle, zum Clan. Familienfotos aus den letzten 80 Jahren etc. Im Obergeschoss gab es eine Ausstellung. Zwei Ausstellungsgegenstände ließen meine Frau zuhause beinahe explodieren: dort lagen zwei Pipes in einer Vitrine. Der anwesende Guide erklärte, dass die Pipes wahrscheinlich vom Beginn des 19. Jahrhunderts stammen. Sie lagen da aber nur noch – gespielt wurden sie nicht mehr. Deswegen war Andrea auch am Explodieren. 🙂 

Nach gut einer Stunde ging es weiter. Ich hatte viel Zeit „verloren“, aber meine komoot-Navi war der Meinung, dass ich das 17-Uhr-Schiff noch bekommen könnte. 

Es ging also weiter. Und nun war ich wirklich überrascht. Ich kann nicht sagen, welche Vorstellungen ich von Mull hatte. Aber ich hätte nicht vermutet, dass es z. B. so sehr dem Glencoe ähneln würde (Geologen würden mir jetzt erklären, woran das liegt.) 

Zwei leichte Steigungen lagen auf meinem Weg, bergab war es immer schöner. Speziell beim 2. Mal, denn die Abfahrt führte mich in eine traumhafte Bucht hinab. 

Hohe Berghänge, der Weg führte (mit Rückenwind) direkt am Meer entlang und ab und zu standen mir ein paar Schafe im Weg.

Ich genoss die Strecke. Obendrein meinte meine Navi noch, dass ich die 17-Uhr-Fähre vielleicht doch noch erwischen könnte. 

Passenderweise gab es auf den letzten 25 Kilometer schließlich nicht mehr so viel zu sehen. Speziell die Hauptstraße an der Nordküste war eher unspektakulär, mit Ausnahme einiger schöner Blicke über da Meer auf die andere Seite. 

Kurz vor Craignore erwischte mich noch ein Platzregen, und in diesem Platzregen traf ich auf den 1. unsympathischen Autofahrer, der meinte, eine Pfütze mitnehmen zu müssen. Danke. 🙂 

Mit 15 Minuten Zeit erreichte ich die Fähre, wunderte mich noch kurz über die doppelstöckigen Autobusse, die Aufgabe Mull eingesetzt werden und fuhr auf die Fähre. 

Im Backpackers Plus setze ich mich noch an die Feinplanung für den nächsten Tag und reservierte mir einen Platz auf der Fähre, brachte meine Klamotten zur hauseigenen Reinigung und setzte das trockengelegte Zelt zusammen. 

Dann ging es ins Cuan Mor zum Abendessen.