Schottland, Tag 11: noch mehr Höhenmeter und die beste Pizza meines Lebens 

Nach Applecross hin gibt es zwei Wege, wenn man einmal Luftweg und Wasserweg ausschließt. 

Einer für an der Küste entlang. Es geht immer auf und ab und man hat viele schöne Aussichten. 

Der andere geht über durchs Land, geht auf UND ab und hat primär eine spektakuläre Aussicht. Die hatte ich… nicht.  Denn auf 680 Metern Höhe umgab mich so viel Nebel, dass ich sogar die Fahrradbeleuchtung anschalten musste. 

Wie man sieht, als spezielles Highlight (im wahrsten Sinne des Wortes) habe ich mir den Applecross – Pass vorgenommen. Zugegeben: einen Teil des Weges hoch habe ich geschoben. Den Rest konnte ich aus eigener Kraft oder Dank des Rückenwindes zurücklegen. Zwischendurch habe ich mich auch nicht aufs Fahrrad getraut, weil der Seitenwind so stark war. Besser ist das. 🙂 

Schließlich war ich aber oben, immer wieder von den Autofahrern motiviert, die mir den erhobenen Daumen gezeigt haben. (Ich hoffe ja immer noch, dass der erhobene Daumen in Schottland nicht „Idiot, mach den Weg frei“ heißt. 🙂 Motiviert haben mich aber auch die Rückmeldungen aus der WhatsApp – Gruppe unserer Pipeband. 

Die Abfahrt war kaum weniger aufwendig. Der Pass war eine der weit verbreiten Single-Routes. Und er war stark befahrenen. Von Autos und Motorrädern. Oft sah es daher so aus:

Auf dem Pass fiel mir aber der entscheidende Vorteil de Fahrrades gegenüber dem Auto auf : ich konnte überall anhalten und Fotos machen. 🙂 

Schließlich war ich wieder unten und rollte weiter Richtung Süden. Dornie war mein nächstes Ziel, da wollte ich einen ausgewanderten Bandkollegen besuchen.

Vorher gab es aber noch ein weiteres Highlight des Tages. Mein Tacho mit den Tourenkilometern schaltete sich mangels Tausenderstelle wieder auf „0“ – die ersten 1000 Kilometer war ich gefahren. 

Sicherlich war ich stolz, aber ich merkte, dass mir diese Zahl dieses Mal nicht so viel bedeutete. Wurde ich erwachsen? Bei dieser Tour lag mein Hauptaugenmerk auf der Strecke, der Umgebung. Nicht auf den Kilometern. 

Highlight 3 an diesem Tag war eine Pizza. Ich unterbrach meine Fahrt nach nicht einmal 60 Kilometern in Dornie auf dem Campingplatz. Wenige Meter entfernt liegt die vielleicht beste Bakery in Schottland: Manuela’s Wee Bakery. Wer zwischendurch im Urlaub mal richtiges Brot möchte, sollte dort Station machen. Für die Öffnungszeiten der Bakery kam ich zu spät, aber „Pizza Jo“ hatte noch geöffnet. Seit einem Jahr hatte Thomas zusammen mit seiner Familie dort auch eine Pizzeria, die demnächst noch weiter ausgebaut werden soll. Die Pizza war übrigens klasse. Eine der besten Pizzen, die ich in meinem Leben gegessen hatte. Also: Wer in der Nähe von Dornie ist, sollte Freitags oder Samstags zwischen 6 und 9 Uhr abends dort vorbeischauen. 

Was gab der Tag sonst noch so her. Viel Regen, harte Anstiege, welche ich leider oft nicht schiebend verbracht habe, Regen, Fish ’n Chips in Lochcarron und einen sehr günstigen Campingplatz bei Dornie mit einem wunderschönen Blick auf seine Eilean Donan Castle. 

Außerdem gab es einen sehr schönen Abend im Trockenen bei Thomas, abgerundet durch einen leckeren Gin-O-Saft und dem Angebot, im Badezimmer meine Sachen zu trocknen, was auch dringend nötig war. 

3 Highlights, aber die Fahrt war anstrengend, wenig effektiv und teilweise demotivierend. Hoffentlich ändert sich das noch. (Ja, es ändert sich. 🙂 ) 

Schottland, Tag 10: Regen, Höhenmeter, Gegenwind… 

… Das ist Schottland. Nicht dass ich das nicht vorher schon gewusst habe. Ich will mich also gar nicht beschweren. Aber alles drei auf einmal? Heute bin ich erledigt. Gebe ich zu. Dabei meint komoot, dass es vergleichsweise wenig Höhenmeter waren (790). Okay, dann lag es am Regen. Aber im Endeffekt bin ich gut und nass in Applecross angekommen und sitze nun im „Remotest Pub of the world“, dem Applecross Inn. Gemütlich, laut und WiFi. Ein Pub eben. 🙂 

Die Fahrt war eigentlich gar nicht so unangenehm. Zwischen Kinkochewe und der Küste lag ein schönes Tal mit einem schönen Loch. Das Café vorher in Kinlochewe war schön, die Bedienung nett. Loch Maree habe ich auch sehr genossen. Ich war da schon einmal, konnte mich aber nicht dran erinnern, bis ich (im Regen) an den Viktoria-Falls vorbeigefahren war. Gekannt habe ich es trotzdem. Vom „Summer Walker“ von Runrig. (https://youtu.be/kJH45oiI4Xg

Heute kamen mir auch einige Reiseradler entgegen. Gut zu wissen, dass man kein Exot ist. 🙂 

Die letzten 35 Kilometer waren aber schon hart. Die Costal Route nach Applecross ging bergauf und bergab. Dazu kam der Gegenwind und Regen. Zwischendurch hörte dieser auf und auch kurz nach meiner Ankunft in Applecross ließ er nach, so dass ich halbwegs in Ruhe mein Zelt aufbauen konnte. 

Nach einer ausgiebigen Dusche sitze ich nun im „Remotest Pub of the world“ bei einem Bier und einer Tüte Chips. (Okay, es waren von beidem 2 🙂 ) und schreibe diesen Beitrag. 

Oben am Platz werfe ich einmal meine nassen Klamotten in den „Kalt – Trockner“, damit sie morgen wieder trocken sind. 

Morgen geht es dann 600 Meter hoch auch den Pass von Applecross (geschoben) – belohnen werde ich mich dafür bei Dornie in Manuel’s Wee Backery. Freue mich drauf. Auf beides. 

I like your bike 

Eben auf dem Campingplatz, als ich mit dem Fahrrad zum Ausgang fuhr, kam ein Junge auf mich zu. Vielleicht war er 8 Jahre alt. Er schaute auf mein Fahrrad und als wir aneinander vorbei waren, drehten wir uns noch einmal kurz zueinander um und er sagte „I like your bike.“ Danke – ich auch. 

Schottland 2017, Tag 9: Ullapool – Gairloch 

Der Tag begann mit Regen. Passend zum Abwischen des Außenzeltes hörte der Regen auf, das Außenzelt kam aber wie fast üblich im Netz aufs Ragpack oben drauf. 

Ich verabschiedete mich von der Familie aus Recklinghausen.  (nicht Remscheid 🙂 ). Etwas neidisch war ich ja schon, als sie mir gestern Abend erzählt hatten, dass sie schon vor 20 Jahren zu Fuß durch Schottland gewandert sind. 

Dann ging es los – erst einmal aber nur, wie im letzten Beitrag schon geschildert, aber nur bis Ullapool zur Bank of Scotland und dem freien WLAN. 🙂 

Ich glaube, es war auch eine Art Vermeidungsstrategie, denn vor mir lagen 2 eng hintereinander liegenden Steigungen von insgesamt 380 Metern. Aber ich konnte mich nicht ewig drücken, also nahm ich die erste Steigung langsam in Angriff. Sie begann ca. 15 Kilometer hinter Ullapool – gestern war ich sie herabgefahren. Wie erwartet habe ich sie nicht komplett „genommen“, sondern habe mein Fahrrad wieder den Berg hochgeschoben. Auch die Burger – Verlockung am Parkplatz des Wasserfalls konnte mich nicht zum Fahren motivieren. Als ob ich es gewusst hatte – die Burger-Bude war bei meiner Ankunft auch noch unbesetzt. Also bin ich verhungert. Die Reise war damit zu Ende. 

… 

… 

Okay, ich hatte mich zum Glück in Ullapool mit Schoko-Riegeln eingedeckt und konnte daher weiterfahren. Vor dem nächsten gut 200 Höhenmetern hatte ich noch mehr Respekt. Der Anfang lief noch ganz gut – ich musste nicht absteigen. Und der Rest lief noch besser. Ich hatte plötzlich Rückenwind von der Sorte „Ich schiebe jedes Fahrrad mit 15 km/h den Berg hoch“ – ohne viel Anstrengung kam ich oben an und ging den schwierigen Teil an: nun ging es fast 400 Meter bis Normalnull bergab. Stellenweise hatte ich über 60 km/has drauf, was dann zu vorsichtigen Bremsmanövern geführt hat. Bei meinem schweren Fahrrad möchte ich nicht bei 60 km/h die Kontrolle verlieren. 🙁

Ich genoß die weitere Abfahrt und die Ausblicke, die sich mir immer wieder boten. 

Besonders hervorzuheben ist dabei wohl Gruinards Beach. Ein wunderschöner Strand an der Westküste Schottlands. Garniert mit einem anschließenden steilen Anstieg. 

Da ich den Anstieg eh wieder schieben musste, hatte ich auch Zeit, die AM Wegesrand stehenden Supporter zu fotografieren. 

Die Strecke zog sich noch lange hin. Mit den guten 100 Kilometern war es auch eine der längeren Etappen, aber schließlich erreichte ich die „Highroad to Gairloch“ (für den Fall, dass diese sich Gairloch von Norden nach Süden nähert und wenig später den Aussichtspunkt über Gairloch. Von hier aus konnte ich einen ersten Blick auf die Insel Skye werfen, die im Schatten auf meine Ankunft wartete. Skye besuche ich aber erst in knapp 2 Wochen. 

Der Blick begleitete mich auf dem Weg zum großen, windig gelegenen Campingplatz, den ich nach 10 Stunden Geaamtzeit (ca. 7 auf dem Sattel) erreichte.

Morgen geht es weiter – nach Applecross. 

[Hier ist wieder ein komisches WLAN, deshalb wurden die Bilder nicht hochgeladen. Mache ich später mal.

Schottland 2017, Tag 8: Contin – Ullapool 

Das Netz am Camp gestern Abend war wieder gewöhnungsbedürftig. Aber jetzt stehe ich an der Bank of Scotland in Ullapool, nutze deren freies WLAN und habe außerdem gerade erfahren, dass ich am Campingplatz ankommen kann, wann ich möchte. Wenn keiner mehr da ist, soll ich einfach mein Zelt aufstellen. Prima, da kann ich mir jetzt also etwas Zeit lassen. 

Gestern morgen startete ich bei leichtem Nieselregen in Contin. „Ist ja nur leichter Regen“ dachte ich mir und fuhr ohne Regenbekleidung los. Das Wetter gab mir recht – einige Kilometer später bei den Rogie Falls war es schon nicht mehr am regnen. Als ich ankam. Ich nahm mir Zeit für die große Runde zu den Fällen und genoß einige Minuten auf der Brücke, die sich über die Wasserfälle des Black Rivers spannte. Mein Warten wurde belohnt, ich hatte Glück und konnte sogar einen Lachs sehen, der die Fälle hinaufsprang. Der Lachs hatte allerdings leider weniger Glück und prallte immer wieder vom Felsen ab. Armer Lachs. 

Bei der Abfahrt von den Rogie Falls hatte ich auch weniger Glück. Es regnete wieder leicht. Ich ignorierte es und fuhr los. 20 Kilometer leicht bergauf auf ca. 350 Meter. Kurz vor der Höhe weckte ein Hinweisschild mein Interesse. Vor mir lag ein Inn. Ich konnte mich etwa trocknen…. Allerdings hätte ich dafür, so las ich an der Tür, noch bis 4 Uhr warten müssen. Nein, dann lieber nicht. 

Ich folgte dem Stausee (Name wird nachgeliefert) und beschloss schließlich doch, meine Regenjacke anzuziehen. 2 Minuten später hörte der Regen auf. 🙂 

Nun fuhr ich zügig aber gemütlich bis zum Baimor-Junction (ich glaube, so hieß er) weiter. Dort verließ ich meine Strecke und besuchte die dort liegenden Wasserfälle. 

… 

[Jetzt habe ich gerade beschlossen, dass ich doch langsam mal losfahren sollte. Ich schreibe hoffentlich heute Abend weiter.] 

Schottland 2017, Tag 7, Nachtrag :) 

Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten. Ich sitze auf dem wahrscheinlich kleinsten und unauffälligsten Campingplatz, den ich bisher besucht habe… und habe freies WLAN. Daher hier noch ein kurzer Nachtrag. 

Nach meinem McDonalds-Besuch habe ich mich noch ein wenig in Inverness aufhalten. Ich habe Postkarten gekauft, die ich hoffentlich auch schreiben und verschicken werde und mir ein wenig die Stadt angesehen. 

Wie immer mit dem Fahrrad nur oberflächlich, da ich mein vollbepacktes Fahrrad nicht irgendwo stehen lassen möchte. In Schottland ginge das vielleicht. In Inverness wäre ich mir aber nicht ganz so sicher. 🙂 

Die sehr touristisch geprägte Innenstadt inklusive einem Dudelsack-Spieler im Number-1-Dress finds ich jedenfalls immer wieder faszinierend, getoppt wird es darüber hinaus durch viele alte Bauten. 

Schließlich verließ ich die Innenstadt mit Kurs auf den Tiso in Edinburgh. „Tiso“ ist eine Outdoorladen-Kette. Ich wollte dort vorbeischauen, etwas Gas kaufen und wurde vom Kassierer gleich in ein Gespräch verwickelt.  Schottland, so sagte er, wäre bei Reiseradlern aus Deutschland sehr beliebt. Kann sein. Wobei ich im Allgemeinen noch nicht viele Reiseradler gesehen habe. Aber Schottland ist groß, die verteilen sich wahrscheinlich irgendwo. 

Ganz allgemein wurde ich heute sehr oft auf meine Strecke und meine Tour angesprochen. Kurz hinter Inverness unterhielt ich mich 10 Minuten lang mit einem Schotten. Er gab mir Tipps, wie ich am besten zum Campingplatz käme, etc. 

A propos Campingplatz: der Campingplatz in Contin ist sehr spartanisch. Die sanitären Anlagen sind sauber, aber einfach. Aber das macht nichts. Dafür liegt er schön am Ufer des Black Rivers, das Geschäft des Ortes ist gut zu erreichen und es gibt ein schnelles, freies WLAN. 

Highlight des Abends war aber das Rentner-Ehepaar aus Deutschland, mit denen ich schnell ins Gespräch kam. 3s waren nette zwei Stunden am Abend. Wir unterhielten uns über Schule, Schottland, Pipemusik,…. Dazu stellten sie mir 2 kühle (!!) Arran Blonde Hin. Leckeres Bier von Arran. Sehr lecker. Als ich mich mit den Worten „Ich hole mir kurz was langes zum Anziehen und ein wenig zum Essen aus dem Zelt“ kurz verabschiedete, stand hinterher ein Brettchen mit lecker belegten Broten auf dem Tisch. 

Es war ein sehr angenehmer Abend, der noch mit einem Telefonat nach Deutschland (sorry, O2) endete. 

Morgen geht es weiter in den Westen Schottlands. Ich fahre eine Ehe kurze 65 Kilometer-Strecke nach Ullapool. 

Schottland 2017, Tag 7: Over the hill… 

Ich sitze mal wieder bei McDonald’s und möchte das gute WLAN hier nutzen. (Eigentlich sitze ich hier auch nur wegen des WLANs. :)) 

Gestartet bin ich heute morgen wieder einmal bei traumhaften Wetter in Fort Augustus. Auf dem Campingplatz lieferte ich mir ein „Packduell“ mit einer Nachbarin, die zu Fuß unterwegs war. Sie hat gewonnen – aber sie hatte auch nur einen Rucksack mit. 🙂 

Bei der Tankstelle im Ort, an der ich Vorräte aufnehmen wollte, traf ich sie wieder. Sie marschierte in Richtung der Nordküste vom Loch Ness. Mir war die Strecke dort zu verkehrsreich – und daher folgte ich der Südküste und dem Fahrradweg. Diese Entscheidung habe ich auf den kommenden 9 Kilometern mehrmals bereut, denn die Straße stieg von 50 Meter auf 400 Meter an. Schiebend, aber nicht fluchend näherte ich mich der höchsten Stelle der Tour, überlegte mehrmals, ob ich nicht doch einfach umkehren solle und die Nordstrecke fahren sollte. Aber eisern hielt ich durch, in der Hoffnung, dass es sich lohnen möge. 

Ja, das tat es. Kurz vorm höchsten Punkt der Straße kam ich am Loch Tariff vorbei. Traumhaft lag dieses Wasserreservoir von Fort Augustus auf 350 Meter Höhe. 

Nach einer kurzen Unterhaltung mit den hier befindlichen Schafen ging es die letzten Meter weiter. Dort wurde ich erst recht mit einer genialen Aussicht belohnt. 

Ab nun ging es abwärts, an den Foyer Falls vorbei… 

… hinab zum Loch Ness. 

Nach 50 Kilometern sitze ich nun in Inverness beim McDonalds. Vielleicht schaue ich jetzt noch kurz bei Tiso vorbei und dann geht es weiter. 
Dies war nur ein kurzer Zwischenbericht, für den Fall, dass heute Abend das Netz wieder nicht reicht. 

Schottland, Tag 6: meine heutige Route 

Heute Abend möchte ich in Fort Augustus sein. Das liegt am Loch Ness. Es gibt zwei Wege dorthin. Einer führt mich an Dalwhinnie vorbei, ist ca.  135 Kilometer lang und bis Dalwhinnie muss ich fast 400 Meter hoch. 

Der andere führt am Ufer vom Loch Tummel und Loch Rannoch vorbei bis hin zu Rannoch Station – einem Bahnhof mitten im Nirgendwo. Es führt keine zweite Straße zurück, aber zum Glück fährt um 15:16 ein Zug Richtung Fort Williams. Den nehme ich und steige rechtzeitig wieder aus, so dass ich noch 40 Kilometer zu fahren habe. Auf geht’s.