Schottland 2017, Nachlese 2: Statistik

Ich wurde vor einigen Tagen nach der Statistik meiner Fahrradtour durch Schottland gefragt. Hier ist sie . Alle Tage, alle Strecken, Kilometer, alle Höhenmeter. Außerdem ein paare Kommentare zum Tag.

Als nächstes sortiere ich in den nächsten Tagen einmal ein paar Fotos, erstelle eine Galerie und bebildere die Beiträge der 5 Wochen. Danach versuche ich, die Reise mental zu verarbeiten – und was dazu zu schreiben.

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Schottland 2017, Nachlese, Teil 1:

„Du hast gar nichts mehr nach Samstag geschrieben. Bist du gut angekommen?“ Ja, bin ich. Seit Dienstag hat mich der Alltag wieder. 

Den Beitrag zur Rückfahrt habe ich auf der Rückfahrt auch angefangen, aufgrund meiner schmerzenden Hand aber noch nicht vollendet. Das mache ich mal heute Abend. Meiner Hand geht es wieder gut – laut Arzt am Dienstag ist sie nur geprellt. Alles okay. 

Grund für diese erste „Nachlese“: ich habe eben die ersten Reparaturen am Fahrrad durchgeführt. Ich sollte mir merken, dass ich beim nächsten Mal in Schottland Ersatz-Bremsklötze mitnehme. 🙂 

Schottland 2017, Tag 32: Dumbarton, Bute und Aua 

6 Uhr aufstehen. Heute sollte Andrea auf der kleinen Insel Bute vor der Clyde-Mündung an ihrer ersten Competition mit „Dumbarton and District“ teilnehmen. Ich wollte dort mit dem Fahrrad hinfahren, während Andrea und Lukas in Renton in den Bandbus der Dumbartons stiegen. 

Die Fahrt führte mich durch die Südstadt Glasgows. So sehr mich (siehe vorgestern) die Tagestouren etwas nervten, so interessant finde ich es, die einzelnen Stadtteile Glasgows kennen zu lernen, in denen man sich als Tourist normalerweise nicht aufhält. 

Der Weg führte mich von Glasgow aus nicht wie erhofft direkt an de Küste entlang. Aber wenn komoot mich nicht versehentlich auf den Westhiglandway schickt, weiß es schon, was es macht. Die Strecke lag etwas oberhalb der Mündungsbucht des Clydes und bot immer wieder nette Ausblicke. Leider zog sich das Wetter nach anfänglichem Sonnenschein wieder zu, so dass die Blicke nicht so weit gingen. 

Wieder einmal fuhr ich etwas gegen die Zeit,  allerdings mit der Gewissheit, dass ich die komoot-Vorgabe eh einholen würde. Ich wollte um 11 Uhr die Fähre in Wermys Bay erreichen. Ich wusste nicht, wann „Dumbarton and District“ spielen würden, aber ich wollte es auf keinen Fall verpassen. Dann hätte ich die Tour ab Donnerstag schließlich auch Richtung Newcastle fortsetzen können. 🙂 

Weite Teile der Weges fuhr ich abseits der Straße (irgendwo stand mal, dass es einmal eine alte Bahnstrecke gewesen wäre. Dann war die Strecke gesperrt und das Unheil nahm seinen Lauf. Es gab eine Umleitung, aber schon bei der nächsten Kreuzung fehlte das Schild. Ich hielt an, schaute auf dem Handy nach dem Weg. Diesen fand ich auch sehr schnell, so dass s ich weiter fahren kann konnte. Ich hängte das Handy wieder ein und kippte (warum auch immer) in Zeitlupe zur linken Seite rüber. Ich versuchte mich, mit dem linken Bein aufzufangen. Aber leider hang der Fahrradschuh noch im Klickpedal. Er kam auch nicht mehr raus, so prallte ich ungebremst auf dem Boden auf. Gut dass ich sowas nur im Stand mache. Größere Verletzungen blieben daher aus. Kleine Schramme am linken Knie. Selbst das Handy blieb dieses Mal heile. Das meine rechte Hand anschwoll, merke ich erst einige Kilometer später. Auch die Schmerzen im Unterarm bemerkte ich nicht so schnell. Dafür dann richtig. Ob der rechte Arm auch irgendwo aufgeprallt war oder nur aus Solidarität weh tat und anschwoll, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es höllisch weh tat. Aber was soll’s. Eine kleine Verletzung kann ja ruhig sein, solange sie mich nicht aufhält. 🙂 

Ich fuhr weiter, entlastete den Arm, wo ich nur konnte, kam zurück zur National Cycle Route und bald darauf in den wieder einsetzenden Regen. Um schneller voranzukommen blieb ich ab Port Glasgow für die letzten 12 Kilometer auf der Hauptstraße und erreichte die Fähre mit 15 Minuten Luft. Das sollte reichen. 

Auf der Fähre war ich nicht alleine. Das war ich nie, aber dieses Mal war es voll. Sehr voll. Mehrere Busse mit Pipebands im Kilt etc. waren dabei. Der von Dumbarton nicht. Dieser näherte sich von Norden kommend und nahm eine kleine Fähre zur Insel. Diese Fähre sollte für mich, heute, am letzten Tourtag in Schottland noch eine besondere Bedeutung haben. Aber dazu später. 

Auf Bute verließ ich die Fähre wieder und sah mich erstaunt um. Ich hatte gedacht, das Rothesay, das Zentrum der Insel, ein kleines verschlafene Dorf oder nur eine Ansammlung von Hütten wäre.  Immerhin war Bute von der Größe her nicht mit Jura zu vergleichen. Und Craighouse auf Jura war ja schon…. klein.  Rothesay aber war ein richtiges Städtchen im Kleinformat. Mehrere Pubs, Geschäfte,… Ich ließ mir den Weg zu den Highland Games zeigen, in dessen Rahmen die Competition stattfinden sollte. Eintritt zahlen, Fahrrad abschließen und Andrea suchen war schnell erledigt. Auf dem Weg zu Andrea sah ich mich um. Highland Games sind für mich ja nichts neues. Aber die Veranstaltung war interessant. Sie fand auf Rothesays Sportplatz statt. Ein Teil war für die Bandcompetition abgeteilt. Auf einer Langseite standen zwei große, überdachte Bühnen, auf denen Highland Dancing stattfand. Auf dem Rest des Sportplatzes fanden die üblichen Disziplinen der Highland Games statt. Hinzu kamen verschiedene Laufwettkämpfe. 

Bei den Mädchen, die an den Highland Dancer Wettkämpfen teilnahmen, wurde ich auch überrascht. Dort waren Teilnehmerinnen aus Kanada und Australien dabei. (Teilnehmer gab es übrigens auch.)

Nun aber zu Andrea. Sie war schon angekleidet, ihre Pipe lag aber noch im Bandbus. Am vergangenen Montag war sie das erste Mal bei einer Dumbarton-Probe gewesen. Am Ende der Probe hieß es „Dann suchen wir dir jetzt noch ein Uniform für Samstag raus.“ 🙂 Heute sollte sie also das erste Mal in einer schottischen Grade 2 Band antreten. 

Einen unschönen Beigeschmack gäbe, weil viele andere Bands nach den Worlds vergangene Woche ihre Teilnahme spontan abgesagt haben. So gab es im Grade 2 nur zwei Bands, im Grade 1 (wo Dumbarton „upgrade“* spielen wollte, gab es nur eine Band. 

Die Motivation war trotzdem groß und bei beiden Wettkämpfen landete Dumbarton verdient auf dem 1. Platz. Besonders freute mich, dass Andrea bei der Preisverleihung im Grade 1 vom Pipemajor nach vorne geschickt wurde, um den Pokal in Empfang zu nehmen. Schöne Geste von Dumbarton. 

Unschön an dem  Tag war, dass meine Hand immer stärker anschwoll und immer mehr schmerzte. Zum Arzt wollte ich nicht, aber dankbar nahm ich das Angebot von Dumbarton an, mit dem Bandbus mitzufahren. Bis Glasgow musste ich den restlichen Weg dann um 22 Uhr mit dem Zug zurücklegwn. So kam ich auch noch in den Genuss der Parade aller Bands (angeführt vom Sieger im Grade 1 🙂 ) zum Hafen hinab. 

Um 20 Uhr ging es mit dem Bandbus los. An der Fähre von Rhubodach nach Colintrave hielten die Dumbarton-Busse wieder an. Einer Tradition folgend mussten die Spieler, die das erste Mal in Bute mitgespielt haben (und es waren viele) sowie alle anderen, die wollten, mit Musik auf die Fähre ziehen und während der Überfahrt spielen. Filmen stand ich über den Köpfen der Band auf dem Oberdeck der kleinen Fähre, schaute am Bute vorbei über das Meer Richtung Süden, die Auslauf er der Highlands im Blick. Zumindest solange wie ich gucken konnte. Ich wusste zwar, dass die Musiker unten der Dumbartons Tradition folgten. Als aber jetzt, an meinem letzten Tag der Tour in Schottland,  die ersten Töne von „Scotland the Brave“ erklangen, ich die Küste runtersah, meine Gedanken zu den letzten 5 Wochen abschweifen – da wirkte es Musik auf mich wie der Soundtrack zu meiner Tour. Danke, Dumbarton, für diesen Tourabschluss. Danke. 
Die Fahrt im Bandbus war lustig, eine Piperin holte ihre Gitarre raus, Lukas, ebenfalls ein Spieler meine „Heimatband“ der Highland Dragon Pipe Band, forderte mich immer zum Singen auf (obwohl ich gar nicht singen kann) und irgendwann erweichte ich und brachte den Schotten das wunderbare Lied „Ich bin Speedy Gonzales“ bei, welches auch meine Kinder in der Schule immer gerne singen. 🙂 

I’m Örtchen Renton endete die Fahrt mit dem Bus. Zusammen mit 2 Bandmitgliedern stieg ich im nahegelegenen Bahnhof in den Zug um, bekam noch Tipps von den beiden für den Ausstieg und kam gegen 23 Uhr in Glasgow an. Essen, packen, etwas aufräumen und noch ein Erdinger und ein Skye Gold. Dann war dieser wunderschöne Tag vorbei. Auch das „Aua“ konnte ihn nicht schmälern. Andrea war sehr zufrieden, ich war es. Gut dass ich nicht am Donnerstag schon aufgebrochen war. 

Schottland 2017, Tag 31: Darauf ein Tennents (18.08.2017)

Wäre ich gestern Abend in Comrie geblieben, wäre ich heute über Lochearnhead und Aberfeldy durch die Trossards zurück nach Glasgow gefahren. 

Die Trost wollte ich noch einmal erfahren, daher ging es heute von Glasgow aus nach Norden. Aberfeldy und das nordwestlich von Aberfeldy gelegene Loch Katrine war mein Ziel. Zufällig hatte ich gestern Abend auf der Karte die gestrichelten Linien im Loch Katrine gesehen. Es gab dort eine Fähre. Die Recherche ergab, dass auf dem Loch Katrine eine kleine Fähre sowie ein 120 Jahre altes Steamboat fährt. Die Abfahrt des Steamboats wollte ich in Stronachlachar am Südufer erwischen. Abfahrt 11:30 Uhr. Bis dorthin waren es 60 Kilometer, das war gut machbar. Um 7 Uhr brach ich auf gen Norden, passierte Bearsden und Millgarvie und… landete hinter Millgarvie plötzlich auf dem Westhiglandway. Ja und? Eigentlich ist das sicherlich kein Problem, aber der Westhiglandway ist ein Wanderweg. Das durfte ich auch feststellen. 

Genervt vom Schlamm (ich bin doch nicht in Wacken), den kopfgroßen Steinen und den damit verbundenen kaum passierbaren Wegen suchte ich bei erstbester Gelegenheit den Weg zurück auf die Straße. Dort konnte ich wenigstens meine Geschwindigkeit ausspielen (seitdem ich mich wieder traue, in die oberen Gänge zu schalten 🙂 ). Das war auch nötig, denn komoot war inzwischen der Meinung, dass ich um 12:05 ankommen würde. Okay, wenn das passieren würde, müsste ich (da ich den Weg von Stronachlachar nach Aberfeldy nicht wieder zurück fahren wollte) eine Umkreisung des Lochs vornehmen. Plan B existierte also. 

Immer wieder kam ich in den üblichen Regen. Ich war es ja schon gewohnt, trocken wurde ich dank der Funktionsklamotten auch immer wieder schnell. Aber ohne Regen konnte man die Umgebung mehr genießen. Das ging jetzt also leider nicht so gut. 

Schließlich erreichte ich Aberfeldy, das Tor in die Trossards. Den Ort hätte ich mir größer und weniger touristisch vorgestellt. Dafür gab es aber alles. Sogar wifi bei visit Scotland. Zeit hatte ich inzwischen auch aufgeholt. Ich sollte die Fähre noch gerade eben erreichen. 

Hinter Aberfeldy kam das, was ich mir gegen Ende der Radtour noch einmal gewünscht hatte. Nein, kein Regen. 🙂 Löcher. Auf dem Weg zum Loch Katrine kam ich an mehreren kleineren Lochs vorbei. Es ging bergan. Und dann bergab. Ich war angekommen. Die „Sir Walter Scott“ lag brav im Hafen und wartete auf mich. Bei Regen ging ich an Bord, aber während der einstündigen Überfahrt hörte es auf zu regnen. Ich wärmte mich etwas auf. 

Der Kapitän hatte scheinbar wenig zu tun, denn er versorgte uns immer wieder mit Informationen zum Ufer. So weiß ich jetzt, dass u. a.  am Ufer des Loch Katrine Szenen vom „Outlander“ gedreht wurden. Schon vorher wusste ich, dass in der Gegend um das Loch Katrine Rob Roy sein „Unwesen“ trieb. Nicht gewusst habe ich… Nein, dazu später. 

Die „Walter Scott“ legte an der Ostküste des Lochs an (eine einfache Fahrt kostet die Erwachsene übrigens 13,50 Pfund) und ich machte mich wieder auf den Weg. Mein Tagesziel hatte ich erreicht, Andrea und Lukas wollten in Glasgow noch shoppen gehen. Mein 2. mobiler Akku gab den Geist auf, daher könnte ich die Rückfahrt nicht mehr mitloggen und… es regnete wieder. Ich wollte nur zurück nach Glasgow. Vorher aber noch ein wenig im Aberfeldy essen (das übliche Sandwich). 

Zügig und ohne Umwege ging es nach Süden zurück. Den Westhiglandway umkurvte ich dieses Mal gekonnt. (Wobei ich gerne noch Fotos vom der unmöglichen Strecke gemacht hätte. Aber bei dem Regen wäre ich im wahrsten Sinne des Wortes versackt. 🙂 

Zurück in Glasgow gingen wir shoppen. Andrea brauchte für ihren großen Tag am Samstag, für den ich meine Route geändert hatte und am Sonntag mit dem Zug nach Newcastle fahren werde, noch ein weißes Hemd. Aber wenn Andrea das erste Mal mit einer schottischen Grade 2 Band (Dumbarton and District) im Grade 2 bei einer Competition antritt, bin ich natürlich dabei. 

Geplant war außerdem, am Samstag die 3000 Kilometer voll zu machen. 

Abends gab es in der Wohnung Nudeln und dazu leckeres Tennant, das leckere Glasgower Bier nach deutschem Reinheitsgebot. Gut dass ich am Loch Katrine nicht ins Wasser gespuckt habe. Denn das Wasser für Tennents kommt aus dem Loch Katrine…. Leckeres Wasser haben sie da. 🙂 

Schottland 2017, Tag 30: Hin und wieder zurück (17.08.2017)

Sicherlich habe ich mich auf die Tage im Glasgow mit Andrea gefreut. Sicherlich freue ich mich immer noch. Aber ich wachte auf mit dem Gedanken „Irgendwie ist es nicht mehr so wie die ersten 3 1/2 Wochen.“ 

Es war schön, abends nach seiner Tour nach Glasgow zurückzukommen, sein Zelt niceht extra aufbauen zu müssen. Aber es war anders. 

Mit dem Gedanken brach ich heute auf meine Tagestour auf. Es sollte an die Küste der Clyde-Mündung gehen und von dort aus mit der Fähre an das Nordufer des Clydes und am Loch Lomond entlang zurück. 
Schon nach wenigen Kilometern, ich hatte gerade meine Zugtickets für Sonntag aus dem Automaten gezogen, blieb ich am Clyde unter einer Brücke stehen. Gedankenverloren starrte ich ins Wasser. Sollte die letzte Woche der Tour wirklich nur mit Tagestouren versehen sein? 

Spontan fuhr ich erst zur Wohnung zurück, packte da nötigste für eine Nacht in meine Backroller und das Rackpack, fuhr noch einmal schnell bei Andrea im College of Piping vorbei, und verabschiedete mich für einen Tag von ihr (Sie war einverstanden) und orientierte mich dann in Glasgow in Richtung „Forth-Clyde-Canal“ um erst nach Fallkirk und anschließend bis nach Comrie zu fahren. Dort war ein Campingplatz. 

Der Kanal war schnell erreicht, da er (ähnlich wie das College of Piping) im Norden der Kernstadt von Glasgow liegt. 

Am alten Tow-Pfad entlang fing es immer schön eben und oft etwa oberhalb der Landschaft nach Osten, dem Forth zu. Der Forth – and – Clyde – Kanal, eingeweiht um 1790 herum, war die erste schottische Ost-West-Wasserstraße, noch vor dem Caledonian-Canal. Heute dient er praktisch nur noch für Freizeitschiffer, so auch die größte Attraktion am Forth-Clyde-Canal (bzw am nach Edinburgh abzweigenden Union-Canal): das Fallkirk-Wheel. Dabei handelt es sich um ein weltweit einmaliges Schiffshebewerk, welches zwei Transportschalen in einer Art Riesenrad transportiert. Irgendwann fahre ich damit auch einmal. Aber mit Andrea. Die saß nicht mit auf dem Fahrrad – heute also nicht. Bei meiner Ankunft wurde die Hebewerk-Kammern gerade beladen, so dass ich mich den Transport einmal in Ruhe anschauen konnte. 

Nach der Pause ging es weiter zu den Kelpies – zwei monströse Skulpturen in Form zweier Pferdeköpfe. Bisher hatte ich sie immer nur im Vorbeifahren von der Autobahn aus gesehen. Im Schatten der Kelpies machte ich bei Regen unter einer Brücke Mittagspause.

Dann ging es weiter. Ich schenkte nach Norden ein, überquerte den Forth und hielt mich nun westlich Richtung Stirling. Nördlich von mir sah ich die Hügel, vor denen vor 4 Wochen mein Ausweich-Campingplatz in Stirling lag, vor mir sah ich Stirling Castle und das Wallace Monument. 

Ich rollte in die nördlichen Stadtteile von Stirling ein und blieb stehen – ich musste nun eine Entscheidung treffen. Eigentlich war die Entscheidung (trotz meiner Frustration am Vormittag) schon längst gefallen. Trotzdem schaute ich noch einmal nach Norden, in Richtung Comrie. Dicke Regenwolken hangen dort. Wollte ich das wirklich? Das Zelt war gerade so schön getrocknet. 

Wie automatisch setzte ich im komoot Glasgow als neues Ziel. Es war 18:40, 48 Kilometer lagen vor mir. Von eine kurzen Pause an einem Coop abgesehen trat ich in die Pedale. Im Coop fragte mich die Verkäuferin, wo ich herkäme. Sie hätte einige Zeit in Detmold gelebt. 🙂 

Es wurde schon dunkel, als ich durch Glasgows Norden aufs Glasgow Green Zufuhr. Noch vor Andrea und Lukas, die bei der Dumbarton – Probe waren, war ich daheim. Hin und wieder zurück halt. Aber alleine die Fahrt mit Gepäck hat mich wieder aufgemuntert. 

Schottland, 2017: morgen wird „genullt“

Ich fahre diese Tour nicht mit einem ständigen Blick auf den Kilometerstand. Aber natürlich bin ich am Kilometerstand interessiert. Heute, am vorletzten Tag vor meiner Abfahrt nach Newcastle, habe ich meine Gesamtkilometer wieder einmal ausgerechnet.

Morgen erreiche ich noch die 3000 Kilometer m

Schottland 2017, Tag 29: „Due to the weather…“ (16.08.) 

„. .. Könnten sich die Abfahrzeiten der Fähre von Lochranza nach Claonaig verschieben.“

Schön, stört mich aber nicht. Ich wollte eh nicht nach Claonaig übersetzen. Heute lag eine Rundfahrt über den Norden von Arran an, anschließend ab 16:10 sollte es von Ardrossan (gegenüber der Insel Arran)  mit dem Fahrrad zurück nach Glasgow gehen. Den Hinweg hatte ich mit dem Zug gemacht, da ich sonst heute gute 180 Kilometer gefahren wäre. 

Der Zug setzte mich pünktlich um 9 Uhr in Ardrossan ab, von dort waren es nur wenige Kilometer bis zum Hafen, an dem schon die Calmac-Fähre lag. Sie war ziemlich groß, dachte ich mir. Inzwischen weiß ich, warum sie so groß ist. Aber dazu später. 

Mit der Fähre fuhr ich gemütlich rüber nach Arran. Arran, so heißt es, wäre Schottland im Mini-Format. I’m Norden erinnert Arran stark a an die Highlands, im Süden mehr an die Lowlands. Berühmt ist Arran für seinen Käse, sein Eis und sein Bier. Das Arran widerlegt, ähnlich wie das Bier von Skye, die These, dass Schotten kein Virus brauen können. Ich habe mir sagen lassen, dass der Whisky von Arran auch gut schmeckt. Da kann ich aber nichts zu sagen. 

Bei strahlendem Wetter kamen wir auf Arran an. Wie immer verließen wir Radfahrer zuletzt die Fähre, wünschten uns „Gute Fahrt“ und machten uns auf den Weg. 

Aufgrund meines Faibles für die Highlands habe ich mich für die Nordhälfte der Insel entschieden. Eine komplette Umkreisund wäre auch möglich gewesen, aber ich wollte für den Rückweg die Fähre um 15:15 Uhr ab Brodick erreichen. Außerdem wollte ich „the string“ abfahren, eine Straße, die die Ostküste mit der Westküste an der schmalsten Stelle verbindet. Auf Karten sieht es so aus, als ob sie Arran wie ein Strick zusammenzieht. Innerhalb von gut 10 Kilometern geht es von 0 Metern auf 230 Meter hoch. Und wieder runter. 

Ich fuhr also an der Küste entlang, freute mich über viele schöne Fotomotive und Ausblicke auf Kintyre (von der Westküste aus)… da fing es an zu regnen. Ich schlüpfte in die Regenjacke und behielt sie bis zum Ende der Tour an. Es regnete praktisch durchgehend. Nicht nur der leichte Nieselregen fiel vom Himmel. Auch der harte, stechende Regen mischte sich dazwischen und schlug mir ins Gesicht. Die Überquerung des Nordens (ein leichter Anstieg auf 120 Meter) gelang trotzdem recht problemlos. Ich war nicht so schnell wie der Radler vor mir. Aber der wollte auch die Fähre in Lochranza erreichen und dann über Claonaig, Tarbert etc. nach Glasgow zurück. (So eine Tour hatte ich auch schon mal angedacht.) 

In Lochranza machte ich kurz Halt am Castle und an der Bucht. Der Dauerregen verhagelte aber die Motivation, lange zu bleiben. Fotos gab es trotzdem. Etwas länger blieb ich bei der Sandwich-Bude am Ortsausgang. Ein Sandwich aß ich zwar nicht (auch wenn es lecker klang), aber ein „Mint Chocolat Arran Eis“, dafür musste die Zeit reichen. Zeit hatte ich auch noch. Laut meiner Navi sollte ich um 14:35 wieder in Brodick ankommen. Um 14:55 Uhr musste ich da sein. 

Als ich mich aufs Fahrrad schwang sah ich das zu Anfang beschriebene Hinweisschild zur Fähre in Lochranza. Noch schmunzelte ich. 

Aus dem Schmunzeln wurde aber schon bald ein durch die Anstrengung verzehrtes Gesicht. Denn der Wind kam auf. Von vorne, von der rechten Seite (vom Meer), selten vom Land, etwas öfter aus Norden. Der letztere schob mich manchmal an. Aber meistens kam er aus Südwest und ließ mich teilweise beim Fahren stehenbleiben. (Ich hoffe, ihr könnt euch da vorstellen.) Dazu kam der schon erwähnte Regen. Meine Hoffnung lag auf dem „String“, den dieser führte mich in Nordost – Richtung. Die müsste ich den Wind im Rücken haben. Durch die Turbulenzen kämpfte ich mich bis zur Abzweigung zum String hin. Von der Umgebung sah ich nicht viel. Zum einen lag Kintyre eh hinterm Regen versteckt. Außerdem fuhr ich überwiegend mit gesenktem Kopf, um mein Gesicht vor dem Regen zu schützen. 

Die Abzweigung kam, der Aufstieg begann. Erst langsam, nach 4 Kilometern stärker. Beim Abbiegen in den String hatte ich 15:00 Uhr als Ankunftszeit. Als ich oben ankam, stand die Ankunftszeit bei 14:50 Uhr, denn der Rückenwind ließ mich nicht im Stich. Er trieb mich geradezu den Berg hoch. Auf ihn vertrauend konnte ich sogar zwischendurch anhalten und Fotos machen. Flott ging er auch wieder abwärts. Ich erreichte, wie gesagt, um 14:50 Uhr den Hafen und freute mich. Hätte ich die Fähre nicht erwischt, wäre ich anschließend ab Ardrossan doch mit dem Zug gefahren. Denn die nächste Fähre fuhr erst um 16:40 Uhr, Ankunft um 17:35 Uhr. Warum ich das so genau weiß? Ganz einfach. Ich kam am Hafen an, traf einen Mitarbeiter und sagte ihm „I want to take the next ferry“ and he told me „That is at 16:40. The ferry at 15:15 didn’t go.“ 

Ich hatte mich also durch den Sturm gekämpft und bin den Berg hochgerast – um dann jetzt anderthalb Stunden zu warten. Okay, wartete ich halt. Ich zog die nasse Jacke und den nassen Pullover aus und setzte mich hin, holte mir zwischendurch noch einmal warmen Burger und warme Chips und ging schließlich an Bord. In der Bordbar sitzend übermannte mich schnell Müdigkeit und ich schlief ein. 

Erst kurz vor Ardrossan wachte ich wieder auf. Im Magen hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Schiff kämpfte mühsam gegen die Wellen an. Die 15:15 – Fähre, die kleiner war als die aktuelle, hätte bei der Tour bestimmt mehr Probleme gehabt. Aber auch unser Schiff folgten den Wellenbewegungen mit starken Ausschlägen. Dabei befanden wir uns schon im Hafenbecken von Ardrossan. Irgendwo klirrten Gläser, dann ertönte di Stimme des Kapitäns. Wir durften zu unseren Fahrzeugen. 

Auf dem Hafengelände in Ardrossan stürmte es auch. Schnell fuhr ich zum Bahnsteig des Zuges nach Glasgow, der schon auf uns wartete, stieg ein und fuhr (ohne ein schlechtes Gewissen zu haben) mit dem Zug zurück. Das Wetter heute war definitiv kein Fahrrad-Wetter. Nicht einmal in Schottland. 🙂 

Der Abend endete gemütlich und warm als Ausgleich zum Tag im „Baffa“, einem kongenialen italienischen Restaurant in Glasgow. 

Schottland 2017, Tag 28: North Ayrshire, ein soziales Experiment und der Ausgleich für die letzten beiden Tage

Zuletzt war ich faul – es war aber auch zu angenehm. Ich liege schön im warmen Bett, muss mich abends nicht ums Zeltaufbauen kümmern und mich nicht darüber aufregen, dass morgens das Zelt nass ist. Etwas komisch ist das schon. Vielleicht hätte ich im Sinne der Radtour diese Tage anders nutzen sollen, da es nicht mehr dem Flair hat, den es die ersten 3 1/2 Wochen hatte. Aber zumindest habe ich heute wieder angefangen zu fahren. Es ging heute Richtung Süden. Als erstes Ziel hatte ich mir New Lanark ausgesucht 

New Lanark ist eine Spinnerei, eine Woolen Mill, wenige Kilometer südlich von Lanark, welches ca. 40 Kilometer südlich von Glasgow liegt. New Lanark war nicht nur eine Woolen Mill, sondern auch eine „Arbeitersiedlung“. Gegründet im Jahr 1785 führte der 2. Besitzer Robert Owen (Schwiegersohn des Gründers) tiefgreifende soziale Verbesserungen ein, da er der Meinung war, dass seine Arbeiter in der Baumwollfabrik besser arbeiten könnten, wenn die sozialen Bedingungen besser wären. 

L“Er veränderte Arbeiten und Leben in der Baumwollfabrik, unter anderem durch den Bau einer Schule für die Kinder der Arbeiter, Einschränkung von Kinderarbeit, Abschaffung von Prügelstrafen, Pensionsversicherung und einer Art Krankenversicherung. Auf dem Gelände gab es einen Dorfladen, dessen Preise nur wenig über dem Großhandelspreis lagen. Das „Institute for the Formation of Character“ war der soziale Mittelpunkt in Owens Gemeinde. Dort waren eine Bibliothek mit Lesesaal, sowie eine Werkskantine und Räumlichkeiten für religiöse Versammlungen und andere Veranstaltungen untergebracht. *(Zitat Wikipedia) 

Ich war vor einigen Jahren schon einmal hier, den Besuch der preisgekrönten Ausstellung konnte ich mir sähe sparen. Aber ich finde die Ansammlung der im Tal gelegenen Häuser  und Fabrikgebäuden immer wieder schön.

Weiter ging es, komoot folgend, am Clyde entlang. Der Anblick des Clydes und der Wasserfälle war wunderschön, aber beim Weg fühlte ich mich doch etwas irritiert. Mehrmals musste ich mein Fahrrad Treppen hochtragen. Innerlich gratulierte ich mir, denn die Fahrt nach New Lanark war auch mal als erste Etappe der Strecke von Glasgow nach Newcastle angedacht. DAS wäre schwierig geworden. Aber heute hatte ich  zum Glück nur leichtes Gepäck für eine Tagestour. 

Vom Clyde aus bog ich nach Südwesten ab. Dort lag in 20 Kilometern Entfernung die Ruine von Douglas Castle. „Douglas Castle“ kennen wahrscheinlich die wenigsten. Aber als ich bei Facebook erwähnte, unter welchem Namen das Castle noch bekannt ist, machte man sich gleich Sorgen um mich. Bekannt geworden ist es als „Castle Dangerous“ in der gleichnamigen Novelle  von Sie Walter Scott aus dem Jahr 1832.

Mir persönlich, deswegen hatte ich die Ruine des Castles angesteuert, war der Name aus einem Stück bekannt, welches zum Standard jeder Pipeband gehört. Passenderweise hört dieser 3/4 Marsch auch auf den Namen „Castle Dangerous“.

Es ging aber weiter. Die nächsten 40 – 50 Kilometer waren eher ereignislos. Es ging an der Straße lang, teilweise über schmale Seitenstraßen, selten über Radwege. Zwischendurch lieferte ich mir ein Rennen mit einem ausgebüxten Schaf. Es stand auf dem Weg und kam nicht mehr auf die abgezäunte Wiese zurück. Als es mich sah, rannte es in bester Slapstick-Manier auf dem Weg vor mir weg. Sprang nicht nach rechts oder links. Zuerst wartete ich etwas ab. Dann aber dachte ich mir „Lieber ein Ende mit Schrecken“ und trat Mut möglichst viel Abstand zum Schaf in die Pedale. Kurz bevore ich es überholte, strauchelte das immer schneller werdende Schaf etwas und ich war vorbei. Das Schaf blieb stehen, schaute mir irritiert hinterher und gratulierte mir mit einem verstörenden „Mäh“ zum Sieg.

Ein anderes Mal kam mir eine Kuhherde auf der Straße entgegen. Panisch schleuchte mich der Landwirt zurück. War vielleicht auch besser so. 🙂

Zur Landschaft ist nicht viel zu sagen. Sie war nicht sonderlich eindrucksvoll. Sie war nicht unschön, aber zu (wie soll ich sagen)… zu „gewöhnlich“. Wald, Wiesen, Felder, zwischendurch wirkte es mal kurz wie in der Lüneburger Heide. Ich konnte daher relativ zügig fahren.

Beeindruckend waren zwischendurch immer wieder die Ausblicke Richtung Glasgow und den Bergen rund um den Loch Lomond, die relativ deutlich zu sehen waren.

Nebenbei kämpfte ich gegen den Gegenwind an. Das brachte mich zu einer Planänderung. Eigentlich war angedacht gewesen, über Kilmarnock nach Ardrossan zu fahren, dort mein Rad abzustellen, abzuschließen und mit dem Zug nach Glasgow zurück zu fahren. Am nächsten Morgen würde ich dann von Ardrossan aus Richtung Arran übersetzen.

Der Wind trieb mich dann aber kurz vor Kilmarnock Richtung Nordosten auf Glasgow zu. War mir auch lieber, da ich so mein armes Fahrrad nicht alleine in Ardrossan stehen lassen musste.

Der Tag brachte mit 151 Kilometern und gut 1000 Höhenmetern den gelungenen Ausgleich zu den letzten Faulenzer-Tagen.

 

Schottland 2017, Tag 27: ein freier Tag in Glasgow (14.8.)

Ich werde faul, befürchte ich. Allzu lange habe ich morgens nicht geschlafen – Fahrrad gefahren bin ich aber kaum. Zuerst musste ich morgens mit Andrea los und einen Mietwagen für sie vom Flughafen abholen. Wieder zurück in Glasgow ging es einkaufen. Anschließend bei „Coopers“ Essen. Abends besuchten wir dann gemeinsam die Bandprobe von „Dumbarton and District“, einer schottischen Grade 2 Band. (Grade 2 ist die zweithöchstste Spielklasse.) Ergebnis des Abends war, dass Andrea am kommenden Samstag mit der Band zusammen an einer Competition in Grade 2 und upgrade in Grade 1 (der höchsten Spielklasse) teilnehmen wird. Das bringt mich jetzt ins Grübeln. Die Competition ist 50 Kilometer westlich von Glasgow – nehme ich jetzt am Donnerstag wie geplant meine Tour wieder auf und fahre nach Newcastle (bis Samstag), oder bleibe ich in der Nähe, mache Tagestouren und fahre am Samstag mit dem Fahrrad zur Competition. Sonntag ginge es dann mit dem Zug nach Newcastle zurück. 

Fahrrad gefahren bin ich übrigens auch – aber nur gut 20 Kilometer durch Glasgow, zum „Coopers“, am Kelvin entlang, ein paar Kilometer am Forth-Clyde-Canal und dann die Abzweigung des Canals hinein nach Glasgow. Dort endet der Canal interessanterweise nach diversen Schleusen hoch über den Dächern der Stadt auf einem Hügel. 

Ja, ich weiß, ich bin faul gewesen. Aber am Dienstag und Mittwoch fahre ich wieder. Dienstag Richtung Süden nach Lanark, Castle Dangerous und durch den Norden von Ayrshire. Mittwoch rüber nach Arran. 

Schottland 2017, Tag 26: Auszeit in der „schönsten“ Stadt der Welt 

Als ich vor einigen Jahren das erste Mal nach Glasgow kam, hatten wir vorher am Loch Etive unser Zelt aufgeschlagen. Direkt am Ufer. Umgeben von den Bergen. Die Einfahrt nach Glasgow glich daher einem Kulturschock – und von dem hatte ich mich bisher noch nicht wieder erholt. Ich finde Glasgow einfach nicht schön. Sorry, Glasgow. 

Da meine Frau derzeit für eine Woche in Glasgow ist, wollte ich der Stadt bei einigen Tagen Urlaub vom Fahrrad fahren eine weitere Chance geben. 

Gestern hatten wir die Worlds besucht und anschließend noch leckere Pizza gegessen.

Am heutigen Sonntag legte ich die Beine hoch. Wir gingen einkaufen (die Supermärkte haben hier jeden Tag offen), ich schlief ein wenig und irgendwann war die Zeit furchtbar die weitere Chance gekommen. 

Ich setze mich für eine kurze Runde aufs Fahrrad. Es sollte den Clyde hinab gehen, schön am Ufer entlang. Die Sonne schien und neigte sich schon langsam dem Horizont zu. Es gab wunderschöne Bilder und Eindrücke am Fluss. Vom Clyde aus folgte ich für ein paar Minuten dem Kelvin bis zum Kelvingrove – Museum. Dort bog ich Richtung Innenstadt ab – und die Bilder wurden wieder unschöner. Die westlichen Stadtbezirke wirken leider etwas verwahrlost. Finde ich. Dabei ist die grundsätzliche Substanz der Häuser schon schön. 

Am Abend saßen wir dann gemütlich auf dem Sofa in der angemieteten Air BnB-Bude, die zwar nicht groß aber ausreichend und angenehm ist. Dort klang der Abend mit einem Bier und leckerer Tiefkühl-Pizza aus.