Tag 25: Loch Lomond – Glasgow

Tag 25. Seit 3 1/2 Wochen bin ich nun unterwegs. Es kommt mir kürzer vor. Am gestrigen Abend gingen meine Gedanken zurück an jeden Tag der Tour. Immer wieder habe ich unterwegs Hinweisschilder auf Glasgow gesehen. Jedes Mal dachte ich mir: „Nein, noch nicht.“ Aber jetzt, jetzt bin ich auf dem Weg nach Glasgow. Noch gut 60 Kilometer trennen mich vom Ziel. Das auch nur, weil ich einen kleinen Umweg fahre. Aber ich möchte über Dumbarton und den „Forth-and-Clyde-Canal“ nach Glasgow reinfahren.

Das kostet mich etwas Zeit – aber die Zeit muss sein. Und Andrea treffe ich in Glasgow noch früh genug.
Ich packe meine Sachen ein letztes Mal zusammen und genieße es wie nur selten auf der Fahrt. Dann setze ich mich mit einem guten Gefühl auf den Sattel … und fahre los.

Am östlichen Ufer vom Loch Lomond fahre ich gen Süden. In Balmaha passiere ich den Shop … und bedaure kurz mein Handydisplay, welches mir hier am Vortag kaputt gegangen ist. Aber nutzbar ist das Handy noch. Zum Glück.

Am Vortag bin ich, von Balloch aus kommend, über Drymen an die Ostküste des Loch Lomond weitergefahren. Dabei war mir an zwei Stellen eine Seitenstraße aufgefallen – heute wollte ich diese Verbindung als Abkürzung nehmen. Am Ende dieser Verbindung steht zwar an der Einfahrt „Resident Evil“ „Residents only“ – aber das weiß ich ja auf dieser Seite nicht. 😉 Ich komme am „Buchanan Gulf Club“ vorbei, folge einem schmalen Weg, der mich weiterführt, überquere eine schmale Brücke und tue so, als ob ich hier hingehören würde. (Passiert ja auch regelmäßig, dass ein Anwohner mit Reisegepäck auf dem Fahrrad vom Haus zum Golfplatz und zurück fährt. 😉 )

Schließlich erreiche ich das Südufer und habe von dort einen schönen Blick auf einen „Pickel“, den ich für den Ben Lomond halte.

Nach etwa 20 KIlometern habe ich das erste Etappenziel erreicht – Balloch mit dem McDonalds. Hier gibt es Frühstück. Diesen McDonald haben wir auf unserer ersten Schottland-Reise auch aufgesucht, als wir aus den Highlands kommend nach Glasgow reinfahren wollten.

Nach dem leckeren Essen geht es weiter. Ich versuche, den River Leven zu erreichen. Mein Weg dorthin führt mich durch die Straßen von Balloch. Oder bin ich schon in Alexandria? Ich durchschaue es nicht so ganz, denn Balloch, Alexandria, Renton, Jamestown und Bonhill gehen so eng ineinander über, als ob sie einen Ort bilden würden. Unterwegs komme ich an der schottischen Version der Lindenstraße vorbei. Glaube ich.

Wenige hundert Meter später erreiche ich den River Leven, den Verbindungsfluß vom Loch Lomond zum Forth of Clyde. Am Ufer dieses Flusses führt der NCR 7 entlang, die Verbindung von Glasgow hoch zum Loch Lomond. Von dort führt er in einem Bogen über Callander und Pitlochry hoch bis nach Inverness. Aber da war ich schon. Heute will ich nach Glasgow. Endlich.

Immer wieder bietet mir der Radweg interessante Blicke aufs Umfeld …

… bevor ich schließlich in Dumbarton ankomme. Hier fließt der River Leven in den Clyde und ich biege (dem NCR 7 folgend) nach Osten auf Glasgow ab.

Auf der Brücke bleibe ich stehen und schaue ins Wasser. Ein älterer Mann kommt vorbei uns spricht mich an. Er erzählt mir, dass er früher auch immer mit seinem Fahrrad auf Tour gewesen sei. Wir unterhalten uns ein paar Minuten, dann wünscht er mir „Gute Weiterfahrt“ und ich fahre nach Dumberton rein.

Aus Richtung Ufer schaut der Dumbarton Rock mit Dumbarton Castle zu mir herüber, dem angeblich ältesten Castle Schottlands. Es kommt einmal auf meine „To Visite“-Liste.

Mit Dumbarton Rock im Rücken fahre ich nun Richtung Glasgow. Nachdem ich mich erst noch einige Minuten in Dumbarton aufhalte, folge ich kurzfristig der „Dumbarton Road“, der Verbindung nach Glasgow und biege dann auf einen etwas abseits gelegenen Radweg ab, bevor die Dumbarton Road in die Great Western Road übergeht und es mir zu viele Autos werden.

Schon nach wenigen Minuten taucht vor mir ein kleines Hafenbecken auf. Es ist der westliche Eingang zum Forth-Clyde-Canal, der ab 1768 erbaut wurde. Nach 22 Jahren Bauzeit folgte 1790 die Eröffnung – seitdem verbindet er den Clyde bei Glasgow über gut 60 Kilometer mit der Forth bei Edinburg. Nein, das stimmt so nicht ganz. 1963 wurde er geschlossen und teilweise zugeschüttet. Erst im Jahr 2000 erfolgte die Neueröffnung als „Freizeitkanal“.

Der Radweg am Kanal entlang gefällt mir. So beschließe ich spontan, dem Kanal zu folgen, bis dieser im Norden von Glasgow den Kelvin kreuzt. Dort biege ich ab und fahre am Kelvin-Ufer entlang nach Glasgow rein.

Ähnlich wie der Rad-/Fußweg am Leith in Edinburg entlang, folgt dieser Weg dem Fluss bis zum Kelvingrove-Park und bildet inmitten der bebauten Glasgower Gebiete ein natürliches Kleinod zum entspannen und gemütlich entlangradeln.

Im Kelvingrove Park verlasse ich den Radweg und schlage mich von dort aus durch die Innenstadt von Glasgow (die ich von vorangegangenen Besuchen grob kenne) hinüber zum Glasgow Green. Dort, es ist kurz vor Mittag, sollte ich Andrea treffen. Am Eingang des Parks verhandle ich kurz mit der Einlasskontrolle, dann bekomme ich eine Eintrittskarte zu den Pipeband-World-Championship und kann auch mein Fahrrad mit rein nehmen. Andrea ist schnell gefunden und nach gut 4 Wochen gibt es ein kurzes Wiedersehen. Kurz, weil ich anschließend aufbreche und die Schlüsselübergabe für unsere AirBnB-Bude manage. Die Wohnung im Glasgower Osten, unweit des Glasgow Green, soll für die nächste Woche unsere Heimat und meine Ausgangsbasis sein.

Abends fahren wir rüber zum Kelvingrove Museum. Ins Museum wollen wir nicht, aber an der Straße gegen dem Museum liegt das „Baffa“ – und dort wollen wir zu Abend essen.

Die Pizza im Baffa habe ich mir nach den vergangenen Wochen in Regen, Sonne, Hagel, Wind und Sturm auch redlich verdient. Die Pizza ist lecker, aber sie ist bei weitem nicht das Beste der vergangenen vier Wochen. Denn … die zurückliegende Tour ist nicht zu toppen. Auch nicht durch diese Pizza.

Vorbei ist meine Reise aber noch nicht. Ich gönne mir nun erst einmal zwei ruhige Tage in Glasgow, dann nutze ich Glasgow als Ausgangsbasis für sternförmige Tagesreisen in die Umgebung. New Lanark, Arran, Stirling, der Forth-and-Clyde-Canal. Wobei … eigentlich war geplant, dass ich bis Mittwoch bleiben wollte und mich dann auf den Weg mit dem Rad nach Newcastle zur Fähre mache. Diese Planung habe ich aber abgewandelt. Wegen Andrea.